Landwirtschaftsministerium will kreativen Landurlaub fördern

Das Landwirtschaftsministerium, der Bauernverband und viele Partner hoffen mit "kreativem Landurlaub" auf einen neuen Gästeschub in Thüringen. Dazu wurde jetzt ein Projekt in Lauscha vorgestellt.

Unter fachkundiger Anleitung bläst sich Minister Jürgen Reinholz in Lauscha seine ganz persönliche Christbaumkugel; rechts im Bild Inge Zetzmann von der Farbglashütte Lauscha. Foto: Jens Voigt

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Lauscha. Wie setzt man so etwas wie "kreativen Landurlaub" in medientaugliche Aktion um? Man nehme einen Minister, ein Stück ofenheiße Glasmasse, ein Blasrohr. Jürgen Reinholz, im Hauptfach Ressortchef für Felder, Wald und Umwelt, pustet, schwitzt, dreht die sich blähende Kugel in der Farbglashütte Lauscha. Nach ein paar Minuten hält ein dampfender Minister seine selbst geblasene Christbaumkugel in den Händen.

Den druckfrischen Katalog freilich bestimmt ein anderes Foto: Eine vitale Endvierzigerin malt in mildem Licht lächelnd auf einer blütenbunten Wiese ein Bild. So soll er sein, der "kreative Landurlaub" in Thüringen: entspannt, aber nicht öde; schöpferisch, aber bloß kein Stress. Frauen über vierzig, erklärt der Herr von der Marketingagentur aus Berlin, seien eine der wichtigsten Zielgruppen. Auch viele ältere Menschen wünschten sich etwas Kultur im Urlaub. Das passt. Denn der Thüringenurlauber an sich ist bekanntlich eher der reifere Typ.

Für ihn wie auch für die vielen, denen sich der ländliche Freistaat außerhalb des Winters höchstens als Wanderer-Idylle mit täglicher Bratwurstzufuhr eingeprägt hat, gibt es seit gestern den "kreativen Landurlaub". Geboren wurde die Idee von Elisabeth Pauli, umtriebige Leiterin in der Touristinformation Limbach (Landkreis Sonneberg), und von Marika Rosenbusch, Chefin der Porzellanmanufaktur in Lippelsdorf (Saalfeld-Rudolstadt).

"Die Marika macht so tolle Führungen, der Nachbar drüben fertigt ganz tollen Christbaumschmuck – aber wer außer uns weiß das?", formuliert Pauli den Ausgangspunkt. Beides zusammenzubringen, das Schlaf- und Gastgewerbe mit den Kreativen der Dörfer, erwies sich bald als größeres Projekt, für das es Partner braucht: die Landwirtschaftsämter, die Naturparke, Touristinformationen. Als Projektträger fungierte die regionale Leader-Aktionsgruppe (RAG) Hildburghausen-Sonneberg, kooperierend mit weiteren RAGn wie Saale-Orla und Saalfeld-Rudolstadt.

Gut drei Jahre und rund 110 000 Euro Förderung vom Land hat es gebraucht, um nun als bundesweit einzigartiges Produkt, wie der Minister versichert, an den Start zu gehen.

Geworben wird natürlich auch. Mit Messe-Präsentationen von der Grünen Woche bis zum Brandenburger Reisemarkt, in der "Apotheken-Umschau" und in der "Landlust".

Wie Letztere die neue Dörflichkeit zeichnet, so nämlich soll auch der neue Thüringer Urlaub sein: Anspruchsvoll, vital und individuell. An die 15 Prozent derer, die sich als Vermieter, Kreativpartner oder beides zusammen zur Aufnahme in das Projekt beworben hatten, seien an den hohen Maßstäben gescheitert, erzählt Babett Kamprich vom Landwirtschaftsamt Hildburghausen.

Jetzt versammelt der in einer Auflage von 25 000 Stück gedruckte Katalog genau 122 Anbieter, von Bauernhöfen, Hotels und Pensionen bis zu Holz-, Glas- und Porzellangestaltern, Malern, Bildhauern, es gibt Kräuter-Seminare, Reiki und Yoga, Wünschelrutenkurse und Filzstunden. "Wir waren selbst überrascht, wie viele Kreative bei uns leben", meint Kamprich, die als gebürtige Geraerin auch stolz darauf ist, dass schon beim Start die Anbieter aus der Ostthüringer Saale- und Schiefergebirgsregion die zweitstärkste Truppe aufbieten.

Vermarktet werden die kreativen wie auch die bisherigen Familien-, Reit- und Wanderferien von der Landesarbeitsgemeinschaft "Ferien auf dem Lande in Thüringen"; ab heute stößt "Landsichten.de", das deutschlandweit größte Informations- und Buchungsportal zum Landtourismus, hinzu. Schließlich gilt es, wie der Marketingmensch verrät, unbedingt auch die "Lohas" zu erreichen - die den "Lifestyle of Health and Sustainability" vertreten, also Gesundheit und Nachhaltigkeit verbinden wollen, grünes Wohlsein als Großstädters Ferientraum.

Urlauber, wie es noch nicht viele gibt in Thüringen, und die für manchen altvorderen Herbergsvater noch so befremdlich sind wie ein Minister als Glasbläser. Mindestens.

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