Trainer-Original Kahlisch: Ich verstehe, dass Carl Zeiss Jena aufsteigen will

Jena.  Ingo Kahlisch trainiert seit 31 Jahren Optik Rathenow und begrüßt den FC Carl Zeiss Jena am Sonntag zur „Betriebssportmeisterschaft“. Ein launiges Interview.

Ein Original an der Seitenlinie: Ingo Kahlisch, Trainer von Optik Rathenow.

Ein Original an der Seitenlinie: Ingo Kahlisch, Trainer von Optik Rathenow.

Foto: Tino Zippel

Am Sonntag reist der FC Carl Zeiss Jena zum FSV Optik Rathenow. Einst gehörten die dortigen Optischen Werke zum Zeiss-Kombinat. Wir haben mit dem Trainer der Brandenburger gesprochen: Ingo Kahlisch (64) ist schon seit 31 Jahren im Amt und kritisiert – mit Ausnahmen – das Vollprofitum in der Regionalliga. Zudem berichtet er von der sportlichen Zusammenarbeit mit dem FC Carl Zeiss Jena zu DDR-Zeiten.

Gab es innerhalb des Zeiss-Kombinates eine Sportabteilung, in der Sie kooperiert haben?

Nein. Einmal waren wir zu DDR-Zeiten nach Jena zum Zuschauen beim Training eingeladen, da war Lothar Kurbjuweit Trainer. Wir haben ‘ne Bratwurst bekommen und sind wieder nach Hause gefahren.

Nun steht die Betriebsmeisterschaft mit Carl Zeiss Jena bevor.

Mittlerweile hat sich auch dort viel verändert. Wir spielen zwar in einer Liga, aber die Vereine kann man nicht miteinander vergleichen.

„Das werde ich Ihnen nicht erzählen!“

Wie gehen Sie das Spiel an?

Das werde ich Ihnen nicht erzählen, dass es vorher in der Zeitung steht. Ich bin ein Trainer, der im Normalfall jeden Gegner einmal anschaut und sich einen Eindruck verschafft. Über Jena habe ich mir auf anderem Wege Infos eingeholt. Die Konstellation ist klar: Sie werden in Rathenow nach vorn spielen und sich nicht hinten reinstellen und auf einen Konter warten.

Spielen Sie wie 2014 auf Sieg, als Sie Jena 4:1 besiegt haben?

Damals hatten sie am Tag vorm Spiel 13 Spielern den Laufpass gegeben. Und wir haben gewonnen, weil die keine Lust hatten. Diesmal wollen wir Jena das Leben so schwer wie möglich machen und einen Punkt in Rathenow behalten. Schon das wäre eine Überraschung.

Die Traditionsvereine werden noch marschieren

Steigt Viktoria Berlin auf?

Ach Leute, es sind zehn Spiele rum. Die Traditionsvereine, die bis Oktober noch eingekauft und sich gesammelt haben, werden noch kommen und marschieren. Dann wird es eng werden. Sportlich spielt Viktoria sehr ordentlichen Fußball.

… war aber vor einem Jahr pleite.

Ist Jena nicht auch klamm? Aber in Jena stehen mehr Leute dahinter. Erfurt hat es erwischt, die jahrelang Misswirtschaft getrieben haben. Die haben doch alle Schulden ohne Ende. Oder liege ich so falsch?

Der FC Carl Zeiss steht beim Investor Roland Duchatelet in Belgien in der Kreide.

Das ist doch fein, wenn man so jemand hat. Richtig ärgert mich, wenn Mannschaften wie Tennis Borussia oder Fürstenwalde einen auf Vollprofitum machen, wo keine richtige Fankultur vorhanden ist. Die Liga ist verrückt geworden.

Wie lautet Ihr Saisonziel?

Ganz klar Klassenerhalt. Darum werden wir mit Halberstadt, Bischofswerda, Luckenwalde, Lichtenberg 47 und Tennis Borussia Berlin kämpfen.

Lob für Hubert Wolf vom ZFC Meuselwitz

Der ZFC Meuselwitz steht auch mit im Tabellenkeller?

Den ZFC kann man nicht vergleichen mit uns, der hat dank Hubert Wolf Top-Bedingungen. So wie er es macht, stelle ich es mir in einer vierten Liga vor. Ich verstehe, wenn Jena und Cottbus aufsteigen wollen. Aber die anderen Sahnetruppen? Altglienicke spielt einen geilen Fußball vor 80 Zuschauern im Berliner Jahn-Stadion. Guten Morgen!

Türkgücü München ist auch in die dritte Liga aufgestiegen.

Der DFB ist schuld. Warum lässt er die alle hoch? Die haben nicht mal ein eigenes Stadion. In der Regionalliga Nordost haben viele Vereine kein Flutlicht, die schon sieben Jahre in der Liga spielen. Da werden auch immer Ausnahmen gemacht. Wir haben fünf Jahre gekämpft für unser tolles Flutlicht, das unser kleines Stadion aufwertet.

Warum gastiert dann Jena am Sonntag und nicht am Freitagabend zum Flutlichtspiel?

Fragen Sie doch mal den MDR. Wir spielen am liebsten Freitag oder Samstag, damit unsere Spieler auch mal einen Tag frei haben.

Wieviele Zeiss-Fans lassen Sie ins Stadion?

Wir dürfen insgesamt 1000 Fans reinlassen. Jena will 100 bis 150 Gäste mitbringen, was uns freut. Wenn sich Warteschlangen an der Kasse oder dem Bratwurststand bilden, heißt es Maske aufsetzen. Ansonsten gilt: Abstand halten. Wir werden es doch angesichts der Kapazität von 4500 Zuschauern mit 700 bis 800 Fans hinbekommen. Alle sollten vernünftig bleiben, damit wir weiterspielen können.

„Wir haben keinen großen Wasserkopf im Verein“

Wie hat sich Corona auf Optik Rathenow ausgewirkt?

Wir haben keinen großen Wasserkopf im Verein, erledigen alles im engen Rahmen mit vielen Ehrenamtlichen und sind gut durchgekommen. Wir müssen in Sachen Corona vorsichtig bleiben. Aber ich bete, dass sie uns nicht wieder alles abdrehen.

Sie sind inzwischen 64 Jahre alt. Haben Sie Pläne, wann Sie Optik Rathenow untreu werden wollen?

Ich bin mit meiner Frau verheiratet, nicht mit Optik Rathenow. In der Corona-Zeit saß ich drei Monate zu Hause und meine kleine Firma war zu. So wie ich jetzt bin, gesund und munter, mache ich noch ein paar Jahre. Es bereitet mir Spaß, mit den jungen Leuten zu arbeiten – was Besseres im Leben gibt es nicht.

Wollen Sie noch mal einen anderen Verein trainieren?

Ich bin nicht nur Trainer, sondern Mädchen für alles: Geschäftsführer, Schatzmeister und so weiter. Klar habe ich mal die Schnauze voll. Aber ich schlafe eine Nacht drüber und bin wieder neu motiviert.

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