Kein Platz für Rassismus

Vielstimmiges Bekenntnis für offenes, buntes Jena

Jena.  Klang der Stolpersteine setzte deportierten und ermordeten Jenaer Juden ein musikalisches Denkmal

Am Westbahnhof in Jena fand am Sonnabend die große Gedenkfeier für die Opfer der Pogromnacht am 9.11.1938 statt. Mindestens 1000 Menschen hatten sich zusammen gefunden, um an die deportierten und ermordeten Jenaer Juden,Sinti und Roma zu erinnern und zu mahnen,Rassismus und Hass heute keinen Platz in ihrer Stadt und der Gesellschaft zu geben.

Am Westbahnhof in Jena fand am Sonnabend die große Gedenkfeier für die Opfer der Pogromnacht am 9.11.1938 statt. Mindestens 1000 Menschen hatten sich zusammen gefunden, um an die deportierten und ermordeten Jenaer Juden,Sinti und Roma zu erinnern und zu mahnen,Rassismus und Hass heute keinen Platz in ihrer Stadt und der Gesellschaft zu geben.

Foto: Angelika Schimmel

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Die Erinnerung an die Vertreibung, Verschleppung und Ermordung jüdischer Mitbürger haben am Sonnabend in Jena viele Menschen wach gerufen. Mit Worten, Musik, Theater und stillem Gedenken wurde von vielen Menschen an mehr als 40 Orten in der Stadt der Opfer der Nazibarbarei gedacht.

Den beklemmenden Auftakt gestaltete die Freie Bühne Jena, die vom Holzmarkt bis zum Westbahnhof einen Walk Act zur Aufführung brachte, der die Deportation jüdischer Mitbürger aus Jena in den Jahren der NS-Herrschaft ins Bewusstsein rief. In der Nacht vom 9. zum 10. November des Jahres 1938, die als Reichspogromnacht in die Geschichte einging und die den Beginn der Vernichtung der europäischen Juden markierte, wurden auch in Jena jüdische Geschäfte geschändet und am Ende 59 jüdische Männer von der Gestapo festgenommen und in die Vernichtungslager geschafft. Auch vor ihren Frauen und Kindern machte der Rassenwahn der Nationalsozialisten nicht halt, viele der einstmals 277 Jenaer Juden starben im Gas oder an den Folgen der Haft und Schwerstarbeit in den Konzentrationslagern.

277 Jenaer Juden ermordet

An ihr Schicksal erinnern in den Jenaer Straßen, in denen sie früher gewohnt hatten, glänzende „Stolpersteine“. Die wurden am Sonnabend von Chören, Bands, kleinen Orchestern und einzelnen Musiker zum Klingen gebracht. So wurde den vertriebenen, verschleppten und ermordeten jüdischen Mitbürgern musikalisch ein Denkmal gesetzt. „Als Deutsche müssen wir uns unserer Geschichte bewusst sein. Das ist keine Frage von Schuld, sondern von Verantwortung. So etwas darf nicht noch einmal passieren. Das Erinnern ist ein erster Schritt dafür“, sagte Thomas Zingelmann, der mit Freunden dem beklemmenden Theaterstück am Holzmarkt folgte. Dass in Jena kein Platz für Rassismus und Hass ist, müsse an diesem Tag besonders deutlich gemacht werden, auch angesichts der jüngsten politischen Entwicklung in Thüringen, ergänzte Paul Helfritzsch. Dass heute Anhänger der AfD wieder rassistische und nationalistische Töne anschlagen, mache ihn betroffen, traurig, wütend, manchmal auch ohnmächtig. Doch deshalb seien sie hierher gekommen, versicherten die jungen Leute. Auch für Friedrich Busch von der Band Carpe Noctem, die auf dem Holzmarkt auftrat, war es wichtig, ein Zeichen zu setzen dafür, „dass es viele Menschen sind, die anders denken, die für eine offene, bunte Stadt Jena einstehen.“

Offenbar genauso dachten auch die über 1000 Jenaer, die von den Konzertorten gemeinsam zum Westbahnhof kamen. Hier, wo die deportierten Juden, Sinti, Roma und andere politisch Verfolgte in die Vernichtungslager abtransportiert wurden, versammelten sich die Jenaer mit hunderten Kerzen als Symbol. „Heute, wo in unserem Land Gewalt gegen Juden wieder zu nimmt, setzen wir dieses Zeichen gegen Rassismus und für ein friedliches Zusammenleben“, sagte Superintendent Sebastian Neuß. Regionalbischöfin Friederike Spengler warnte, dass antisemitische Einstellungen und Klischees wieder Platz in den Köpfen einnähmen. „Halle könnte überall sein“, so ihre Mahnung. Gemeinsam legten dann der Jenaer OB, Thomas Nitzsche und der Landesrabbiner Alexander Nachama einen Kranz nieder, der Rabbiner sprach ein Gebet und an die Tausend Jenaer stimmten das Lied „Dona nobis pacem“ (Gib uns Frieden) an.

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