21 Punkte mehr als mit FC Carl Zeiss: Wie geht das, Lukas Kwasniok?

Jena.  In Jena als Tabellenletzter mit einem Punkt entlassen, mit dem 1. FC Saarbrücken Tabellenführer: Wie Lukas Kwasniok seine Zeit beim FCC sieht.

Lukas Kwasniok (39) arbeitete von Dezember 2018 bis September 2019 als Cheftrainer des FC Carl Zeiss Jena.

Lukas Kwasniok (39) arbeitete von Dezember 2018 bis September 2019 als Cheftrainer des FC Carl Zeiss Jena.

Foto: Tino Zippel

Lukas Kwasniok, der Ex-Trainer des FC Carl Zeiss Jena, steht nach zehn Spieltagen mit dem 1. FC Saarbrücken an der Spitze der dritten Liga. Der 39-Jährige kennt das Gegenteil: Vor einem Jahr wurde er nach nur einem Punkt in zehn Spielen als Tabellenletzter in Jena entlassen. Wie schätzt er rückblickend die Zeit in Jena ein? Wir haben mit ihm gesprochen.

Vor einem Jahr sind Sie nach einem Punkt aus zehn Spielen in Jena entlassen worden. Diese Saison stehen Sie mit Saarbrücken mit 22 Punkten an der Tabellenspitze. 21 Punkte mehr, wie geht das?

Das zeigt die Extreme in der dritten Liga. Wir haben auch in Jena im Schlussspurt der Saison 2018/19 in zehn Spielen 20 Punkte geholt – eine Wahnsinnsaufholjagd, die ich nie vergessen werde. Das ist in dieser Form nur in der dritten Liga möglich, zehn Spiele in Folge sehr erfolgreich zu sein, und in den nächsten zehn Spielen in erhebliche Probleme zu kommen.

Kwasniok spricht über seinen größten Fehler

Warum läuft es in Saarbrücken und warum lief es in Jena nicht?

Der größte Unterschied liegt darin, dass wir in Jena die Kaderplanung am Tag nach dem Klassenerhalt begonnen haben, und aufgrund feststehender Abgänge kein ausreichendes Gerüst für die neue Saison in der Hinterhand hatten. In Saarbrücken verfügte die Mannschaft über eine gestandene zentrale Achse, die wir punktuell verstärkt haben. Mein größter Fehler war zu meinen, am 19. Mai in Jena ohne einen Sportdirektor die Kaderplanung beginnen zu können.

War es Ihr Wunsch, als Sportdirektor und Trainer in Personalunion zu arbeiten?

Nein. Ich hatte die Aufgabe als Sportdirektor bereits in der Winterpause kommissarisch übernommen und die Doppelfunktion nicht angestrebt. Wir haben uns bis zur letzten Minute darauf fokussiert, den Klassenerhalt zu schaffen, so dass wir parallel dazu 0,0 die neue Saison vorbereiten konnten. Es war eine Fehleinschätzung, eine neue Mannschaft in so kurzer Zeit aufbauen zu können. In Kombination mit der Unerfahrenheit führte das zu fehlerhaften Entscheidungen. Es fehlte eine Kontrollinstanz.

Würden Sie den Kader wieder so zusammenstellen?

Gewiss habe ich daraus meine Lehren gezogen. Binnen vier bis sechs Wochen Vorbereitung war es nicht möglich, Spieler heranzuführen, die in keiner guten Verfassung zu uns gekommen waren. Davon hatten wir leider zu viele verpflichtet.

„Das Potenzial vieler Spieler war sehr wohl vorhanden“

Nicht alle Spieler der vorigen Saison haben einen neuen Verein gefunden.

Es sind mehr Spieler des vorjährigen Kaders in der dritten Liga oder höher gelandet, als die Saison zuvor. Das Potenzial vieler Spieler war sehr wohl vorhanden. Sie hatten aber keinen Führungsspieler, an dem sie sich aufrichten konnten. Wir hatten für die Führungs­positionen nicht die richtigen Spieler verpflichtet. Hinzu kam Pech zum Start: Wir standen schnell mit dem Rücken zur Wand. Ich habe zu stark rotiert wegen des aufkommenden Drucks. Wir haben oft geführt, aber leider teils sehr unglücklich verloren.

Verfolgen Sie die Entwicklung in Jena weiterhin?

Das habe ich die ganze Zeit und mache es weiterhin. Ich bin mit der Überzeugung gegangen, dass die Mannschaft in den ausstehenden 28 Spielen die nötigen Punkte für den Klassenerhalt holen wird. Ich musste aber feststellen, dass das eine Fehleinschätzung war. Es haben sich ja mehrere Trainer daran versucht, mehr aus der Mannschaft zu holen. Die Qualität des Kaders war nicht gut genug. Das Ergebnis ist für den FC Carl Zeiss und seine Fans sehr bitter. Es schmerzt auch mir sehr, dass Jena in die Regionalliga abgestiegen ist.

Wie schätzt Kwasniok die Lage beim FC Carl Zeiss ein?

Wie schätzen Sie die aktuelle Lage ein?

Aus der Ferne vernehme ich, dass sie einen sehr guten Trainer gefunden haben, der gut mit jungen Spielern umgehen kann. Strukturell haben sie gelernt und mit der Verpflichtung von Sportdirektor Tobias Werner eine wichtige Entscheidung getroffen. Der Aufstieg wird diese Saison schwierig werden. Ich bin guter Dinge, dass sie ihn im nächsten Spieljahr schaffen werden.

Heute trainieren Sie den Tabellenführer der dritten Liga. Was ist diese Saison mit dem 1. FC Saarbrücken möglich?

Alles ist möglich. Vorige Saison standen Unterhaching und der Hallesche FC nach zehn Spieltagen ganz vorn. Halle hat am Ende knapp die Klasse gehalten, Unterhaching landete im Mittelfeld – das ist die dritte Liga. Wir dürfen trotz des aktuellen Tabellenstandes nicht vergessen, dass wir viele Spiele sehr knapp für uns entschieden haben.

Viele Fans sagten anfangs, dass Sie nur von der Arbeit Ihres Vorgängers Dirk Lottner profitiert haben.

Zum Aufstieg habe ich angesichts der abgebrochenen Spielzeit in der Tat nur wenig beitragen können. Ich glaube aber schon, dass inzwischen meine Handschrift zu erkennen ist.

Interaktives Trainingsbuch geschrieben

Parallel haben Sie ein interaktives Trainingsbuch herausgebracht. Lastet Sie der Trainerjob nicht aus?

Das Projekt lief mit zwei Kollegen in den vergangenen beiden Jahren parallel. Ein solches E-Book gab es noch nicht. Dinge, die es noch nicht gibt, reizen mich. Wir überlegen, weitere Folgen auf den Markt zu bringen.

Wie verkauft sich das erste Buch?

Wir veröffentlichen noch eine englische und spanische Version, was die Absatzzahlen vervielfachen wird. Wir sind aber nicht ans Projekt gegangen, um Geld zu verdienen, sondern aus Überzeugung und Spaß.