Zusammenhalt im Dorf – das lohnt sich

Jena.  Menschen in Jena: Wilfried Schau ist Vorsitzender des Vereins „Der Ammerbacher“. Und der macht einiges für sein Dorf.

Neben der Dorfchronik, an der ständig gearbeitet wird, geben die Ammerbacher auch kleine Heftchen zu den Jubiläen heraus. Viele der Informationen stützen sich dabei auf die so genannte Leidenfrost-Chronik von einem früheren Pfarrer, die Wilfried Schau hier zeigt.

Neben der Dorfchronik, an der ständig gearbeitet wird, geben die Ammerbacher auch kleine Heftchen zu den Jubiläen heraus. Viele der Informationen stützen sich dabei auf die so genannte Leidenfrost-Chronik von einem früheren Pfarrer, die Wilfried Schau hier zeigt.

Foto: Foto: Barbara Glasser

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„Es macht einfach Spaß, hier zu leben, wenn es einen Zusammenhalt im Dorf gibt“, sagt Wilfried Schau, der Vorsitzende des Vereins „Der Ammerbacher“. Und dafür sei’s eben gut, wenn man gemeinsam Feste feiert und natürlich auch gemeinsam arbeitet wie zum Beispiel am Vereinshaus, dem ehemaligen Burschenhaus in Ammerbach, das einst der Burschenschaft „Weimarania“ gehört hat und das nun Vereinseigentum ist. Und in eben diese Gemeinschaft investiert Wilfried Schau viel Zeit.

„Das sind nicht nur Versammlungen und Arbeitspläne, das sind eben Veranstaltungen, vor denen man ein paar Tage fast unter Hochdruck steht“, erzählt der 54-Jährige. Osterfeuer, Maibaumsetzen, Sommerfest, Martinsfeuer oder auch das Weihnachtsbaum-Verbrennen seien feste Größen im Ortsteil.

Bratwürste aus Jena an der Berliner Grenze

Seit 1990 lebt Wilfried Schau in Ammerbach. Zuvor schon hatte er viel Kontakt zu Ammerbachern, schließlich war er als Schüler in der Fichteschule, in der auch Kinder aus Ammerbach lernten. Nach der Schule lernte Schau bei Zeiss, wurde Instandhaltungsmechaniker für Werkzeugmaschinen. „Ich habe 1985 mitgebaut am ersten Roboter fürs Linsenschleifen“, sagt er nicht ohne Stolz. Dann ging’s allerdings 1988 zunächst zur Armee, an die Berliner Grenze. Dort erlebte Wilfried Schau ein Jahr später auch den Mauerfall.

„Normalerweise sind wir jeden Morgen mit 180 Leuten in den Grenzabschnitt gefahren. Nach dem 9. November waren wir am Ende noch zu dritt und haben Bratwürste gebraten, die ich aus Jena mitgebracht hatte.“ Und weil es dann nichts mehr zu tun gegeben habe für einen Soldaten, sei er in ein Pflegeheim in Berlin-Treptow gegangen, um zu helfen und das wenige Personal zu unterstützen. So rutschte er in den Zivildienst.

Nach Zeiss neuer Job bei der Feuerwehr

Nach der Rückkehr nach Jena begannen die „wilden Zeiten“ bei Zeiss, Entlassungen drohten. Da lag es für Wilfried Schau nahe, in die neue berufliche Richtung zu wechseln – er bewarb sich beim Arbeiter-Samariter-Bund und startete eine Ausbildung zum Rettungssanitäter. „Die ersten Monate lief dort auch noch vieles verquer, es gab keine Strukturen und kein Geld. Wir haben mitunter das Geld bar auf die Hand bekommen“, erzählt er. Gut war, dass er auch noch eine Rettungsassistenten-Ausbildung absolvieren konnte.

Dann allerdings gab’s die Chance, bei der Feuerwehr einzusteigen. Dort wurde Fachpersonal gesucht, denn in der Leitstelle musste in jeder Schicht ein Rettungsassistent vor Ort sein. Also war Wilfried Schau nun Disponent in der Leitstelle und Rettungsassistent auf dem Rettungswagen der Feuerwehr. Da lag es dann nicht fern, auch noch einen Lehrgang für den mittleren Dienst bei der Feuerwehr zu besuchen, dem später auch eine Qualifikation zum gehobenen Dienst folgte.

„Ich habe mich hier in Ammerbach von Anfang an wohl gefühlt“

Derzeit ist Wilfried Schau zu etwa einem Drittel seiner Zeit Feuerwehrmann, zu zwei Dritteln Verantwortlicher für die Arbeitssicherheit in der Stadtverwaltung. Und auch wenn er nach wie vor einige 24-Stunden-Schichten pro Monat bei der Feuerwehr schiebt, ist ihm die Arbeit für den „Ammerbacher“ keinesfalls zu viel.

„Ich habe mich hier in Ammerbach von Anfang an so wohl gefühlt. Die Leute sind angenehm. Das ist irgendwie ein Dorf geblieben trotz der Eingemeindung nach Jena. Die Natur rundherum ist wunderschön.“ Aber in den 90er Jahren habe das Dorf irgendwie geschlafen. Jeder habe sich nur um sich selbst gekümmert. „Wir mussten irgendetwas machen, um das Dorf wieder zu erwecken.“

Manche Jubiläen werden „gebastelt“

Einige Leute trafen sich in der Gaststätte. Dort wurde auch die Idee für den Verein geboren, der dann 1998 gegründet worden ist. Zuerst hatte der Gaststätten-Inhaber den Vorsitz, seit 2002 leitet Wilfried Schau den Vorstand. „Wir wollen das Dörfliche in Ammerbach erhalten“, sagt Schau. Das sei, neben der Pflege der Gemeinschaft und des Brauchtums, das Hauptanliegen. Es habe schon tolle Feste gegeben: Drei-Tage-Biwak in Erinnerung an die Lützower Jäger, die einst durchs Dorf gezogen sind, 1000 Jahre Bratwurst, Jahrestag des Gesangsvereins und mehr.

Es müssten nicht nur speziell Ammerbacher Jubiläen sein, zum Zusammenkommen eignen sich viele Anlässe. Und mitunter werden solche auch „gebastelt“, wie etwa die 785- oder die 790-Jahr-Feier der Ersterwähnung des Ortes. „Sind doch alles Gründe zum Feiern“, sagt Wilfried Schau schmunzelnd.

Ja, und dann gibt es die Konzerte und Lesungen in der Dorfkirche, deren Orgel bereits 1860 eingebaut worden ist. „Und die heute noch regelmäßig bespielt wird.“ Oder die Feste auf der Wiese, die Lagerfeuer. „Wenn man sieht, wie die Kinder herumtollen und wie die Erwachsenen miteinander reden. Das ist einfach schön und macht Spaß.“ Dafür setzt Wilfried Schau sehr gern einen Teil seiner Freizeit ein. Zumal für seine Hobbys, wie etwa Laufen oder Fußball, auch noch Zeit bleibt.

Im Übrigen bezeichnet er auch die Feuerwehr als ein Hobby – glücklich, wenn Beruf und Hobby so gut zusammenpassen. Wilfried Schau will auf jeden Fall beim „Ammerbacher“ am Ball bleiben. „Das ist etwas, wofür es sich lohnt zu arbeiten. Zumal wir ein sehr gutes Zusammenwirken im Verein haben, denn nur so funktioniert das Ganze ja auch.““

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