FC Carl Zeiss Jena unterliegt im Finale bei Schnieke-Turnier

Jena.  Beim 33. Karl-Schnieke-Turnier muss sich der FC Carl Zeiss Jena erst im Finale im Neunmeter-Schießen Dynamo Dresden geschlagen geben

Torhüter Benjamin Holland (grün) parierte alle drei  Neunmeter von Nürnberg im Halbfinale und wird dafür von seinen Mitspielern entsprechend gefeiert.

Torhüter Benjamin Holland (grün) parierte alle drei Neunmeter von Nürnberg im Halbfinale und wird dafür von seinen Mitspielern entsprechend gefeiert.

Foto: Peter Poser/ OTZ

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Die Trinkflasche musste leiden, flog quer durch die Werner-Seelenbinder-Halle. Sichtbar frustriert schleuderte Jenas Richard Rühling das robuste Behältnis mit einem kecken Wurf über die Schulter gen Boden. Nur missmutig brach er mit Darian Unger für das obligatorische Gruppenfoto vor einem Tor in dem Areal nach der 33. Auflage des Karl-Schnieke-Turniers am Sonnabend auf. Nur wenige Augenblicke zuvor hatte der FC Carl Zeiss Jena das Finale des Hallen-Stelldicheins gegen Dynamo Dresden im Neunmeter-Schießen mit 1:3 (1:1) verloren. Nein, Rühling und Unger stand nicht der Sinn nach einem gestellten Foto. Entsprechend finster blicken die beiden – und nicht nur sie – dann auch drein, als sich die C-Junioren um den Pokal des Zweitplatzierten für die Nachwelt versammelten. So manch einer im Team von Trainer Jörg Fleischer mühte sich ein verkrampftes Lachen ab, doch als das Foto im Kasten war, versteinerten sich wieder die Mienen fast aller Nachwuchs-Kicker umgehend. Dass nun gerade Richard Rühling noch etwas frustrierter daherkam als seine Mitstreiter, war der Tatsache geschuldet, dass er in das – vermeintliche – Eigentor involviert war, welches den Gästen aus Sachsen das 1:1 bescherte. Er hatte das Leder noch von der Linie gekratzt, doch der Unparteiische entschied auf Tor.

Im anschließenden Neunmeter-Schießen agierten die Kicker von der Elbe schlichtweg souveräner – und konnten somit den Titel verteidigen, siegten sie doch bereits 2019 – und da auch im Finale über den FC Carl Zeiss Jena. Es war der insgesamt dritte Triumph für Dynamo Dresden bei einem Schnieke-Turnier.

„Meine Jungs haben sich heute richtig gut präsentiert, immerhin haben wir kein Spiel verloren und lediglich drei Gegentore erhalten – und das bei einem stark besetzten Turnier“, sagte Dynamo-Coach Lars Jungnickel. Nein, man könne zweifelsohne zufrieden sein, zumal man ja den Titel habe verteidigen können, so Jungnickel weiter. Der Dynamo-Coach wollte sich zudem nicht festlegen, ob das Tor, welches zum 1:1 im Finale führte, wirklich eines war. „Ich habe so viel gemeckert an der Außenlinie, weil der Schiedsrichter uns kein Foul gegeben hatte, dass er dann in jenem Moment einfach auf Tor entschied“, sagte Jungnickel und musste auch ein wenig lachen.

Jenas Trainer Jörg Fleischer schaute indes etwas bedröppelt aus seinem Trainingsanzug, litt mit seinen jungen Kickern, die irgendwie verloren in jenen Momenten rund um die Siegerehrung wirkten, während aus den Boxen der Halle „Happy“ von Pharrell Williams dröhnte – was für ein Widerspruch. Zum dritten Mal in Folge hatte der Gastgeber das Finale erreicht, zum dritten Mal in Folge hatte er es verloren.

„Natürlich ist es traurig, wenn man ein Finale im Neunmeter-Schießen verliert, doch letztlich haben wir viel mehr erreicht, als wir uns im Vorfeld ausgerechnet haben. Hätten wir da schon gewusst, dass wir es bis ins Finale schaffen würden, hätten wir das Angebot umgehend angenommen“, resümierte Fleischer, der sich mit der Leistung seines Teams sehr zufrieden zeigte.

Der Coach erinnerte jedoch auch daran, dass seine Kicker mit einer ordentlichen Klatsche in das Turnier starteten, mussten sie doch eine 0:3-Niederlage über sich ergehen lassen – und zwar gegen Dynamo Dresden. Im Nachhinein wirkte dergleichen wie ein Menetekel. Hinsichtlich der Taktik habe sein Team in der Auftaktpartie alles andere als clever agiert, führte der Trainer weiter aus. „Danach haben wir uns aber gefangen und haben mit sehr viel Disziplin die anderen drei Gruppenspiele gewonnen.“ So siegten die C-Junioren über Union Berlin, Gornik Zabrze und den VfL Wolfsburg.

Im kleinen Finale bezwang der FC Augsburg den 1. FC Nürnberg mit 2:0. Dass Jena letztlich den Sprung in das Finale schaffte, war auch der Verdienst von Keeper Benjamin Holland. Als in der Halbfinal-Begegnung zwischen Jena und Nürnberg nach dem Abpfiff beim Stand von 1:1 noch kein Sieger gefunden war, brillierte Holland zwischen den Pfosten, hielt er doch alle Nürnberger Neunmeter. „Das war ein sehr gutes Gefühl, ich habe immer erahnt, wohin sie schießen werden“, sagte Holland, der jedoch auch betonte, dass die Niederlage im Finale schon bitter gewesen sei. „Da hatten wir einfach Pech.“

Zweimal in der Woche – für das Training – und einmal am Wochenende für ein Spiel wird der 13-Jährige von seinem Opa oder seinen Eltern nach Jena gefahren, denn Benjamin Holland wohnt nicht in der Universitätsstadt, sondern in Oberhof – und diesbezüglich ist er nicht der Einzige in seinem Team, der etwas weitere Entfernungen auf sich nimmt, um für den FCC zu spielen. Fragt man den kleinen Keeper indes nach seinem Ziel in Sachen Fußball, kommt eine Antwort, die nicht sonderlich überrascht: Profi-Fußballer. Ein Vorbild hat er natürlich auch. Dabei handelt es sich um Marc-André ter Stegen, der für den FC Barcelona das Tor hütet. Doch ein Fan der Katalanen ist er nicht. Sein Lieblingsverein ist der FC Bayern München.

„Es es war ein tolles Turnier, die Stimmung war gut, auch wenn ich mir ein paar mehr Zuschauer gewünscht hätte“, sagte Hans-Jürgen Backhaus, nachdem das C-Junioren-Stelldichein beendet war. Backhaus erinnerte dann noch einmal daran, dass der FCC bereits zum dritten Mal in Folge im Finale unterlag. „Das macht aber nichts“, sagte der 65-Jährige fast schon ein wenig großväterlich, zumal er auch nicht damit gerechnet habe, dass der FCC am Endspiel teilnimmt. Der ehemalige Leiter des Leistungszentrums gab sich jedoch zuversichtlich. 2021 werde es ja wieder ein Schnieke-Turnier geben.

Jörg Fleischer erinnerte indes noch einmal daran, dass es in seinen Reihen nicht an Spaß und Emotionen gemangelt habe – und das sei für ihn auch das Wichtigste. „Sie sind als Mannschaft aufgetreten. Ich bin bin stolz auf sie“, sagte der FCC-Coach, der die Frage nach seinem besten Protagonisten im Team sehr diplomatisch beantwortete: „Die Mannschaft“.

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