FC Carl Zeiss Jena: Raus mit Applaus gegen Werder Bremen

Jena.  Warum die 0:2-Niederlage im DFB-Pokal gegen Werder Bremen trotzdem für den FC Carl Zeiss ein Gewinn sein könnte

Bremens Leonardo Bittencourt (links) im Duell mit Jenas Kevin Wolf.

Bremens Leonardo Bittencourt (links) im Duell mit Jenas Kevin Wolf.

Foto: Tino Zippel

Als die Bremer Mannschaftsbusse kurz vor Mitternacht das Ernst-Abbe-Sportfeld verließen, saß eine gehörige Portion Erleichterung mit an Bord beim Fußball-Bundesligisten.

„Die konnten nicht machen, was sie wollten“, brachte es René Eckardt auf den Punkt. Der Spielführer hatte mit seinem FC Carl Zeiss Jena den haushohen Favorit Werder lange geärgert, auch wenn der 2:0-Erfolg des sechsmaligen Cup-Gewinners am Sonnabend in der ersten Runde des DFB-Pokals hochverdient war. Am Ende fehlte dem aufopferungsvoll kämpfenden Thüringer Viertligisten in den entscheidenden Situationen das Quäntchen Glück, das es bedurft hätte, um den vierfachen Deutschen Meister mehr als nur ins Wanken zu bringen.

Wie in der 44. Minute, als Dominik Bock im Bremer Strafraum zu Fall kam. Der starke Theodor Gebre Selassie hatte ihn leicht touchiert. „Für mich war es ein klarer Elfmeter“, sagte Jenas Coach Dirk Kunert zur Szene kurz vor der Pause beim Stand von 0:0. Weil Schiedsrichter Daniel Siebert es anders sah, kassierte Kunert für seine Beschwerde zu allem Überfluss auch noch die Gelbe Karte. Die Begründung für die Entscheidung des international erfahrenen Sieberts lieferte Bock nach dem Spiel: „Er trifft mich. Der Schiedsrichter hat das gesehen, aber gesagt, dass es keine Absicht des Gegenspielers war.“ Eine durchaus bemerkenswerte Aussage des Unparteiischen, die einer Auffrischung der Regelkunde nach sich ziehen sollte.

Bärenstarker FC Carl Zeiss in der ersten Halbzeit

Doch sei es drum, Jena lieferte in dieser ersten Halbzeit eine bärenstarke Vorstellung ab, die auch Werder-Coach Florian Kohfeldt Respekt abverlangte: „Mit der ersten Halbzeit bin ich nicht zufrieden. Da hatten wir zu wenig Tempo gehabt im Zwischenraum, haben Carl Zeiss erlaubt, uns gut zu pressen.“ Zwar hatte der Bundesligist auch in den ersten 45 Minuten ein Chancenplus – Gebre Selassie scheiterte in der 18. Minute beispielsweise am Jenaer Aluminium. Ein Klassenunterschied war aber nicht zu erkennen. „Ich fand, dass wir Paroli geboten haben, so wie es im Bereich des Möglichen war“, sagte Kunert.

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„In der zweiten Halbzeit war es schade, dass wir gleich das Ding kriegen“, ärgerte er sich wenig später. Die Kohfeldt’sche Strafpredigt in der Pause zeigte bei den Norddeutschen nämlich Wirkung. Es waren gerade einmal vier Minuten im zweiten Durchgang gespielt, da musste Zeiss-Keeper Lukas Sedlak, der einige starke Paraden zeigte, zum ersten Mal hinter sich greifen. Bremens Ludwig Augustinsson flankte mustergültig auf Joshua Sargent, der zur Führung einköpfte.

Dennoch: „Aus meiner Sicht hat uns Jena einen absoluten Kampf geboten und wir hatten zu keiner Zeit das Gefühl, dass wir locker weiterkommen“, beschrieb Kohfeldt die folgenden Minuten. Dank des Bremer Chancenwuchers hatten die Saalestädter noch einen dieser Momente, um vielleicht noch die Sensation zu schaffen. Doch dafür muss alles passen, und der Schuss von Eckardt in der 84. Minute passte vor 1600 Zuschauern eben nicht, sondern wurde von Bremen-Keeper Jiri Pavlenka entschärft. So nahm die Begegnung den erwartbaren Verlauf. Der von Manchester United ausgeliehene Niederländer Tahith Chong besiegelte mit seinem Treffer zum 2:0 für Werder in der 88. Minute die Niederlage des FC Carl Zeiss.

Kunert: "Bisschen mehr Fußball" in der Regionalliga

Mit viel Applaus und erhobenen Hauptes verließen die Gastgeber trotzdem den Platz. In der Regionalliga will Trainer Dirk Kunert neben der tollen kämpferischen Leistung von seinen Mannen jetzt noch „ein bisschen mehr Fußball“ sehen. Dann sollte es mit der Aufholjagd in Richtung Spitzenplätze klappen.

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