Urteil im Mordfall Jena-Winzerla fällt: Emotionales Schlusswort des Angeklagten

Jena.  Nach dem Tod einer Rentnerin in Jena-Winzerla hält der Angeklagte lautstark sein Schlusswort. Am Mittag will das Landgericht Gera ein Urteil verkünden – die Anträge gehen weit auseinander.

Der Angeklagte im Gerichtssaal.

Der Angeklagte im Gerichtssaal.

Foto: Tino Zippel

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Die Anträge im Mordfall Jena-Winzerla gehen weit auseinander. Oberstaatsanwalt Horst Sauerbaum hat am Mittwoch seinen Antrag wiederholt, den 25 Jahre alten Angeklagten zu einer lebenslangen Freiheitsstrafe zu verurteilen und die besondere Schwere der Schuld zu festzustellen. Dem schlossen sich beide Nebenklage-Vertreter an. Die Verteidigung sieht das Ergebnis der Beweisaufnahme aber anders – und der Angeklagte ebenfalls.

Verteidigung plädiert auf Freispruch

Verteidiger Ulf Weinhold beantragte, den Angeklagten freizusprechen. „Die Beweisaufnahme hat nicht das ergeben, was für eine Verurteilung notwendig ist“, sagte der Rechtsanwalt. Es könne keine Tathandlung rekapituliert werden, damit ließe sich auch kein Rückschluss auf den Tathergang und etwaige Mordmerkmale ziehen.

Verteidigerin Stefanie Biewald kritisierte, dass das Verfahren vor der falschen Kammer stattgefunden habe. Zumal unsicher sei, ob verwendete Röntgenbilder bei der Altersbestimmung überhaupt vom Angeklagten stammten. Normalerweise sei die Jugendkammer zuständig.

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Angeklagter kritisiert Oberstaatsanwalt lautstark

Der Angeklagte bestritt in seinem letzten Wort erneut die Tat. „Ich wurde reingelegt, ich bin nicht der Mörder“, sagte der Angeklagte. Er beschimpfte den Oberstaatsanwalt wegen seines Antrages. Jene habe versäumt zu ermitteln, dass er nicht der Täter sei. Er werde es ihm beweisen, egal ob es 15 oder 20 Jahre oder bis zu seinem Lebensende dauere. Er sei von Afghanistan nach Deutschland gekommen, um hier den Mord von Taliban an seinem Vater und Bruder zu vergessen. Nun werde ihm hier ein Mord angehängt.

Der Angeklagte war der direkte Nachbar der 87 Jahre alten Rentnerin. Nach Auffassung der Staatsanwaltschaft hat er im Januar 2019 mit massiver stumpfer Gewalt auf Kopf, Hals, Rumpf, Arme und Beine eingewirkt und ihr eine Stichverletzung in der vorderen linken Flanke zugefügt. Die Frau sei erstickt. Anschließend habe der Angeklagte im Jenaer Stadtzentrum bei einer Bankfiliale einen Überweisungsträger eingeworfen, wonach 7000 Euro vom Konto des Enkels der Rentnerin auf jenes des Angeklagten fließen sollten. Eine Bankmitarbeiterin verhinderte die Überweisung, weil sie an der Unterschrift zweifelte. Die Tochter der Angeklagten ging nach einem Anruf der Bank zur Polizei. Die fand die Leiche der Frau in einem Rollkoffer im Keller des Appartementhauses in Jena-Winzerla.

„Starke Frau sinnlos aus dem Leben gerissen“

Der Angeklagte behauptete, dass ein anderer Bewohner aus Jena-Winzerla der Täter ist. Jener habe ihn als Drogenkurier eingesetzt, woraus Schulden entstanden seien. Die habe der andere eintreiben wollen – die Rentnerin sei zwischen die Fronten geraten. „Er hat die Erkenntnisse aus der Beweisaufnahme gut verarbeitet, aber die Angaben konnten durch nichts bestätigt werden“, sagte Nebenklagevertreterin Susan Rechenbach-Auerswald. Der Angeklagte habe in die Geschichte seine Erfahrungen aus Betrugshandlungen eingebracht, gut Geschichten erzählen zu können. „Eine starke und hilfsbereite Frau ist sinnlos aus dem Leben gerissen worden.“

Das Urteil wird noch am Mittwoch um 13 Uhr erwartet.

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