Nils Nasgowitz vom HBV Jena: „Es gibt immer eine Alternative“

Jena.  Bereits den ersten Lockdown wusste Nils Nasgowitz (HBV Jena) zu nutzen. Nun auch den zweiten – trotz Verletzung

Nils Nasgowitz trotzt hier recht problemlos den Gesetzen der Schwerkraft.

Nils Nasgowitz trotzt hier recht problemlos den Gesetzen der Schwerkraft.

Foto: Peter Poser

Trotz Lockdown und Verletzung lässt Nils Nasgowitz nicht alle Fünfe gerade sein. Im Gegenteil, der Handballer des HBV Jena 90 ist derzeit vollends ausgelastet – obwohl er immer noch an einem Kapselriss am großen Zehengelenk laboriert. „Es gibt immer eine Alternative, wenn man nur will“, sagt der 20-Jährige, der derzeit in seiner Heimatstadt Mannheim verweilt.

Zwar kann er seinen linken Fuß immer noch nicht in Gänze belasten, trainieren tut er aber dennoch. Ein guter Freund von ihm habe in seiner Wohnung ein kleines Fitnessstudio, wo der Rückraumakteur fünfmal in der Woche Gewichte stemmt und sich seiner Körperspannung widmet. Doch damit nicht genug, stehen bei ihm doch auch alle Zeichen auf Ausdauertraining.

„Ich fahre Rad, so komme ich auch auf meine Einheiten“, berichtet der Psychologiestudent, der in Erfurt eingeschrieben ist und auch in der Landeshauptstadt lebt.

Krücken benötigt Nils Nasgowitz indes nicht mehr. Seit gut einer Woche kann er auf sie im Alltag verzichten. Doch er war auf die Gehhilfen fürs Erste angewiesen, als er sich im letzten Spiel des HBV Jena vor dem zweiten Lockdown verletzt hatte. Ein Spieler aus Aschersleben trat ihm auf den Fuß, plötzlich blieb er am Boden liegen und musste umgehend ausgewechselt werden. Noch am Abend wurde im Jenaer Universitätsklinikum die Diagnose gestellt: Kapselriss. „Im Alltag klappt es mit dem Laufen schon wieder ganz gut. Da bin ich fast schon schmerzfrei, doch vollends belasten kann ich meinen linken Fuß noch nicht.“

Zur Rückrunde der Saison 2018/19 stieß Nils Nasgowitz zum HBV Jena. Im Laufe der zweieinhalb Jahre hat er sich mehr und mehr etabliert und ist seit dieser Spielzeit einer der zentralen Spieler von Trainer Svajunas Kairis. Ein Lenker und Denker im Rückraum. „Es macht gerade richtig viel Spaß. Wir sind ein junges Team“, sagt Nasgowitz, der während seiner Tage im Nachwuchs unter anderem für so klingende Vereine wie die Rhein-Neckar Löwen, die TSG Ludwigshafen-Friesenheim oder die SG Leutershausen spielte.

Seit seinem sechsten Lebensjahr spielt er Handball, parallel übte er aber auch noch andere Sportarten wie Fußball, Leichtathletik, Schwimmen oder Boxen aus. Irgendwann wurde es schlichtweg zu viel. Mit 13 Jahren musste er sich entscheiden. „Am Ende hat mich Handball am meisten begeistert“, resümiert Nasgowitz, dessen Vater sich schon dem kleinen, klebrigen Leder widmete.

Während des ersten Lockdowns im Frühjahr fokussierte er sich vollends auf die Athletik, brachte sich ungemein in Form. So sehr, dass sich auch der eine oder andere Teamkollege beeindruckt zeigte. „Ich habe einfach mein Trainingspensum hochgefahren. Bin eben noch mehr gelaufen, habe mehr Sprünge absolviert und mich auch in puncto Kraft gesteigert.“

Und nun eben der zweite Lockdown. „Ich finde das nicht so tragisch. Ich kann mich während dieser Zeit sehr auf mich, den Sport und eben auch mein Studium konzentrieren. Es gibt wenig Ablenkung. Das einzig Blöde ist, dass ich noch nicht wieder richtig laufen kann.“ Die Vorlesungen und Kurse für sein Studium würden indes allesamt online angeboten werden. „Ich kann mir das alles selber legen, bin da sehr flexibel“, berichtet Nasgowitz. Ja, er könne diesen entschleunigten Tagen durchaus etwas Positives abgewinnen.

Etwas darf dabei jedoch nicht fehlen: Lektüre. Neben der reinen Fachliteratur für sein Psychologiestudium schmökert der Handballer bevorzugt in thematisch verwandten Sachbüchern. Derzeit liest er „Ego ist the Enemy“ des amerikanischen Marketingexperten und Kolumnisten Ryan Holiday. An historischen Persönlichkeiten wie etwa den Präsidenten Dwight D. Eisenhower und Richard Nixon sowie dem Unternehmer Steve Jobs verdeutlicht Holiday, welche Bedeutung das Ego für Aufstieg, Erfolg und Misserfolg besitzt. „Es geht um Persönlichkeitsentwicklung. Das Gebiet fasziniert mich sehr, zumal es ja auch mit meinem Studienfach korrespondiert.“

Die – stark verkürzte – Kernaussage des Buches lautet indes: „Mach Dein Ding, aber nimm dich nicht so wichtig!“ Darüber hinaus beschwört Ryan Holiday ein lebenslanges Lernen. Dergleichen kann man doch bestimmt auch auf den Sport ummünzen – gerade jenem im Team, bei dem stets mehrere Egos aufeinandertreffen? „Mitunter passt das schon. Insbesondere dann, wenn man Kritik von Trainern oder Mitspielern über sich ergehen lassen muss. Da kann man durchaus einiges mitnehmen“, sagt Nils Nasgowitz.