Motorsport

Vom Kassierer zum Rennleiter

Schleiz.  Wird ein IDM-Pilot vertrauensvoll von Stefan Beck zu einem persönlichen Gespräch gebeten, ist das für den betroffenen Rennfahrer bisweilen kein besonders gutes Vorzeichen.

Während der Startaufstellung herrscht für Stefan Beck noch die berühmte die Ruhe vor dem Sturm. Der Schleizer ist einer der obersten Regelhütern bei den Veranstaltungen der internationalen Deutschen Motorradmeisterschaft. Das Wort von Stefan Beck hat Gewicht.

Während der Startaufstellung herrscht für Stefan Beck noch die berühmte die Ruhe vor dem Sturm. Der Schleizer ist einer der obersten Regelhütern bei den Veranstaltungen der internationalen Deutschen Motorradmeisterschaft. Das Wort von Stefan Beck hat Gewicht.

Foto: Jan Müller / OTZ

Wird ein IDM-Pilot vertrauensvoll von Stefan Beck zu einem persönlichen Gespräch gebeten, ist das für den betroffenen Rennfahrer bisweilen kein besonders gutes Vorzeichen. Stefan Beck ist seit vier Jahren einer der zwei permanenten Vorsitzenden der Sportkommissare, die bei allen Rennen der internationalen Deutschen Motorradmeisterschaft (IDM) das Einhalten des weitläufigen Reglements überwachen. Der Schleizer teilt sich diese verantwortungsvolle Aufgabe mit Dennis Prödel. „Wir sind eine Art Oberschiedsrichter und beaufsichtigen die einzelnen Veranstaltungen“, erklärt Stefan Beck.

Von den sportlichen Ereignissen eines langen Rennwochenendes bekommt Stefan Beck manchmal nur sehr wenig mit. „Ich sitze zwar die meiste Zeit mit wachsamen Augen vor den Monitoren, aber es gibt durchaus Wochenenden, an denen ich die einzelnen Rennsieger nicht benennen kann. Dann gab es für uns Sportkommissare mal wieder viel zu tun.“

Das Aufgabenspektrum, was Stefan Beck bei den IDM-Veranstaltungen erwartet, ist breit. „Wir tragen Verantwortung für einen Rennabbruch, bestimmen über Veränderungen beim vorgeschriebenen Startprozedere. Treffen Entscheidungen über einen eventuellen Re-Start oder geben die Ansage für ein Regenrennen. Diesbezüglich genießen wir innerhalb der IDM erweiterte Befugnisse, was durchaus als Besonderheit bezeichnet werden darf. Das hat für alle Beteiligten den Vorteil, dass wir eine gleichbleibende Entscheidungsqualität gewährleisten können, auf die sich jeder einstellen kann. Dieses bewährte Verfahren soll perspektivisch auch weiter ausgebaut werden“, gewährt Stefan Beck einen kleinen Einblick über seine ehrenamtliche Tätigkeit.

Auch abseits der Rennstrecke befasst er sich permanent mit dem Thema Motorradrennsport: „Wir arbeiten mit dem Fahrerlager eng zusammen, haben die Ohren für konstruktive Vorschläge immer offen. Das sind oftmals sinnvolle Kleinigkeiten, die sofort vor Ort von uns umgesetzt werden können. Andere wiederum bedürfen einer aufwendigen Ausarbeitung. Wir reichen dann die Vorschläge bei der entsprechenden IDM-Kommission, die für die Regeländerungen zuständig ist, ein.“

Bemerkenswert gestaltete sich der sportliche Werdegang von Stefan Beck. Der heutige 39-Jährige verdiente sich 1995 mit einem Ferienjob als Kassierer eines Parkplatzes des Schleizer Dreieckrennens etwas Taschengeld. Dort hörte er zwar die Maschinen dröhnen, aber vom bunten Treiben bekam er recht wenig zu sehen. Das änderte sich ein Jahr später, denn da durfte der gelernte Groß- und Außenhandelskaufmann erstmals als Streckenposten agieren. Mit der Zeit war Stefan Beck auch an vielen weiteren Rennstrecken als Marshall aktiv. Als einen Höhepunkt nennt der Schleizer einzelne Formel 1-Läufe und die 24 Stunden von Le Mans. Mit der Gründung des Marshall Team Stoppe übernahm Stefan Beck als Vorstandsmitglied auch Verantwortung außerhalb der Rennstrecke. Er erwarb Lizenzen zum Leiter Streckensicherung im Motorradsport, zum Sportkommissar und letztlich auch zum Rennleiter. Dadurch verschoben sich seine Einsatzschwerpunkte vom Automobilsport hin zu den Zweirädern. Seit 2010 ist der Schleizer im Besitz einer FIM-Rennleiter-Lizenz, die die Voraussetzung für Weltmeisterschaftsläufe darstellt.

Ein kleines Kuriosum am Rande: Stefan Beck ist nicht im Besitz eines Motorradführerscheines.

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