„Das Kombi-Gold ist für mich die wertvollste und schönste WM-Medaille“

Rudolstadt  Interview der Woche Der Rudolstädter Kegler Simon Axthelm über seine Erfolge in Tschechien und die Gründe für seinen Vereinswechsel

Simon Axthelm sitzt am Marktbrunnen in seiner Heimatstadt Rudolstadt. Der 17Jährige kehrte mit vier WM-Medaillen aus Tschechien zurück.

Simon Axthelm sitzt am Marktbrunnen in seiner Heimatstadt Rudolstadt. Der 17Jährige kehrte mit vier WM-Medaillen aus Tschechien zurück.

Foto: Peter Scholz

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Die Entschuldigung für das Fernbleiben vom Unterricht in der vergangenen Woche war ungewöhnlich: „Ich fahre zur Kegel-Weltmeisterschaft“, sagte der Rudolstädter Gymnasiast Simon Axthelm. Jetzt ist er wieder zurück aus dem tschechischen Rokycany: Als zweifacher Weltmeister und vierfacher Medaillengewinner in der Altersklasse U 18. Wir trafen den sympathischen 17Jährigen jetzt in seiner Heimatstadt und unterhielten uns mit ihm über die vergangenen Tage und Wochen.

Zunächst einmal Glückwunsch zu vier WM-Medaillen. Das war sicherlich eine Weltmeisterschaft so ganz nach Ihrem Geschmack?

Danke. Die WM war schon eine sehr erfolgreiche Geschichte. Auch wenn nicht alles bei mir klappte. Aber vier Medaillen sind schon eine schöne Sache.

Kam für Sie die Nominierung überraschend?

Naja, nicht wirklich. Ich stand vor zwei Jahren schon einmal vor einer Nominierung. Doch damals hat es mit einer WM-Teilnahme nicht geklappt. Es hat irgendwie das Gesamtpaket nicht gepasst. Aber ich bin im Kader geblieben. Mitte April haben wir dann erfahren, wer mit nach Tschechien fahren kann.

Da war aber keine lange Vorbereitung mehr möglich.

Nein, das waren gerade einmal vier Wochen. Wir hatten im Vorfeld lediglich einen viertägigen Lehrgang in Bamberg, weil es dort ähnliche Bahnen wie in Rokycany gibt. Ansonsten gab es nur individuelle Vorbereitungen. Und da muss ich zugeben, ich war da eigentlich richtig faul. Ich habe den Trainingsumfang reduziert, nur noch ein- statt zweimal trainiert. Letztlich habe ich versucht, die WM zunächst weitestgehend auszublenden.

Das gelingt vielleicht im Vorfeld der Meisterschaft. Aber wenn es dann los geht, waren Sie doch bestimmt aufgeregt?

Ich war eigentlich bei meinem ersten Start nicht besonders aufgeregt, zumindest habe ich es mir nicht anmerken lassen. Ich hatte damit gerechnet, dass ich im Teamwettbewerb zum Einsatz komme und war dementsprechend ruhig. Gut, vielleicht war ich innerlich etwas aufgeregt. Aber für mich lief es gleich im Teamwettbewerb richtig gut. Ich war der zweite Starter. Und unser Startspieler hatte schon einen großen Vorsprung herausgeholt, so dass ich ganz entspannt loslegen konnte. Ich hatte da mehr mit den Bedingungen vor Ort als mit der Konkurrenz zu tun.

Wieso?

Die Meisterschaft fand in einer Eishockeyhalle statt. Und dort war es, sorry, auch ohne Eisfläche arschkalt. Es lagen zwar Wärmeschläuche im Anwurfbereich, aber die haben mich eher genervt als dass sie mir geholfen haben Die Bedingungen waren wirklich nicht gerade optimal.

Dennoch kegelten Sie ganz stark, waren bester Starter und holten zugleich mit dem Team die Goldmedaille. Da war es doch fast folgerichtig, dass Sie gleich am nächsten Tag in den Tandem-Wettbewerb mit Tim Brachtel vom TSV Denkendorf als Favorit gingen.

Stimmt, wir waren zuversichtlich. Aber es ging mächtig in die Hose. Wir wollten unbedingt eine Medaille, aber wir flogen schon in der ersten KO-Runde aus dem Wettbewerb. Vielleicht fühlten wir uns zu sicher, vielleicht waren wir zu unkonzentriert. Ich wollte danach keinen sehen, bin erstmal eine Runde Joggen gegangen. Aber es war schon hart, so den Wettbewerb zu beenden.

