Unternehmen in Ostthüringen: E-Bikes bestimmen im Fahrradhaus Kemter in Jena das Geschäft

Jena  Das Fahrradhaus Kemter in Jena wurde 1990 nach 32 Jahren Unterbrechung wieder gegründet. Die Mitarbeiter sind am Umsatz beteiligt.

Pflegen Familientradition im Fahrradhaus: Hans und Manuela Kemter sowie Sohn Falko.

Pflegen Familientradition im Fahrradhaus: Hans und Manuela Kemter sowie Sohn Falko.

Foto: Michael Groß

Sommerzeit ist auch Radlerzeit. Denn so mancher startet im Urlaub mit seinem Rad eine Tour. Noch dazu bei so viel Sonnenwetter wie in diesem Jahr. Doch der Sommer ist eigentlich nicht die Hauptsaison im Jenaer Fahrradhaus Kemter, wissen Hans und Manuel Kemter zu berichten. Das sei vielmehr das Frühjahr, wenn die ersten Sonnenstrahlen kommen und bei vielen die Lust aufs Radeln wächst. Dann muss die Firma Kemter startbereit sein und Wünsche erfüllen können.

Das heißt für das Familien-Unternehmen, gut vorbereitet zu sein. „Aber da haben wir unsere Erfahrungen“, sagt Manuela Kemter: „In unserer 800 Quadratmeter großen Verkaufshalle haben wir ständig 500 topaktuelle Marken-Fahrräder. Im benachbarten Lager sind es noch einmal fast 1000 Räder, die angesehen und auch fahrbereit mitgenommen werden können. Und natürlich sind auch über 300 E-Bikes dabei.“

Probefahrt für Elektroräder möglich

Die Nachfrage für Elektro-Fahrräder sei in den vergangenen Jahren mächtig gestiegen, erzählen die Kemters. Vor allem bei älteren Menschen, die gern etwas Entlastung beim Treten der Pedale haben möchten. Dafür gebe es auch einen hohen Beratungsbedarf, den Hans und Manuela Kemter mit Sohn Falko und den drei weiteren Mitarbeitern gern befriedigen. Da müsse man sich Zeit nehmen und die Leute, die manchmal noch etwas verunsichert seien, aufklären und die Technik nahebringen. Eine gemeinsame Probefahrt gehört dann auch oft dazu, um Ängste zu nehmen.

Das Fahrradhaus im Jenaer Stadtzentrum kann sich auf eine Familientradition berufen, die bis 1928 zurückreicht. Damals eröffnete der Vater vom heutigen Seniorchef Hans Kemter am Löbdergraben 24 ein Fachgeschäft für Fahrräder und Nähmaschinen. Eine Kombination, über die man sich heute wundert. Das habe daran gelegen, dass sich einige große Firmen damals oft auf die gleichzeitige Produktion von Nähmaschinen und Fahrrädern spezialisiert hatten, erzählen die Kemters.

Eine Tankstelle gehörte später auch dazu, und Autos wurden ebenfalls repariert. Außerdem befand sich im Gebäude sogar noch eine Milch-Trinkhalle.

Hans Kemter hatte im Familienbetrieb als Kind oft mitgeholfen. Doch dann wurde das Geschäft 1958 von der DDR-Handelsorganisation HO übernommen. Und Hans entschied sich lieber für eine Lehre beim Unternehmen Carl Zeiss Jena.

Aber 1990 war es so weit: Das Unternehmen wurde wieder Familienbetrieb. Hans Kemter eröffnete das Fahrradhaus in dem Gebäude neu, in dem nach der HO bis 1990 der damalige Ifa-Betrieb angesiedelt war.

2008 wurde der Betrieb ausgebaut

Schnell wuchs die Firma. „Wir haben jährlich Zuwachsraten. Manche Jahre sind es bis zu 25 Prozent“, berichtet Manuela Kemter. So konnte man 2008 den Betrieb ausbauen. Jetzt befindet sich die Verkaufshalle im hinteren Grundstück. Ein großer Hof davor bietet Parkplätze für Kunden und Möglichkeiten, Fahrräder auszuprobieren.

Eine Werkstatt gehört ebenso zum Unternehmen. Reparaturen und andere Dienstleistungen an Fahrrädern werden durchgeführt. Man bemühe sich um Schnelligkeit und Qualität, sagen die Kemters. Eine gute Grundlage für die Motivation der Mitarbeiter sei auch die Beteiligung jedes Mitarbeiters an den erzielten Umsätzen.

Auch an Seiteneinsteigern interessiert

Gern würden die Kemters auch noch jemanden einstellen. Einen Lehrling konnten sie gerade übernehmen. Aber die Bewerbungen für eine Ausbildung, die möglich ist, halten sich in Grenzen. Doch Hans Kemter macht jungen Leuten Mut: Wer Interesse am Fahrrädern, der Technik und am Radsport hat, aber auch mit Leuten umgehen kann, soll sich ruhig melden. Man sei auch an Seiteneinsteigern interessiert. Regelmäßige Fortbildungen gehören natürlich ebenfalls dazu. Schließlich wolle man immer auf dem Laufenden bleiben, sagt Hans Kemter, dessen Firma auch zu den zertifizierten Firmen gehört, die sich das Vertrauen der Zweirad-Einkaufsgenossenschaft Europas (ZEG) erworben haben.

Dabei entwickle sich der Zweiradmarkt weiterhin rasant, sagen Hans, Manuela und Falko Kemter. Der Markt sei sehr breit geworden, umfasse Mountain-Bikes, Cross- und Trekkingräder, Kinder-Fahrräder, Stadtfahrräder, Pedelecs und vieles mehr, ganz zu schweigen von Zubehör. Und dass es derzeit in Jena eine ganze Palette von Fahrradanbietern gebe, stört die Kemters nicht. Das verstehe man nicht als Konkurrenz, sondern als Wettbewerb, an dem man sich gern beteilige, um die wachsenden Wünsche der Kunden nach jener gesunden Fortbewegungsart zu erfüllen. Und natürlich wolle man auch weiter sozial aktiv bleiben. So wird zur Tombola von Kinderhilfestiftung und Lions Club beim nächsten Jenaer Weihnachtsmarkt auch wieder ein Hauptpreis gestiftet – ein E-Bike.

Das Unternehmen in Ostthüringen

Name: Fahrradhaus Kemter – Der Zweirad-Experte

Standort: 07743 Jena, Löbdergraben 24

Geschäftsführer: Falko Kemter, Seniorchef: Hans Kemter

Umsatz:keine Angaben

Beschäftigte: derzeit sechs Beschäftigte – drei Familienmitglieder und drei Mitarbeiter

Auszubildende: ab September wieder ein Lehrling, gerade erst einen übernommen

Produkte: Verkauf von Fahrrädern aller Art , darunter auch E-Bikes, außerdem Reparatur in einer Meisterwerkstatt

Internet: www.kemter-derzweiradexperte.de

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