Geplanter Funkmast bringt Lehestener Agrar-Betrieb in die Klemme

Nach der Flächenverpachtung für einen Funkmast gibt es scheinbar kein Zurück. Die Telekom beharrt auf ihren Mietvertrag und hält an den Bauplänen fest. Trotz aller Proteste von direkt betroffenen Anwohnern.

Im vollbesetzten Rathaussaal nutzten Montagabend Bürger und Stadtratsmitglieder die Gelegenheit, ihre Meinungen zum geplanten Funkturm-Standort zu äußern mit dem dringenden Wunsch, nach Alternativlösungen zu suchen. Foto: Peter Hagen

Im vollbesetzten Rathaussaal nutzten Montagabend Bürger und Stadtratsmitglieder die Gelegenheit, ihre Meinungen zum geplanten Funkturm-Standort zu äußern mit dem dringenden Wunsch, nach Alternativlösungen zu suchen. Foto: Peter Hagen

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Lehesten. Gleich hinterm Ortseingangsschild soll er stehen, der 35 Meter hohe Mast, auf dem die Telekom ihre Funkantennen dann draufsteckt. Anwohner der Siedlung und der Röttersdorfer Straße wollen sich das nicht bieten lassen. Doch es wird ein Kampf mit ungleichen Waffen, wie eine Informationsveranstaltung am Montagabend gezeigt hat.

"Wir haben einen gültigen Mietvertrag", ist das Fazit von Bolko Weilandt von der Deutschen Telekom Technik GmbH, der mit Martin Beyer, zuständig für Elektromagnetische Felder bei der Deutschen Funkturm GmbH, losgeschickt worden ist, um in Lehesten für Baufrieden zu sorgen. Den wird es nicht geben, lassen die Vertreter einer eigens gegründeten Bürgerinitiative keinen Zweifel. Denn bei der Suche nach einem Ausweichstandort für die an der Dachdeckerschule befindliche Funkanlage, deren Mietvertrag 2014 ausläuft, hat die Funkturm GmbH offenbar gegen ihre selbst plakatierten Grundsätze verstoßen.

Ist ein geeigneter Standort für eine Basisstation gefunden, werde den kommunalen Behörden die Planung mitgeteilt, heißt es da. Kommt es bezüglich des Standorts zu Meinungsverschiedenheiten zwischen Netzbetreibern und Kommunen, werde "einvernehmlich nach einem geeigneten Standort gesucht". So das Funkturm-Versprechen. "Wir hatten nicht die Chance einer Standortdiskussion", lautet hingegen das Resümee von Lehestens Bürgermeister Andreas Ludwig (Die Linke). Die Stadtverwaltung habe keine Information darüber gehabt, dass mit der Frankenwald e. G. als Flächeneigentümer schon ein Mietvertrag unterzeichnet worden ist. "Wir haben vom Standort zufällig erfahren im Zusammenhang mit einer geplanten Leitungsverlegung", so Ludwig. Die Entscheidung zu der leitungsverlegung ruhe, bis Baurecht geschaffen ist.

Entstanden ist der Ärger, weil augenscheinlich beide Mietvertragspartner rein wirtschaftlich gedacht haben. "Wir als Agrargenossenschaft suchen auch nach weiteren Einnahmemöglichkeiten", räumt deren Vorsitzender Reinhard Spänig ein, "dass der Standort ungünstig ist, haben wir jetzt gemerkt." Es gebe die Möglichkeit, auf dem Genossenschaftsgelände einen 600 Meter entfernt liegenden Standort zu suchen. Das wiederum lehnen die Funkturm-Bauherren aus finanziellen Gründen ab. "Wir brauchen Strom, einen Festnetzanschluss und Zuwegbarkeit", nennt Bolko Weilandt einige Kostenfaktoren und meint schon fast bockig: "Verträge sind dazu da, eingehalten zu werden." Aus der Bürgerschaft brachte dies dem Telekom-Vertreter den Vorwurf ein: "Sie wollen Kosten sparen auf Kosten der Gesundheit der Bürger!"

Gerne würde wohl die Agrargenossenschaft aus diesem Vertrag wieder aussteigen. Doch kündigen kann nur der Mieter, nicht der Vermieter. "Der Vertrag kann nur gekündigt werden, wenn keine Baugenehmigung erteilt wird", nennt Spänig eine Klausel. Sobald die in Aussicht stehende Baugenehmigung jedoch erteilt ist, kann auch losgelegt werden. Eine Bitte der Bürgerinitiative lautet deshalb, dass die Funkturm GmbH den Mietvertrag kündigt, um den Druck von der Agrargenossenschaft zu nehmen und gemeinsam nach einem geeigneteren Standort suchen zu können.

"Wir werden die unterschiedlichen Interessen nicht in Einklang bringen, brauchen aber eine Annäherung", mahnt Bürgermeister Ludwig und betont: "Ich bin gerne bereit, über alles zu reden, um eine Lösung zu finden. Es muss uns gelingen, aufeinander zuzugehen." Ob das klappt? Eine zweite Informationsveranstaltung jedenfalls soll es aus Sicht der Telekom nicht geben.

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