ICE-Strecke bei Gabe Gottes ab Montag 96 Stunden dicht

Auf der Brückenbaustelle im Probstzellaer Ortsteil Gabe Gottes im Kreis Saalfeld-Rudolstadt sind in den vergangenen Wochen Berge versetzt worden. Ab Montag soll unter Vollsperrung der Bahnstrecke die alte Brücke abgerissen werden.

Ein ICE fährt unter der alten Bahnbrücke, die nächste Woche abgerissen wird. Während einer Vollsperrung der ICE-Strecke Berlin-München wird der Überbau in 35 Teile zerschnitten, die mit einem 1200-Tonnen-Kran heraus gehoben werden. Foto: Klaus Moritz

Ein ICE fährt unter der alten Bahnbrücke, die nächste Woche abgerissen wird. Während einer Vollsperrung der ICE-Strecke Berlin-München wird der Überbau in 35 Teile zerschnitten, die mit einem 1200-Tonnen-Kran heraus gehoben werden. Foto: Klaus Moritz

Foto: zgt

Gabe Gottes. Seit über elf Wochen sind die Bauarbeiter auf der größten Baustelle im Landkreis, auf der zwei Brücken, mehrere Stützbauwerke und 770 Meter Straße entstehen, sozusagen unter sich. Die Bundesstraße 85 musste wegen gewal-tiger Erdbewegungen und komplexer Abrissarbeiten voll ge- sperrt werden. Auftragnehmer für das knapp sieben Millionen Euro teure Projekt, das vom Bund finanziert wird, ist eine Arbeitsgemeinschaft aus Brückenbauer Herms Schmidt Ingenieurbau und der August Dohrmann GmbH.

Seit Wochen sind von der Saalfelder Dohrmann GmbH neun Bagger, zwei Erdbauwalzen und eine Planierraupe im Einsatz. Mit einem beachtlichen Lkw-Fuhrpark werden Berge versetzt. Vom ehemaligen Verlauf der Bundesstraße ist nichts mehr zu sehen. "Beim Rückbau der alten Straßendämme sind insgesamt 8000 Kubikmeter Erdreich bewegt worden", weiß Dohrmann-Bauleiter Lutz Krüger. Aber auch ein 200 Meter langes Stück neue Bundesstraße ist schon in Richtung Unterloquitz entstanden, komplett mit Borden, Medienleitungen und zwei Verbreite-rungen für Bushaltestellen.

Bei den Abbrucharbeiten der alten, nicht mehr benötigten 75 Meter langen und sechs Meter hohen Stützwand zur Bahnstrecke fallen über 1000 Kubikmeter Betonschutt an. Damit sind die "Dohrmänner" noch beschäftigt, genau wie mit dem Bau der neuen, 200 Meter langen Stützwand auf der Südseite zur Loquitz hin. Diese Wand stützt den neuen Straßendamm und wird aus großformatigen Natursteinblöcken mit Kunststoff bewehrter Erde errichtet. Nach Fertigstellung mit Anpassung zur neuen Bahnbrücke wird sie fast zehn Meter hoch sein.

Auf der gegenüber liegenden Seite entsteht eine 120 Meter lange Großbohrpfahlwand. Die bis zu zwölf Meter langen Bohrpfähle werden zweieinhalb Meter in den festen Fels eingebaut und dienen als Hangsicherung für den Kolditzberg. In diesem Bereich wird später, wenn das alte Brückenwiderlager abgerissen ist, parallel zu den Gleisen der Loquitz-Radweg entlang führen.

Ab nächsten Montag, 10 Uhr, rollt hier überhaupt kein Zug mehr. Dann wird für 96 Stunden die ICE-Strecke voll gesperrt. Bis Freitag 18 Uhr soll die alte, in den Jahren 1938 bis 1941 gebaute Bahnbrücke zum größten Teil abgerissen werden. Wie die Züge in dieser Zeit verkehren, darüber will die Bahn heute informieren.

"Die Sperrzeit ist ein gravierender Eingriff in den Bahnverkehr", so Bauüberwacher Karsten Stephan. Solche Sperrpausen sind mindestens zwei Jahre vorher bei der Bahn zu beantragen. Jede Minute in diesem Zeitfenster ist durchgeplant. Da darf nichts schief gehen. Die schriftliche, monatelange Vorbereitung füllt zwei Aktenordner im Bürocontainer auf der Baustelle.

Noch diese Woche wird einer der leistungsfähigsten Fahrzeugkrane der Welt, dessen maximale Tragfähigkeit am Haken 1200 Tonnen beträgt, auf dem neuen Straßendamm in Stellung gebracht. Unterstützung bekommt der Riese von einem mobilen Kran mit einer Leistung von 400 Tonnen. Beide Giganten werden bei der Demontage der Brücke eingesetzt.

Nach einer geprüften Abbruchtechnologie wird der Überbau in 35 Teile zerschnitten, von denen die schwersten bis zu 64 Tonnen wiegen. Diese werden mit den Kränen an vorher bestimmten Stellen abgelegt. Dabei hat der 1200-Tonnen-Kran eine Auslage von 35 Metern. Anschließend werden diese Betonblöcke vor Ort zerkleinert und abtransportiert.

Zurzeit laufen Vorbereitungen für den Abriss. Mitarbeiter einer Firma aus Hannover bringen in den Brückenüberbau Kernbohrungen ein. Durch die Löcher wird ein 25 Meter langes, mit Diamanten besetztes Stahlseil gezogen. Mit einer Maschine verbunden, sägt sich das Seil horizontal oder vertikal in den Beton. Mehrere solche Diamantseilsägen sind schon im Einsatz. "Dabei werden die Schnitte aber nicht endgültig gemacht, der Beton wird nur angesägt", erklärt Wolfgang Ehrenberg, zuständiger Projektingenieur vom Auftraggeber Straßenbauamt Mittelthüringen. Der Beton wird also perforiert.

Die Vorbereitungsarbeiten für den Abriss der über 70 Jahre alten Brücke können nur unter bestimmten Sicherheitsvorkehrungen laufen. So gibt es seit Anfang August für rund acht Stunden am Tag eingleisige Sperrungen der Bahnlinie zwischen Hockeroda und Probstzella.

Während der Vollsperrung ab nächsten Montag wird dann 96 Stunden am Stück durchgearbeitet. Dabei wird die Baustelle in den Nachtstunden mit Lichtballons und großen Strahlern taghell beleuchtet. Es wird auch Arbeiten an der Oberleitung geben. Die jetzt im Brückentunnel befestigten Leitungen kommen an sieben Stahl- und zwei Betonmasten mit neuen Auslegern.

Auch die Bahn nutzt die lange Sperrpause, um Arbeiten an der Strecke auszuführen. So werden im Bereich zwischen Probstzella und Hockeroda Schienen ausgewechselt sowie Schwellen und eine Stützwand instand gesetzt.

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