Wenn der Fußballplatz zum Zoo wird: Wildschweine ruinieren Rasen

Rudolstadt  Eine steigende Zahl von Tieren sucht sich eiweißhaltige Nahrung und verhindert damit Trainings- und Spielbetrieb.

Platzwart Dieter Gallus läuft über den von Wildschweinen umgepflügten Platz im Schwarzaer Gemeindetal. Ehe hier wird Fußball gespielt werden kann, werden noch einige Monate ins Land gehen.

Platzwart Dieter Gallus läuft über den von Wildschweinen umgepflügten Platz im Schwarzaer Gemeindetal. Ehe hier wird Fußball gespielt werden kann, werden noch einige Monate ins Land gehen.

Foto: Peter Scholz

Es ist ein beschauliches Plätzchen, das Gemeindetal in Schwarza. Die Heimstätte des Fußball-Kreisoberligisten SV 1883 Schwarza wird von Jahr zu Jahr schöner, in diesem Sommer schmückt das Areal sogar eine ganz neue Tribüne. Jetzt ziehen die Gaststätte und die beiden Sportplätze aber nicht nur Sportler und Ausflügler, sondern gleich eine ganze Rotte Wildschweine an. Und die hinterlassen nach ihren Besuch den Fußballplatz im wahrsten Sinne des Wortes „unter aller Sau“.

„Bis jetzt ist nur der hintere Trainingsplatz betroffen“, sagt Fußball-Abteilungsleiter Andreas Granowski. Doch der Schaden ist dennoch erheblich: Der Platz, der von den Schweinen regelrecht umgegraben wurde, ist schlichtweg nicht mehr nutzbar. „Eigentlich hilft nur noch, den Platz neu aufzubauen“, sagt Granowski, dessen Teams den Rasen nicht nur zu Trainingszwecken, sondern auch zu Punktspielen nutzen. „Das können wir komplett vergessen“, sagt der Abteilungsleiter.

Auch im Schwarzatal sind keine Spiele möglich

Und nicht nur in Schwarza haben die Wildschweine ganze Arbeit geleistet. Ähnliche Klagen hört man beispielsweise aus Teichröda, Sitzendorf oder auch Unterweißbach im Landkreis Saalfeld-Rudolstadt. Nachdem im Schwarzatal bereits vor Wochen der Platz nur mit Mühe für den Kreisoberligisten der SG Ober-/Unterweißbach bespielbar war, ist es jetzt völlig unmöglich geworden: „Die Wildschweine waren seitdem noch drei, vier Mal da“, erzählt SG-Trainer Daniel Meyer. Der Platz in Unterweißbach sieht dementsprechend aus: „Da werden wir bis weit in das Frühjahr hinein sicherlich nicht mehr spielen können“, sagt der Coach. Das Spiel der SG am morgigen Sonntag gegen Bad Berka wird deshalb auch in Oberweißbach stattfinden.

Während man im Schwarzatal noch ausweichen kann, hofft Andreas Granowski in Schwarza, dass die Wildschweine seinen Hauptplatz in Ruhe lassen: „Wir haben die Zäune dicht gemacht, Bretter rund um die beiden Plätze verbaut, damit sie sich nicht unter dem Maschendrahtzaun durchwühlen“, so der Abteilungsleiter.

Und auch Jäger sind im Einsatz: In der vergangenen Woche waren diese quasi jede Nacht im Einsatz, um noch größere Schäden zu verhindern und vor allem die Wildschweine von den Rasenplätzen fern zu halten.

„Einen höheren Jagddruck aufzubauen ist vermutlich die einzige Chance, die Wildschweine zu vertreiben“, sagt auch Hartmut Eckardt. Der Leiter des Forstamtes Saalfeld-Rudolstadt bestätigt eine ansteigende Wildschwein-Population und gibt da auch den milden Wintern in der Vergangenheit eine Mitschuld.

