Im März soll Hybrid-Grandland in Eisenach vom Band rollen

Erfurt.  Opel-Chef Michael Lohscheller sieht E-Autos auf dem Vormarsch, aber auch noch viele offene Fragen. Er spricht von Startprobleme beim Modell-Umstieg in Eisenach.

Opelchef Michael Lohscheller mit einem der ersten Opel „Grandland X Hybrid4“ im Werk Eisenach.

Opelchef Michael Lohscheller mit einem der ersten Opel „Grandland X Hybrid4“ im Werk Eisenach.

Foto: Foto: Andreas Liebschner

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Opelchef Michael Lohscheller sieht das Eisenacher Werk bei der Fertigung des neuen Modells Grandland X auf einen guten Weg. Anfang März sollen die ersten Autos der elektrischen Variante des Fahrzeuges in Thüringen vom Band rollen, kündigte Lohscheller in einem Redaktionsgespräch an.

Beim Start der Fertigung des Grandland X in Eisenach lief nicht alles rund, wie ist der aktuelle Stand?

Wir haben in Eisenach alles neu gemacht: Ein neues Auto auf einer neuen Plattform mit neuer Logistik und einer neuen IT – da läuft natürlich nicht alles von Anfang an rund. Aber wir haben die Fertigungszahlen im Werk seit dem Bandanlauf des neuen Grandland X mehr als verdoppelt. Wir sind auf einem guten Weg, aber noch nicht da, wo wir hinwollen. Wir brauchen mehr Grandland X aus Eisenach. Denn mittlerweile wird das Auto fast nur noch in Thüringen gefertigt.

Warum brauchen Sie mehr Grandland X?

Weil das Segment der SUV das am schnellsten wachsende ist – insgesamt und bei Opel. Wir haben im Vorjahr rund 100.000 Grandland verkauft, eine deutliche Steigerung von fast einem Viertel im Vergleich zu 2018. Wir gehen davon aus, dass wir den Absatz weiter steigern können – zumal ja jetzt noch der Serienstart der Plug-In-Hybridversion in den Startlöchern steht.

Der Trend zum SUV ist ungebrochen, wie erklären Sie sich das?

Diese Autos vermitteln für viele ein Gefühl von Sicherheit. Hinzu kommt der Komfortaspekt: Bei der älteren Generation ist das leichtere Einsteigen ein Punkt. Aber SUV sind auch bei jungen Autokäufern beliebt.

Also werden ungeachtet aller Umweltdebatten große Autos gekauft?

Nun, die ganz großen Autos, wie sie auf den Straßen in den USA rollen, sind in Europa nicht so gefragt. Aber die kompakten Stadtgeländewagen, wie der Grandland X – der in jede Parklücke passt – die werden gekauft. Die SUV werden kleiner, die Motoren effizienter – hinzu kommen elektrische Antriebe.

Der Grandland X soll in der Hybridversion ebenfalls in Eisenach vom Band laufen, gibt es dafür schon einen Starttermin?

Ja, wir planen, Anfang März mit der Fertigung des Hybrid-Modells im Thüringer Werk zu starten.

Es gab aus der Politik wiederholt Forderungen nach einem zweiten Modell für die Fabrik in Eisenach. Wie sehen Sie das?

Wir fertigen in Eisenach an sechs Tagen pro Woche Grandland X und brauchen dennoch mehr dieser Autos. Das Werk ist gut ausgelastet und das sogar schon vor dem Start des Hybrid-Modells. Insofern gibt es momentan keinen Grund, etwas zu verändern.

Die Autos aus Eisenach sollen den russischen Markt erobern, sind weitere Länder geplant?

Der Grandland X kann in Russland bei zunächst 11 Händlern in Großstädten bestellt werden. Das Händlernetz werden wir schrittweise weiter ausbauen. Aber auch in Nordafrika sehen wir einen interessanten Markt, etwa in Marokko, wo der Grandland X ebenfalls sehr beliebt ist. Auch in Südafrika und Südamerika bieten sich gute Absatzmöglichkeiten für unser Fahrzeug made in Thüringen.

Wie laufen die Bestellungen für den neuen elektrischen Corsa?

Der Corsa-e kommt zwar erst im März zu den Händlern, allerdings kommt das Auto schon jetzt am Markt hervorragend an. Konkrete Zahlen veröffentlichen wir derzeit noch nicht, aber ich bin mit den Bestellungen sehr zufrieden – auch in Deutschland. Ich denke gerade für die Stadt ist der sehr kompakte Corsa-e eine wirklich gute Lösung.