Schon einen Tag später sah die Welt aber wieder besser aus. War es gut, dass Sie keine 24 Stunden später im Mixed-Tandem-Wettbewerb wieder ran durften?

Ich glaube schon. Auch wenn ich nicht wirklich davon begeistert war, dass der Wettkampf früh um acht begann. Ich bin ein ganz schlimmer Morgenmuffel, da können Sie sich vorstellen, dass ich da ganz schön schockiert war. Wir haben uns mit dem Trainer um halb sechs zu einem kleinen Spaziergang getroffen. Das war gar nichts für mich.

Es hat sich aber gelohnt, Sie haben Silber gewonnen.

Im Nachhinein war alles richtig. Aber ich war an dem Tag froh, dass mich meine Spielpartnerin anfangs so gepusht hat. Das ist mir echt schwergefallen.

Und bereits einen Tag später stand die Einzelkonkurrenz auf dem Plan. Das ist ein ganz schönes Programm für eine WM.

An dem Tag war ich extrem erschöpft. Die Wettkämpfe am Vortag gingen lange und wir waren, auch wenn wir nicht im Einsatz waren, dennoch in der Halle zum Anfeuern. Aber nach den guten Resultaten im Teamwettbewerb wollte ich natürlich auch hier vorn mitspielen.

Wie bereitet man sich bei diesem engen Zeitplan auf diese Einzelkonkurrenz vor?

Wenn ich ehrlich bin habe ich vor dem Spiel noch ein bisschen geschlafen. Ich finde sowieso die mentale Vorbereitung besonders wichtig, auch wenn gerade bei der WM es auch körperlich anstrengend war. Irgendwie kam an diesem Tag alles zusammen: Ich war müde, in der Halle war es kalt, meine mentale und körperliche Verfassung war nicht besonders gut.

Dafür lief es aber mit der Silbermedaille doch richtig gut.

Mir war vor allem wichtig, meine Führung in der Kombinationswertung zu verteidigen. Wenn man in der Summe von Team- und Einzelwettbewerb, also an zwei Tagen, vorn liegt, ist das für mich wertvoller. Das Kombi-Gold ist für mich auf jeden Fall die schönere Medaille.

Wie haben Ihre Eltern auf ihren Erfolg reagiert? Waren sie mit in Tschechien?

Nein, aber sie haben meine Wettkämpfe am Rechner im Live-Stream verfolgt. Und klar, sie haben sich mit mir gefreut und waren mit die ersten, die mir per Whattsapp gratuliert haben.

Wie oft haben Sie sich bis jetzt ihre Gold- und Silberwettkämpfe im Internet angeschaut?

(lacht) Ich habe es mir nicht angeschaut. Und werde das auch nicht tun. Ich sehe mich ungern selbst kegeln.

Sie kegeln seit acht Jahren. Fußball war nicht Ihr Ding?

Nein, habe ich nie gemacht. Ich habe familienbedingt das Laufen auf der Kegelbahn gelernt. Während andere kleine Kinder mit dem Ball gespielt haben, habe ich das quasi mit der Kugel auf der Kegelbahn. Wenn ich nicht beim Kegeln geblieben wäre, hätte ich vielleicht Volleyball oder Badminton gespielt. Heute muss ich sagen: Ohne Kegeln wäre es für mich langweilig.

In der vergangenen Saison schafften Sie mit dem ESV Lok Rudolstadt den Klassenerhalt in der zweiten Bundesliga. Nach der Saison wechseln Sie nun zum Ligakonkurrenten SV Wernburg. Warum?

Nachdem Daniel Barth, der ja auch Nachwuchs-Nationalspieler ist, nach Bamberg wechselte, habe ich in Rudolstadt keine sportliche Perspektive mehr gesehen. Ich möchte irgendwann in der ersten Liga spielen und das, so glaube ich, kann ich in Rudolstadt nicht erreichen. Deshalb entschloss ich mich nach Wernburg zu wechseln.

Und international? Wie sehen die Ziele da aus?

Mal sehen, ich lass es einfach auf mich zukommen. Aber klar: Ich würde nach meinem Abitur schon gern in der U 23 und bei den Männern angreifen.

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