FC Carl Zeiss Jena: Sportdirektor Tobias Werner bezeichnet DFB-Pläne als Harakiri

Jena.  Bei der Vorstellung des Ex-Bundesliga-Spielers als neuer Sportdirektor spricht Tobias Werner Klartext zu den Fortsetzungsplänen in der dritten Liga.

Der FC Carl Zeiss Jena hat seinen neuen Sportdirektor Tobias Werner (34) am Montag in einer Videokonferenz vorgestellt. Die Pläne des Deutschen Fußball-Bundes, die dritte Liga nach zehn Wochen Pause in nur fünf Wochen durchzuziehen, bezeichnete er als Harakiri. Er sieht die Gesundheit der Spieler durch ein solches Pensum massiv gefährdet. Mit Corona-Tests wollen die Jenaer zunächst abwarten.

„Es ist Harakiri, die Spieler nach zehn Wochen Pause in zwei Wochen in Wettkampfmodus bringen zu wollen und dann elf Spiele in kurzer Zeit absolvieren zu müssen“, sagte Werner bei seiner Vorstellung am Montag.

Bei Umzug-Angebot des DFB will sich Verein nicht weigern

Der DFB will den Spielbetrieb zum 26. Mai aufnehmen. Mannschaftstraining ist in Jena untersagt – deshalb wollen die Jenaer mit Corona-Tests zunächst warten. „Wir wollen uns nicht weigern, Spielbetrieb wieder aufzunehmen“, sagt Geschäftsführer Chris Förster. Er sieht Probleme in der Gleichbehandlung der Vereine, da einige seit Wochen in Gruppentraining arbeiten können. Wenn der DFB eine Ausweichspielstätte in Bayreuth oder Göttingen organisiere, wolle sich der Verein nicht weigern, für Training oder Spielbetrieb umzuziehen. Förster will aber jeden Spieler fragen, ob er aus gesundheitlicher Sicht trainieren und spielen möchte. Wie ein Saisonende unter solchen Bedingungen zu werten sei, müsse aber der DFB vorschlagen.

Werner unterschrieb einen Vertrag über vier Jahre. „Sportlich lief es zuletzt nicht rosig in Jena“, schätzt der gebürtige Geraer ein. „Ich habe entschieden, diese Aufgabe anzunehmen, gehe mit vollem Tatendrang rein, um das Potenzial, das in dem Verein steckt, wieder mehr herauszulocken.“ Sein Ziel sei, die guten Voraussetzungen mit Sportgymnasium und Nachwuchsleistungszentrum besser zu nutzen. Die Nachwuchsarbeit solle sich verbessern, so dass mehr Talente die Chance bekommen, den Sprung in die erste Mannschaft zu schaffen. Ziel sei, einen „sympathischen und demütigen Verein“ zu führen.

Werner will sein aufgebautes Netzwerk nutzen

Eine der ersten Aufgaben ist, einen neuen Trainer zu suchen. „Ich werde viele Telefonate führen“, kündigt Werner an. Er habe ein großes Netzwerk an Kontakten in den vergangenen Jahren aufgebaut und viele Trainer kennengelernt. Dieses Wissen wolle er nutzen und einbringen.

Seine Familie plane, im Sommer aus Augsburg nach Jena umzuziehen. Noch habe er keine Wohnung gefunden, wolle aber seinen Nachwuchs für Schule und Kindergarten hier anmelden, kündigt Werner an. Zuletzt hatte Werner ein Trainee-Programm beim FC Augsburg absolviert, unter anderem im Nachwuchsleistungszentrum, in der Vermarktung oder der Presseabteilung gearbeitet. Nach der Offerte aus Jena bat er um die Auflösung seines Vertrages.

Tobias Werner hatte einst beim FC Carl Zeiss den Sprung in den Männerfußball geschafft. Unter Heiko Weber gelang dem Stürmer der Aufstieg von der Oberliga bis in die zweite Bundesliga. Nach dem Abstieg im Jahr 2008 wechselte er zum FC Augsburg, mit dem er in die Bundesliga aufstieg. Zum Abschluss seiner Laufbahn spielte Werner noch für den VfB Stuttgart und den 1. FC Nürnberg. Unterm Strich stehen 127 Spiele in der ersten Bundesliga (23 Tore) und 150 Spiele in der zweiten Bundesliga (25 Tore).