Zwei Lehrer geben der Bildungspolitik schlechte Noten

Jena  Jenas CDU schickt Rosa Maria Haschke und Guntram Wothly als Direktkandidaten in den Wahlkreisen 37 und 38 ins Rennen

Rosa Maria Haschke und Guntram Wothly kandidieren für den Thüringer Landtag. Beide CDU-Kandidaten sind von Beruf Lehrer.

Rosa Maria Haschke und Guntram Wothly kandidieren für den Thüringer Landtag. Beide CDU-Kandidaten sind von Beruf Lehrer.

Foto: Jens Henning

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Natürlich: CDU-Wahlkämpfer mit abgeschlossenem Lehramtsstudium kommen sehr schnell auf das Thema Bildung zu sprechen. Nicht nur, dass Jenas besondere Bildungslandschaft erhalten und weiter entwickelt werden müsse. Die Landesregierung habe sich gerade bei dem Thema nicht mit Ruhm bekleckert. Dabei kritisieren Rosa Maria Haschke und Guntram Wothly nicht allein den Ausfall von einer Million Unterrichtsstunden im vergangenen Schuljahr.

„Wir brauchen endlich schnellere und effizientere Einstellungsverfahren für Lehrpersonal“, sagen Haschke und Wothly und fordern eine stärkere Eigenverantwortung der Schulen und Inklusion mit Augenmaß – und das bedeute auch, das System der Förderschulen nicht in Frage zu stellen und Eltern die Wahl zu lassen.

Rosa Maria Haschke und Guntram Wothly gehören zum kommunalpolitischen Inventar der CDU in Jena. Während Wothly nach 2014 – damals unterlag er Torsten Wolf von den Linken – ein zweites Mal im Wahlkreis 37 antritt, ist die Kandidatur für Haschke eine Premiere. Mitglied des Landtages zu sein, habe nicht zu ihrer Lebensplanung gehört, aber eine Legislatur lang wolle sie Jena in Erfurt vertreten und zugleich Stadträtin und Ortsteilbürgermeisterin bleiben. „Man bleibt auf dem Boden. Und man erkennt die Probleme an der Basis, die man vielleicht auf Landesebene lösen kann.“ So sei auch ihr Motto im Wahlkampf zu verstehen: Politik mit Kopf, Herz und Hand.

Wohnen, Familie, Wirtschaft nennt Wothly als weitere Schwerpunkte: So will er sich stark machen für eine einfachere Ausweisung von Wohnbauflächen. „Schneller und mehr bauen“ lautet die Devise im Programm der CDU. Und bezahlbar solle es sein: Analog zu einem wesentlichen Punkt der vom Jenaer Stadtrat beschlossenen Konzeptvergabe setzte sich auch die CDU im Land dafür ein, bei Neubauprojekten 20 Prozent des Baulandes für den sozialen Wohnungsbau zu nutzen. Beide befürworten einen Kinder-Bauland-Bonus mit zinsfreien Krediten für Familien, auch Familiendarlehen für junge Eltern seien ein wichtiger Punkt, um die Familie zu stärken.

„Thüringen muss ein Interesse haben, den Leuchtturm Jena zu stärken“, sagt Wothly, der Fraktionsvorsitzender und Parteivorsitzender ist. Er spricht davon, Städte wie Jena zu subventionieren, da es einen ganzen Strauß an Forderungen gebe. Und er nennt die Umgehungsstraße für Isserstedt und die Erneuerung der Straßenbahnflotte als weitere Ziele.

Stichwort Wirtschaft: Beide fordern einen konsequenten Bürokratieabbau, Wothly will zudem vorhandene Betriebe in Jena in die Lage versetzen, innerhalb der Stadtmauern wachsen zu können. „Wir müssen etwas tun, um Arbeitsplätze zu erhalten. Dass die Einnahmen aus der Gewerbesteuer zurückgehen, ist ein deutliches Zeichen.“

Als Lehrer nutzt Guntram Wothly die Herbstferien und die Wochenenden für den Wahlkampf. Ein Sonderurlaub, den Arbeitnehmer eigentlich in Anspruch nehmen können, sei mit seiner Tätigkeit an einem Gymnasium in Gera nicht vereinbar. „Ich bin eine Nachteule“, gesteht Haschke. Das bedeutet: Tagsüber wirbt sie um die Gunst des Wählers und nimmt sich die unaufschiebbaren Dinge in den späten Abendstunden vor. An ihrer Haltung zur AfD lassen beide keine Zweifel zu: Wothly spricht von „geistigen Brandstiftern“ und Haschke verweist auf Gespräche mit älteren Wählern, die Vergleiche zu 1933 ziehen. „Wenn Populisten überflüssig werden, wäre das ein Gewinn für Thüringen“.

Und die Frage nach den jeweiligen Stärken? „Ich stelle Unzureichendes in Frage, systematisiere Problemlagen und bin gern an der Erarbeitung von Lösungsvorschlägen beteiligt – so lange bis es passt“, sagt Haschke. „Ich bin kommunikationsfreudig und sehr beharrlich“, sagt Wothly . Und natürlich geben beide das Ziel aus, das Direktmandat zu gewinnen. „Wenn ich nicht daran glauben würde, müsste ich gar nicht erst antreten“, sagt Wothly.

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