Wie der DFB in der 3. Liga vollendete Tatsachen schaffen will

Leipzig/Jena.  DFB-Vizepräsident Erwin Bugar droht den Vereinen wie dem FC Carl Zeiss Jena mit rechtlichen Konsequenzen: Lässt sich die Politik davon überrumpeln?

Die dritte Fußball-Liga wird auf jeden Fall weiterspielen. So kommuniziert es DFB-Vizepräsident Erwin Bugar in einem Interview mit dem MDR. Der Verband will damit die Politik vor vollendete Tatsachen stellen. Doch bei den Bundesländern und den lokalen Gesundheitsbehörden liegt die finale Entscheidung.

Bugar interessiert das nicht. Im Videochat mit dem Fernsehsender erklärte er am Freitagabend: „Der DFB hat heute die Tagung des Spielausschusses gehabt. Die Information ist so, dass die dritte Liga auf jeden Fall spielen wird und dass man das Sicherheits- und Hygienekonzept der ersten und zweiten Bundesliga übernimmt. Ob das nun 1:1 übertragbar ist, ist erst einmal dahingestellt.“ Im veröffentlichten Gesprächsausschnitt fällt kein Wort davon, dass die Entscheidung darüber bei den Behörden liegt.

DFB-Vizepräsident droht Vereinen mit Konsequenzen

Stattdessen droht Bugar den Vereinen. Der Spielausschuss habe besprochen, dass wer nicht spielen wolle, mit rechtlichen Konsequenzen rechnen müssen. „Die dritte Liga wird auf jeden Fall spielen, um den Teilnehmer für die Aufstiegsrunde zur zweiten Bundesliga zu bestimmen“, sagt der Funktionär im Rentenalter.

Klare Worte. Doch damit stellt sich Bugar gegen die Verfügungslage. Im Beschluss der Bund-Länder-Kommission steht eindeutig, dass die Freigabe für Geisterspiele nur für die erste und zweite Bundesliga gilt. „Die Bundeskanzlerin und die Regierungschefinnen und -chefs der Länder halten die Fortsetzung des Spielbetriebes in der 1. und 2. Fußballbundesliga für die dort startberechtigten 36 Vereine auf deren Kosten ab der zweiten Maihälfte für vertretbar“, so der Wortlaut.

Stellungnahme zum Hygienekonzept abgegeben: In Liga drei nicht erfüllbar

Der DFB verweist darauf, dass das Hygienekonzept gemeinsam mit der für die Bundesliga zuständigen Deutschen Fußball Liga erstellt sei und deshalb auch für die dritte Liga gelten werde. Die Vereine, die sich für einen Abbruch des Spieljahres ausgesprochen haben, sehen das anders. Ihre Argumentation: Wesentliche Teile des Konzeptes seien nicht erfüllbar, damit wäre das Konzept nicht umsetzbar. Der FC Carl Zeiss Jena verweist auf Schwierigkeiten, einen hauptamtlichen Arzt als Hygienebeauftragten zu finden, die zu kleinen Katakomben im Ernst-Abbe-Sportfeld und hohe Aufwände für Auswärtsreisen unter den Hygieneregeln. Eine entsprechende Stellungnahme hat der Drittligist auch an das Land Thüringen geschickt.

Der Fußballverband hingegen steckt einen engen Zeitplan ab. Er plant, dass die Teams nächste Woche ins Mannschaftstraining einsteigen und am 26. Mai das erste von elf ausstehenden Spielen absolvieren – ohne Rücksicht darauf, dass die Verfügungslage in Jena Mannschaftstraining verbietet. Maximal zwei Personen dürfen im Ernst-Abbe-Sportfeld gemeinsam Sport treiben. Der Leiter des Pandemiestabes, Benjamin Koppe (CDU), hatte diese Woche Ausnahmeregelungen abgelehnt.

Sportminister Holter sieht Drittligaspiele erst ab Juli realisierbar

Thüringens Sportminister Helmut Holter (Die Linke) sagte, dass bis 30. Juni die Austragung von Fußballspielen der dritten Liga nicht realistisch sei. Ob die Politik die Kriterien des Infektionsschutzes beiseite schiebt und sich vom forschen DFB-Vorgehen überrumpeln lässt, werden die nächsten Tage zeigen.

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