Welche Auswirkungen hat die Fusion des Opel-Mutterkonzerns PSA mit FiatChrysler auf Opel?

Ich sehe das vor allem als Chance. Wir waren ein europäischer Autokonzern und werden jetzt ein global aufgestellter Player. Statt vier Millionen Autos im Jahr fertigen wir im Konzern künftig fast neun Millionen und schließen auf zu den größten Automobilkonzernen der Welt. Das eröffnet neues Potenzial – gerade auch für Opel. Und hilft natürlich auch sehr, dass wir jetzt aus einer Position der Stärke agieren.

Wie meinen Sie das?

Wir sind jetzt zweieinhalb Jahre bei PSA und haben es in dieser Zeit geschafft, nach fast zwei Jahrzehnten in den roten Zahlen wieder in die Gewinnzone zurückzukehren und sogar einen Rekordgewinn zu erwirtschaften. Und wir machen Opel global und elektrisch. Wir haben in Eisenach und Kaiserlautern investiert und bringen den neuen Astra nach Rüsselsheim. All das stärkt unsere Position. Aber natürlich müssen wir weiter hart an unserer Stellung im Konzern arbeiten. Als einzige deutsche Marke sehe ich aber gute Chancen für Opel.

Wie ist es gelungen, binnen kurzer Zeit in die Gewinnzone zu fahren?

Wir haben einen umfassenden Plan aufgestellt und setzen diesen nun sehr konsequent um. Die Opel-Kultur hat uns dabei geholfen, diese Mentalität der Mitarbeiter, die sich gesagt haben, wir schaffen das. Wir haben die Werke kompakter gemacht und auch die Preise für unsere Fahrzeuge auf das notwendige Niveau angepasst. Wir bringen neue Modelle auf den Markt und wir haben Opel elektrifiziert.

Gehört dem E-Auto tatsächlich die Zukunft?

Die elektrisch betriebenen Fahrzeuge werden auf breiter Front kommen. Die Hersteller haben massiv investiert, die Ladeinfrastruktur wird schrittweise ausgebaut. Wir werden beispielsweise an unserem Stammsitz in Rüsselsheim gemeinsam mit Partnern 1300 Ladestationen aufstellen; 350 Ladepunkte für die Opel-Flotte auf unserem Areal sind bereits installiert. Und auch der Fahrspaß, den solche Autos bringen, hat sich mittlerweile herumgesprochen. Allerdings wird es nicht eine Lösung für alle geben. Wir sind weiterhin technologieoffen aufgestellt, forschen in Rüsselsheim auch an der Brennstoffzelle. Aber ohne die E-Autos wird kein Konzern die Vorgaben für den Flottendurchschnitt beim Kohlendioxid-Ausstoß einhalten können.

Es gibt aber auch Kritik an der Batterietechnologie?

Natürlich haben wir noch eine Menge an Themen, die wir klären müssen. Das beginnt bei den Rohstoffen für die Zellen und geht bis zum Recycling. Wir geben acht Jahre Garantie auf die Batterien, haben in Rüsselsheim ein Recyclingcenter eingerichtet. Zudem arbeiten wir an sogenannten „Second Life“-Anwendungen für gebrauchte Batterie. So ist ein Batteriecontainer mit gebrauchten Ampera-Batterien in Rüsselsheim entstanden. Dieser wird eingesetzt, um unsere Elektro-Testflotte zu laden. Erst wenn die Batterien auch für solche Anwendungen nicht mehr genügend Energie speichern und abgeben können, müssen sie fachgerecht entsorgt werden.

Viele reden von autonom fahrenden Autos, wie weit ist die Branche auf diesem Weg?

Es sind zahlreiche Konzeptfahrzeuge vorhanden, aber in den nächsten drei bis fünf Jahren sehe ich das nicht auf den Straßen. Dafür sind noch zu viele Fragen zu klären, auch ethische Entscheidungen stehen im Raum. Aber die selbstfahrenden Autos haben echte Vorteile, können etwa die Mobilität älterer Menschen gewährleisten, die nicht mehr selbst fahren können. Auch die staugeplagten Autofahrer in Großstädten wie Paris wären sicher dankbar, wenn sie im Auto arbeiten oder lesen könnten statt fahren zu müssen. Aber das wird noch einige Zeit brauchen bis zur Alltagsreife.

Opelchef sieht Eisenacher Werk gut ausgelastet

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