Bioland-Bauer aus Willschütz fährt mit dem Traktor zur Demo

Der Bioland-Bauer Volkmar Voigt beteiligt sich morgen an einer Demonstration für nachhaltige Landwirtschaft in Berlin. Sie soll auch für kleinere Strukturen in der Produktion werben.

Bioland-Bauer Volkmar Voigt aus Willschütz nimmt am 19. Januar 2013 mit seinem Fendt-Geräteträger an einer Demonstration von Landwirten, Umweltverbänden und Verbraucherschützern in Berlin teil.

Foto: zgt

Willschütz. Bioland-Bauer Volkmar Voigt hält ein Transparent an den Traktor. "Bürger (w)ehrt Euch – kauft beim Bauern" ist darauf zu lesen.

Der Willschützer wird morgen auf dem Fendt-Geräteträger an einer Demonstration in Berlin teilnehmen. Anlässlich der Agrarministerkonferenz zur Grünen Woche ist sie mit dem Motto "Wir haben die Agrarindustrie satt" überschrieben. "Zu dem Protest finden sich ganz unterschiedliche Interessengruppen wie Biobauern, Tierschützer oder Umweltverbände zusammen, die das Ziel einer bäuerlich-nachhaltigen Landwirtschaft eint", erklärt Volkmar Voigt.

Für ihn ist das Ergebnis der Agrarpolitik der vergangenen Jahrzehnte schlichtweg enttäuschend. "Es gibt kaum noch Bauernhöfe, die in ihrem ursprünglichen Sinn genutzt werden", sagt der 44-Jährige. Zudem führe die industrielle Landwirtschaft zu wachsendem Chemikalieneinsatz, immer mehr Monokulturen und regelmäßig auch zu Skandalen um die Fleischproduktion. "Und obwohl immer mehr Menschen diese Zustände kritisch sehen, werden sie über niedrige Verbraucherpreise zementiert", so Volkmar Voigt.

Aus seiner Sicht wird die Qualität der Produkte von Bauernhöfen und die tägliche Arbeit der Bauern zu wenig geschätzt. Dies habe ihn auch bei der Wahl seines Transparentspruch geleitet. "Die Konsumenten beeinflussen entscheidend, wie die Landwirtschaft aussieht", sagt Volkmar Voigt. Wer nicht wolle, dass sich die Schere zwischen heilen Werbewelten und der Realität in der Produktion immer weiter öffne, könne beim Einkaufen gegensteuern. "Und die Einstellung zur eigenen Nahrung hat auch etwas mit Ehre und Wertgefühl zu tun."

Kreistagsmitglied Olaf Möller (Bündnis 90/Die Grünen) unterstützt die morgige Demonstration und hat an der Koordination in Thüringen mitgewirkt. "Für mich ist immer deutlicher geworden, dass eine nachhaltige Landwirtschaft nicht in großen Strukturen funktionieren kann", sagt Olaf Möller, der neben seiner Tätigkeit als Geschäftsführer des Vereins Waldorfpädagogik Ostthüringen als Hobby selbst eine kleine Landwirtschaft betreibt. "Der Boden ist das Wertvollste was wir haben", betont er. Unter dem Einsatz von Großtechnik und dem um sich greifenden Maisanbau leide dessen Qualität drastisch.

"Kleinere Strukturen in der Agrarwirtschaft schonen nicht nur den Boden, sondern sorgen auch für eine höhere Wertschöpfung", sagt Olaf Möller. Er freut sich über Zeichen eines wachsenden Verbraucherbewusstseins, das beispielsweise in Erzeuger-Verbraucher-Gemeinschaften oder der finanziellen Beteiligung an Höfen seinen Ausdruck finde. "Aufgrund des wachsenden Gesundheitsbewusstseins und der Negativschlagzeilen aus der Agrarindustrie ist die Sensibilität der Menschen gewachsen", meint Olaf Möller, der wegen einer Schultagung nicht in Berlin dabei sein kann.

Volkmar Voigt wird sich morgen in aller Frühe auf den Weg machen. Er nimmt auch drei seiner fünf Kinder mit. "Ich möchte ihnen zeigen, dass es viele Menschen gibt, denen es nicht egal ist, was in der Landwirtschaft passiert", sagt er. Der Traktor wird auf einem Anhänger nach Berlin transportiert.

Zur Demonstration werden etwa 15 000 Menschen erwartet. Aus Thüringen fährt ein Bus, der 8 Uhr auch an der Autobahnanschlussstelle Jena-Lobeda Halt macht.

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