Die Karriere von Ex-Biathlet Christoph Stephan: Schnell hoch und wieder runter

Rudolstadt.  Der Rudolstädter Christoph Stephan blickt in der Serie „Unsere Olympioniken“ ohne Wehmut auf seine Biathlon-Karriere zurück.

Der Rudolstädter Christoph Stephan gehörte 2008 zur deutschen Biathlon-Staffel beim Weltcup im österreichischen Hochfilzen.

Der Rudolstädter Christoph Stephan gehörte 2008 zur deutschen Biathlon-Staffel beim Weltcup im österreichischen Hochfilzen.

Foto: Peter Scholz

Nein, wehmütig saß Christoph Stephan am vergangenen Wochenende nicht vor dem Fernseher. Im finnischen Kontiolahti startete die Weltcup-Saison – vor leeren Rängen, aber mit deutscher Beteiligung. Und Christoph Stephan, der zweimalige Olympia- und mehrfache Weltcupteilnehmer, schaute sich seine sportlichen Nachfolger an. Und staunt bisweilen: „Es ist unglaublich, wie sich das Biathlon entwickelt hat. Ich hab damals gedacht, dass ich schon schnell bin. Aber in welchen Sphären die sich jetzt bewegen, beim Laufen und auch beim Schießen, das ist schon Wahnsinn.“

Damals, das war vor etwa zehn Jahren. Jahre später, 2015, einige Monate nach den Olympischen Spielen in Sotschi dann das Ende einer sportlichen Karriere, über die ein ehemaliger Trainer von Christoph Stephan einmal sagte: „Es ist beeindruckend, wie wenig Du mit deinem Talent erreicht hast.“ Allein: Erfolgreich war der Rudolstädter allemal, war zwei Mal bei Olympia, wurde Vizeweltmeister und absolvierte mehr als 120 Weltcupstarts. Und er erfüllte sich mit Olympia einen Kindheitstraum.

Dabei begann alles – wie bei vielen – zunächst mit Fußball. „Aber mein Vater wollte das nicht. Da machst Du nur Deine Knie kaputt“, erinnert sich Christoph Stephan, der damals am Fernsehen mit seinen sechs, sieben Jahren Olympia in Lillehammer verfolgte: „Das war was Tolles, ein Traum.“ Verewigt auch am Wohnblock in Schwarza, an den er mit seinen sieben Jahren die olympischen Ringe malte.

Danach ging alles ganz schnell: Der Knirps begann bei Klaus Feyser mit dem Langlauf, unglaublich intensiv unterstützt von seinem Vater. „Mit zehn Jahren bin ich dann gleich nach Oberhof gekommen. Als Junge dort im Internat, das war schon geil“, sagt Stephan. Für ihn ging es dann ruckzuck auf der Karriereleiter nach oben: Mit zwölf Jahren gehörte er zu den schnellsten Skilangläufern im Freistaat, stand nach fünf weiteren Jahren in den Trainingsgruppen mit seinen Vorbildern Frank Luck und Sven Fischer. „Es gab zu dieser Zeit nur eine Richtung für mich: Hoch“, sagt der Rudolstädter.

Erster und einziger Weltcupsieg 2009

2009 schien er am Ziel zu sein, erlebte sportlich seine erfolgreichste Zeit: Er holte seinen ersten – und einzigen – Weltcupsieg, gewann bei der WM in Südkorea Silber im Einzel und Bronze mit der Staffel. Das Olympia-Ticket im kanadischen Vancouver war gebucht, doch die Ergebnisse waren dann nicht so berauschend. „Ich habe gemerkt, dass ich es in dieser Zeit etwas mit dem Training übertrieben hatte, habe

einfach zu viel trainiert“, erinnert sich Stephan. Die Kilos sollten runter: „Ich habe damals 86 Kilogramm gewogen, da hast Du keine Chance, erst recht nicht im tiefen Schnee“, sagt er. Und so ging es nach Kanada „genauso schnell runter wie es davor hoch ging“.

Die einjährige Pause tat ihm gut. Und „Kralle“, wie ihn seine Freunde und Fans nennen, kämpfte sich zurück, qualifizierte sich 2014 für Sotschi und verpasste dort nach Sprint und Verfolgung die Nominierung für die Staffel, die in Russland die Silbermedaille holte. „Jetzt kann es nach Dopingvorwürfen gegen den damaligen Olympiasieger ja sogar noch Gold werden“, sagt Christoph Stephan. Und irgendwie hört man aus seinen Worten raus, wie ihn diese Nicht-Nominierung heute noch wurmt. Aber der 34-Jährige betont zugleich: „Ich trauere dem Sport und dem, was ich erlebt habe, nicht eine Sekunde nach. Ich habe dem Biathlon viel zu verdanken“

Mit dem Karriereende verlor der Biathlonsport freilich auch einen Athleten, dessen Interviews schon fast Kult-Charakter hatten: „Als ich mich damals bei der Bundespolizei bewarb, gab es da einige amüsante Fragen“, so der Rudolstädter, der heute zu seinen erfrischenden Auftritten steht: „Das ist ein Teil meines Lebens. Außerdem hat es ja auch etwas Schönes: Meine Tochter sieht später so auch mal, wie ich damals so war“, sagt Christoph Stephan. Und lacht.

Finnischer Name für die Tochter

Apropos Familie: Der junge Vater – seine Tochter Talvi (das finnisch Wort für den Winter) wurde am 13. Oktober diesen Jahres geboren – ist sesshaft geworden, wohnt in seiner Geburtsstadt und ist verheiratet. Den Junggesellenabschied feierte er übrigens mit seinen besten Kumpels aus besten Biathlonzeiten: Erik Lesser, Arnd Peiffer und Benny Doll.

Auf die er natürlich in diesem Weltcup-Winter setzt: „Ich traue ihnen einiges zu. Es ist schon Wahnsinn, wie lange sie Weltspitze sind, Arnd schon seit 15 Jahren. Und ich denke, dass sie auch bis zur WM 2023 in Oberhof weiter machen“, sagt Stephan, der hofft, dass er seine Kumpels spätestens im Januar beim Weltcup im Thüringer Wald wieder sieht. Dass das corona-bedingt schwierig werden kann, weiß auch Stephan. Aber er hat schon einen Plan: „Ich besorge mir einfach eine DSV-Jacke und stelle mich mit Skistöcken an die Strecke.“ Und lacht.