Eine Platzreparatur kann sehr teuer werden

„Jetzt sind sie auf der Suche nach eiweißreicher Nahrung. Und Würmer und Insekten gibt es nun mal zuhauf auf den Sportplätzen“, erklärt Eckardt, der zudem betont, dass eine Jagd auf Schwarzwild „sehr aufwändig“ ist. Zum einen muss man einen bestimmten Abstand zum Siedlungsbereich einhalten, zum anderen habe man es mit „intelligenten Tieren“ zu tun. Die einfachste Variante sei sicherlich ein Elektrozaun oder Geruch abweisende Mittel.

Ob die helfen, ist aber nicht sicher: In Schwarza hat man neben den zusätzlichen Brettern auch kleine Töpfe mit Buttersäure angebracht, um die Wildschweine abzuschrecken. Denn die Angst bleibt bei Andreas Granowski trotzdem noch: „Hoffentlich bleibt der Hauptplatz verschont. Wenn die Schweine dort aktiv werden, wird es richtig teuer.“ Muss der neu gemacht werden, muss man vermutlich eine sechsstellige Summe einplanen.

Währenddessen hat sich auch die Stadt Rudolstadt als eigentlich Geschädigter – der betroffene Platz wurde an Granowski verpachtet – zu Wort gemeldet. „In der aktuell auf dem Sportplatz in Schwarza eingetretenen Wildschadenangelegenheit ist davon auszugehen, dass eine Schadenregulierung durch Jagdpächter nicht erfolgen wird, da der Schaden in einem nicht bejagbaren Bereich eingetreten ist“, heißt es aus dem Rathaus.

Mit dem Jagdpächter soll nun am nächsten Mittwoch eine Begehung stattfinden. „Anlässlich dieser Begehung wird man in Erfahrung bringen, durch welche Maßnahme man sich künftig als Eigentümer gegen solche Schäden, die von Wildtieren ausgehen, schützen kann“, heißt es abschließend.

Ob man sich mittelfristig im beschaulichen Gemeindetal vor der Tierwelt schützen und ohne Probleme Fußball spielen kann, bleibt dennoch abzuwarten. Denn die Wildschweine sind nur eine Tiergattung, mit denen man in dem Rudolstädter Vorort zu tun hat: „Hier gibt es Waschbären, Rehe, Hirsche, Feldmäuse und Ratten“, erzählt Granowski.

Für ihn ist hier manchmal „mehr los als in einem Zoo“.

Wer zahlt nach Wildschwein-Besuchen?

Eigentlich, so heißt es immer, ist alles und jedes versicherbar. Es sei oftmals halt nur eine Frage des Preises. Kann man sich also bei einer Versicherung gegen die Verwüstungen auf Sportplätzen absichern, um nicht auf den Schäden sitzen zu bleiben?

„Aus meiner Sicht ist das nicht versicherbar“, sagt Matthias Zoch, selbst Fußball-Schiedsrichter und Versicherungsvertreter der Mecklenburgischen Versicherung in Rudolstadt. Nach seiner Ansicht handelt es sich bei solchen Schäden um ein „unabwendbares Ereignis“, und das sei nicht versicherbar.

Entsprechend deutlich wird auch das Thüringer Jagdgesetz: In nicht bejagbaren Bereichen – wie im Schwarzaer Beispiel – ist eine Schadenersatzpflicht durch den Jagdpächter ausgeschlossen, heißt es im § 45 des Thüringer Jagdgesetzes.

Und so werden die betroffene Sportvereine bzw. Sportplatz-Besitzer bei einem Besuch einer Wildschwein-Rotte auch künftig die Kosten wohl selbst tragen müssen.

Zu den Kommentaren
Im Moment können keine Kommentare gesichtet werden. Da wir für Leserkommentare in unserem Internetauftritt juristisch verantwortlich sind und eine Moderation nur während unserer Dienstzeiten gewährleisten können, ist die Kommentarfunktion wochentags von 22:00 bis 08:00 Uhr und am Wochenende von 20:00 bis 10:00 Uhr ausgeschaltet.