Warum der FC Carl Zeiss Jena auf ein Trainerultimatum verzichtet

Jena  Der abgeschlagene Tabellenletzte FC Carl Zeiss Jena mit nur einem Punkt auf dem Konto kommt unterm Strich zu einem klaren Schluss.

Weiter an Bord beim FC Carl Zeiss Jena: Trainer Lukas Kwasniok

Weiter an Bord beim FC Carl Zeiss Jena: Trainer Lukas Kwasniok

Foto: Tino Zippel

Regenwolken hingen am Montagnachmittag über dem Ernst-Abbe-Sportfeld. Die Verantwortlichen des FC Carl Zeiss Jena berieten in verschiedenen Runden darüber, wie es nach dem missratenen Saisonstart weitergehen soll. Der abgeschlagene Tabellen­letzte mit nur einem Punkt auf dem Konto kommt unterm Strich zu einem klaren Schluss.

Lukas Kwasniok bleibt Trainer und erhält auch kein Ultimatum fürs Spiel gegen den Chemnitzer FC, das am Sonnabend ansteht. „Wir werden kein Ultimatum stellen“, sagt Vereinspräsident Klaus Berka unserer Zeitung.

Er hatte an diesem Tag mit dem zweiten Gesellschafter, Investor Roland Duchatelet, telefoniert, um die sportlich bescheidene Lage zu besprechen. „Wir verbinden uns nicht die Augen vor der Realität, suchen gemeinsam nach Lösungen, wie es nach vorn geht“, sagt Berka. Nach dem Gespräch bestehe Einigkeit, sich nicht von den Forderungen nach einem Trainerwechsel aus dem Umfeld anstecken zu lassen. „Wir haben uns geschworen, nicht mehr so schnell wie früher das Trainerkarussell drehen zu lassen.“

Rückkehr von Zimmermann war im Gespräch

Geschäftsführer Chris Förster teilt diese Ansicht. „Uns geht es nicht darum, eine einfache Lösung zu finden, sondern die erfolgversprechendste“, sagt er. Vorangegangen war eine Analyse mit der Kernfrage, ob der Trainer noch für die Aufgabe brennt und der festen Überzeugung ist, mit der Mannschaft die Wende zu schaffen.

Auf unsere Anfrage hin vermittelt Kwasniok genau diesen Eindruck. „Ich bin überzeugt davon, dass wir es gemeinschaftlich schaffen, in den verbleidenden 30 Spielen 45 Punkte holen“, sagt der Trainer, der im Dezember 2018 Mark Zimmermann abgelöst hatte. Durch einen furiosen Endspurt hatte die Mannschaft am letzten Spieltag noch den Klassenerhalt geschafft, obwohl zwischenzeitlich schon die Rückkehr von Zimmermann im Gespräch war.

Der Erfolg, der in der Fußballszene nicht unbeobachtet blieb, weckte Begehrlichkeiten. Ein höherklassiges, deutlich besser dotiertes Angebot schlug Kwasniok aus, weil er sich verantwortlich für die bereits verpflichteten Spieler fühlte und in Jena langfristigen Erfolg anstrebte. Inzwischen ist klar, dass die Idee, Ballbesitzfußball mit einer neu zusammengestellten Mannschaft zu spielen, ein Fehler war. Zu viele Fußballer kamen ohne ausreichende Spielpraxis nach Jena – ein Versäumnis, für das Kwasniok die Verantwortung trägt. Aber die auch aus den Strukturen resultiert: Es fehlt ein Analyst, der Spieler langfristig beobachtet.

Klares Bekenntnis für den Fußballlehrer erwartet

Die Verpflichtung von Dominic Volkmer, ursprünglich für Mitte Juli erhofft, klappte erst Ende August. Die Spiele gegen Magdeburg und im Vergleich dazu gegen 1860 München zeigten, wie wichtig der Abwehrchef für die Stabilität des Teams ist. In Jena hoffen sie, dass er bald wieder mitwirken kann. Gestern warf er zumindest mit dem Reha-Basketball auf Körbe, um die lädierte Schulter zu trainieren.

Zweite Komponente bei der Entscheidung pro Kwasniok war, wie die Mannschaft die Arbeit mit dem Trainer einschätzt, ob er das Team noch erreicht. Sehr deutlich machten die Spieler, dass sie an den Trainer glauben. Sie sprachen sich gegen ein Ultimatum fürs Chemnitz-Spiel aus. Die Entscheidung solle nicht an einem Spiel hängen, vielmehr erwarten sie ein klares Bekenntnis für den Fußballlehrer.

„Es ist der richtige Weg, dem Trainer das Vertrauen zu schenken und ihm uneingeschränkt den Rücken zu stärken. Unabhängig vom Ergebnis gegen Chemnitz wird Lukas Kwasniok weiter auf der Bank sitzen“, sagt Geschäftsführer Förster.

Klar ist natürlich, dass die Führung des FC Carl Zeiss in den kommenden Monaten eine deutlich bessere Punktausbeute erwartet. „Wir müssen bis zur Winter­pause fleißig Punkte sammeln und den Anschluss an die Nichtabstiegsplätze in der dritte Liga herstellen“, sagt Präsident Berka.

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