Ein Fall für Aktenzeichen XY

Nach Überfall auf Hotelier in Schleiz noch keine heiße Spur

Schleiz.  Die Kripo sucht noch nach dem Einbrecher mit dem vernarbten Gesicht. Luginsland-Inhaber Otto Pätzold erhält viel Mitgefühl von seinen Gästen.

Otto Pätzold, Inhaber des Schleizer Flair-Hotels Luginsland, sitzt über der Buchhaltung in einem kleinen Gastraum neben der Theke. Hier saß er auch in der Nacht zum 16. September 2019, bevor er von einem Einbrecher verletzt wurde.

Otto Pätzold, Inhaber des Schleizer Flair-Hotels Luginsland, sitzt über der Buchhaltung in einem kleinen Gastraum neben der Theke. Hier saß er auch in der Nacht zum 16. September 2019, bevor er von einem Einbrecher verletzt wurde.

Foto: Peter Cissek

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Knapp zwei Monate nach dem Überfall auf den Schleizer Hotelier Otto Pätzold und gut einen Monat nach der TV-Sendung „Kripo live“ im MDR fehlen der Kriminalpolizei noch die erfolgbringenden Hinweise, teilte eine Sprecherin auf Anfrage mit. Der versuchte Totschlag wird nun möglicherweise ein Fall für „Aktenzeichen XY... ungelöst“ im ZDF. Eine entsprechende Anfrage habe der Inhaber des Flair-Hotels Luginsland inzwischen bekommen. „Meine Restaurantgäste zeigen viel Mitgefühl und können es wie ich immer noch nicht fassen, dass so ein Überfall im beschaulichen Schleiz möglich ist“, sagte Otto Pätzold am Dienstag.

„Manche denken, so etwas wäre nur in Großstädten üblich. Aber die Nähe zur Autobahn birgt auch Risiken“, meinte Pätzold, der seit den 80er-Jahren Inhaber des Hotels nahe des Kreisverkehrs im Ortsteil Heinrichsruh ist. Das Luginsland befindet sich etwa einen Kilometer von der A9-Abfahrt Schleiz. „Für meine Psyche wäre es schlimmer gewesen, wenn ich dem Einbrecher nicht im Restaurant, sondern in meiner Wohnung gegenüber gestanden hätte. Dann wäre meine Privatsphäre verletzt worden“, versucht der Anfang 60-Jährige den Überfall zu verarbeiten.

Es war der 15. September 2019. Nach einem harten Arbeitstag am Sonntag setzte sich Otto Pätzold gegen 23 Uhr auf die Sitzecke an einen Tisch im kleinen Gastraum neben der Theke. Die 17 Hotelgäste waren auf ihren Zimmern in einem Trakt, der über eine andere Tür zu erreichen ist. Über der Theke brannte noch Licht. „Für den sensiblen Bereich des Gasthauses, in dem sich die Kasse befindet, habe ich eine Alarmanlage. Doch in jener Nacht hatte ich diese noch nicht eingeschaltet, denn ich war ja im Haus“, sagte Pätzold. Er bestellte telefonisch beim Bäcker die Brötchen für den nächsten Morgen, bearbeitete die Zimmerreservierungen für die nächsten Tage und erledigte weitere Geschäftspost. Irgendwann fielen ihm die Augen zu, er legte sich seitlich auf die Eckcouch.

Das Opfer vermutet Beschaffungskriminalität eines Drogenabhängigen

2.47 Uhr: Ein unbekannter Mann kam über den Parkplatz, auf dem mehrere Autos der Hotelgäste standen. Er versuchte ins Gasthaus zu kommen. Doch die Türen waren verschlossen. Dann fand er ein Fenster, das gekippt war. Er griff hinein, konnte das Fenster öffnen und gelangte in das Gebäude. Ein Geräusch riss Otto Pätzold aus dem Schlaf. Als der Einbrecher bereits an der Theke war, rief ihm der Hotelier entgegen: „Halt, was machen Sie hier?“ Otto Pätzold schrie, um ihn zu vertreiben. Aber der Unbekannte ging mit einem spitzen Gegenstand auf den Hotelier los. Otto Pätzold hat sich auf dem Thresen eine Glasflasche gegriffen und versuchte dann, den Einbrecher am Kopf zu treffen. So musste der Unbekannte seinen Arm heben, um sich zu verteidigen. In dem Gerangel versuchte der Einbrecher, Otto Pätzold mehrmals mit dem spitzen Gegenstand an Kopf und Oberkörper zu treffen und verletzte ihn zwei Mal. Zu der Tatwaffe darf das Opfer keine näheren Angaben, weil die Kripo diese Kenntnisse als Täterwissen verwerten will. Aber dann verlor der Eindringling in einer dunklen Ecke seine Tatwaffe und fand sie nicht wieder. Doch als er auf seinem Rückzug keinen Ausgang fand, näherte er sich wieder. Otto Pätzold hörte Schritte und kam nicht dazu, bei der Polizei anzurufen. Erst als der Täter mit einem Stuhl ein Restaurantfenster eingeschlagen hatte und durch dieses zu Fuß flüchtete, rief der Hotelier bei der Polizei an, die sehr schnell da war.

„Der Täter, der kein Wort gesagt hat, muss gezielt nach Bargeld gesucht haben“, ist sich Otto Pätzold sicher. Er vermutet Beschaffungskriminalität eines Drogenabhängigen. Am Tag darauf konnte der Gastwirt den Hotelgästen kein Frühstück anbieten und auch keine Rechnungen schreiben, weil die Spurenermittlung die Räume bis Nachmittag in Beschlag nahm.

Die Kriminalpolizei fahndet seitdem nach einem 30 bis 40 Jahre alten Mann mit auffällig vernarbtem Gesicht, der in der Tatnacht mit einem grau-melierten Sweatshirt mit schwarzer Kapuze bekleidet war. Hinweise an die Kripo bitte unter Telefon 03672/417-1464.

Messerangriff auf Hotelier - unser Bericht vom September 2019

Der Beitrag von Kripo live vom 6. Oktober im MDR-Fernsehen

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