Sportdirektor des FC Carl Zeiss Jena startet mit Kritik an DFB-Plänen

Jena.  Tobias Werner steht vor einer schwierigen Aufgabe beim Drittligisten: Zuerst will er einen Trainer für die neue Saison suchen.

Der FC Carl Zeiss Jena kann schon einmal den Atlas hervorkramen und Ausweichstadien suchen. Obwohl die Politik keine Zustimmung für die dritte Liga gegeben hat, legt der DFB einen Rahmenspielplan fest. Am 26. Mai soll die Liga ihren Spielbetrieb aufnehmen und mit je zwei Spielen pro Woche am 30. Juni abschließen. Nach diesen Plänen müssten die Jenaer ohne Mannschaftstraining starten. Der neue Sportdirektor Tobias Werner schüttelt nur den Kopf.

Bis vergangenes Jahr schnürte er noch selbst die Fußballschuhe. Schon zwei Wochen Vorbereitung mit Mannschaftstraining hält der 34-Jährige nach zehn Wochen Pause für zu wenig, um sich angemessen auf die elf Spiele in fünf Wochen vorzubereiten. „Es ist Harakiri“, schätzt er ein und verweist auf die erhebliche Verletzungsgefahr für die Spieler. Geschäftsführer Chris Förster will aus Haftungsfragen jeden Spieler fragen, ob er aus gesundheitlicher Sicht spielen will.

Das DFB-Präsidium legte den Rahmenplan fest. „Nun hoffen wir, dass die gesundheitliche Situation und die bevorstehenden Entscheidungen der Politik die baldige Wiederaufnahme des Spielbetriebs auf Grundlage der von DFB und DFL erarbeiteten Hygienekonzepte erlauben“, sagt Vizepräsident Peter Frymuth. Derweil fordert Waldhof Mannheim, ein neues Meinungsbild unter den Vereinen einzuholen.

Vorerst keine Corona-Tests in Jena

Ein Start für die Jenaer Mannschaft ist derzeit nicht in Sicht. Am Montag sollte die erste Runde der Corona-Tests stattfinden. Zwei Testreihen sind an anderen Standorten nötig, um die Genehmigung für Mannschaftstraining zu bekommen. Nach Rücksprache mit dem DFB entschied Jena-Manager Förster, noch nicht zu testen. „Es ist nicht absehbar, dass wir die Erlaubnis für Mannschaftstraining bekommen“, sagt er. Als frühester Freigabetermin in Thüringen gilt Ende Mai.

Das setzt den DFB unter Druck, da am 30. Juni zahlreiche Spielerverträge auslaufen. Eine Verlängerung führt in den Grau-Bereich, vor dem auch Christian Seifert, Chef der Deutschen Fußball Liga, aufgrund rechtlicher Unwägbarkeiten jüngst gewarnt hat.

„Wir wollen uns nicht weigern, den Spielbetrieb wieder aufzunehmen“, sagt Förster. Er sieht Probleme in der Gleichbehandlung der Vereine, da einige seit Wochen in Gruppen trainieren. Wenn der DFB eine Ausweichspielstätte in Bayreuth oder Göttingen organisiere, wolle sich der Verein nicht weigern, für Training oder Spielbetrieb umzuziehen. Wie ein Saisonende unter solchen Bedingungen zu werten sei, müsse aber der DFB vorschlagen.

Werner: Vorbereitung der neuen Saison äußerst schwierig

Für den neuen Sportchef Tobias Werner ist die Ausgangslage schwierig. „Die Vorbereitung einer neuen Saison ist aufgrund der Umstände äußerst schwierig“, sagt der gebürtige Geraer, der zuletzt ein Trainee-Programm beim Bundesligisten FC Augsburg absolviert hat, unter anderem im Nachwuchsleistungszentrum, in der Vermarktung oder der Presseabteilung reinschnupperte. Nach der Offerte aus Jena bat er um die Auflösung seines Vertrages.

Werner unterschrieb einen Kontrakt über vier Jahre. „Sportlich lief es zuletzt nicht rosig in Jena. Ich habe entschieden, diese Aufgabe anzunehmen, gehe mit vollem Tatendrang rein, um das Potenzial, das in dem Verein steckt, wieder mehr herauszulocken.“ Sein Ziel sei, die guten Voraussetzungen mit Sportgymnasium und Nachwuchsleistungszentrum besser zu nutzen. Die Nachwuchsarbeit solle sich verbessern, so dass mehr Talente die Chance bekommen, den Sprung in die erste Mannschaft zu schaffen. Ziel sei, einen „sympathischen und demütigen Verein“ zu führen.

Interessante Kandidaten selbst ansprechen

Eine der ersten Aufgaben ist, einen neuen Trainer zu suchen, weil Teammanager René Klingbeil die nötige Lizenz fehlt. „Ich werde viele Telefonate führen“, kündigt Werner an. Er habe ein großes Netzwerk an Kontakten aufgebaut und viele Trainer kennengelernt. Dieses Wissen wolle er nutzen und einbringen. „Ich möchte auf die Kandidaten zugehen, die ich für geeignet halte“, spielt er auf die zahlreichen Kurzmitteilungen an, die er zuletzt von Spielerberatern erhalten hat.

Seine Frau und die drei Kinder will er im Sommer aus Augsburg nach Jena holen. Noch habe er kein Haus gefunden, wolle aber seinen Nachwuchs für Schule und Kindergarten hier anmelden, kündigt Werner an, der zunächst bei der Familie unterkommt. Noch heute ist er dankbar, welche Chance er einst in Jena bekam. „Ich war nicht der Talentierteste in meinem Jahrgang, hatte aber das Glück, dass Heiko Weber auf mich gesetzt hat“, sagt Werner, der auch für den FC Augsburg, den VfB Stuttgart und den 1. FC Nürnberg spielte.

FC Carl Zeiss Jena: Sportdirektor Tobias Werner bezeichnet DFB-Pläne als Harakiri