Auge der Kometen-Sonde stammt aus Jena

Seit zehn Jahren ist eine Optik aus der Jena Optronik GmbH mit der gestern "geweckten" Sonde Rosetta

 "Die Optik wurde von uns bereits im Jahr 2000 geliefert und ging 2004 auf Reisen ins All."Annett Feige, Jena Optronik

Foto: zgt

Jena. Fast zehn Jahre ist die Raumsonde Rosetta schon im Sonnensystem unterwegs.

Am 2. März 2004 war der Raumflugkörper mit einem ­Mini-Labor der Europäischen Raumfahrtorganisation ESA an Bord vom Weltraumbahnhof Kourou in Südamerika mit einer Ariane-5-Rakete auf seine Reise ins All geschickt worden. Nun ist Rosetta 800 Millionen Kilometer von der Erde entfernt und fast am Ziel: Im August 2014 wird sie den Kometen Tschurjumow-Gerasimenko erreichen, auf dem sie am 11. November das Mini-Labor absetzen soll.

Gestern weckte das Kontrollzentrum der ESA in Darmstadt die Instrumente aus dem Ruhemodus. In den waren sie versetzt worden, um Energie zu sparen. Die Sonnenstrahlen reichten aufgrund der Entfernung nicht mehr aus, um den Solarsegeln genügend Energie zu liefern. Nach 957 Tagen Ruhe soll ­Rosetta wieder aktiv werden.

An Bord hat der erste europäische Kometen-Orbiter auch Technik aus Jena. Vom Raumfahrtspezialisten Jena Optronik aus Göschwitz stammt eines der Augen der Sonde. "Unsere Optik ist Teil einer gemeinsam mit dem Deutschen Zentrum für Luft- und Raumfahrt entwickelten Kamera, eines von zehn ­wissenschaftlichen Instrumenten an Bord", sagt Annett Feige. Die Kamera namens Rolis - eine Abkürzung für Rosetta Lander Imaging System - wird vor dem Absetzen der zirka 100 Kilogramm schweren Landeeinheit die Oberfläche des Kometen fotografieren und vermessen, erklärt die Pressesprecherin von Jena Optronik. Da die Beschaffenheit des Kometen vor Eintreffen der Sonde nicht bekannt ist, soll mit Hilfe dieser Bilder auch ein geeigneter Landeplatz gesucht werden. Die Kamera mit dem Auge aus Jena sendet auch Bilder, falls die Landung auf dem 1969 am Institut für Astrophysik in Alma-Ata von Klim Iwanowitsch Tschurjumow und Swetlana Gerasimenko entdeckten Kometen schief ginge.

"Geliefert hat unsere Firma die Optik bereits im Jahr 2000", sagt Annett Feige. Zum Kern­­­­geschäft des Jenaer Unternehmens, das heute zu Astrium im EADS-Konzern gehört, zählen Sensoren zur Lageregelung von Satelliten und Kamerasysteme zur Erdbeobachtung. Eine Pionierrolle bei der Erderkundung spielte die 1976 erstmals in einem russischen Sojus-Raumschiff eingesetzt und im Jenaer Carl-Zeiss-Kombinat entwickelte Multispektralkamera MKF 6.

An der Physikalisch-Astronomischen Fakultät der Universität Jena erhoffen sich die Wissenschaftler durch diese Mission, bei der zum ersten Mal ein Raumfahrzeug auf einem Kometen landen soll, neue Erkenntnisse über die Entstehung der Erde und des Planetensystems.

"Kometen werden häufig als schmutzige Schneebälle bezeichnet was ihre Zusammensetzung grob beschreibt", sagte Dozent Markus Mugrauer unserer Zeitung. "Wir gehen heute davon aus, dass in der Frühphase des Sonnensystems viele Kometen auf ihrer Bahn um die Sonne mit der Erde kollidiert sind. Sie brachten das Wasser und vielleicht sogar das Leben auf die Erde", so der promovierte Astrophysiker.

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