Rund 22.000 Stellen sind in Thüringen unbesetzt

Erfurt.  Über 20.000 Stellen sind in Thüringen unbesetzt. Der Beruf, der am schwierigsten zu besetzen ist, kommt aus dem Handwerk.

In der Altenpflege sind in Thüringen über 700 Stellen unbesetzt. (Symbolbild)

In der Altenpflege sind in Thüringen über 700 Stellen unbesetzt. (Symbolbild)

Foto: Oliver Berg / Oliver Berg/dpa

Bei den Thüringer Arbeitsagenturen waren im Oktober insgesamt 22.115 freie Stellen gemeldet. Tendenz seit Jahren steigend. Die Liste der meistgesuchten Berufsgruppen führen im Freistaat die Berufe in der Lagerwirtschaft an, gefolgt von Altenpflege, Verkauf und Maschinen- und Anlagenführern.

Nehme man die Vakanzzeit als Indikator, also jene Zeit, die es benötigt, um offene Stellen zu besetzen, „steht der Beruf des Klempners in Thüringen ganz oben“, erläutert Kay Senius, Chef der hiesigen Arbeitsagenturen. „Es dauert 271 Tage, um eine solche Stelle zu besetzen.“ Auf 100 gemeldete Jobs kämen rein rechnerisch nur 37 Arbeitslose.

Ähnlich langwierig gestaltet sich die Suche nach Arbeitskräften in der Altenpflege – konkret 234 Tage, da 100 freie Jobs lediglich 16 Arbeitslosen gegenüber stehen. Insgesamt dauert es in Thüringen derzeit durchschnittlich knapp 200 Tage, bis ein geeigneter Arbeitnehmer gefunden ist.

Kein flächendeckender Fachkräfte- oder Arbeitskräftemangel

Bei der Anzahl der freien Stellen unterscheiden sich die Landkreise und kreisfreien Städte zum Teil sehr stark: In der Wirtschaftsmetropole Jena sind 2100 freie Arbeitsplätze beim Arbeitsamt gemeldet. Dort werden vor allem Fachkräfte in der spanenden Metallbearbeitung und der Bauelektrik gesucht.

In der Landeshauptstadt Erfurt sind 1900 Stellen vakant. Angeführt wird die Liste dort von den Büro- und Sekretariatskräften sowie den Verkäuferinnen und Verkäufern. Die wenigsten Vakanzen gibt es in Nordthüringen: Im Kyffhäuserkreis sind lediglich 300 Jobs offen, im Landkreis Nordhausen 370.

Und so lautet auch das Fazit von Arbeitsagentur-Chef Senius: „Wir haben in Thüringen aktuell keinen flächendeckenden Fachkräfte- oder Arbeitskräftemangel.“

Ein Blick auf die Deutschlandkarte zeigt, die meisten Arbeitskräfte werden in Nordrhein-Westfalen (162.000), Bayern (124.000) und Baden-Württemberg (102.000) gesucht. Thüringen liegt bundesweit auf Platz 11. Wobei es sich nur um Stellen handelt, die den Arbeitsagenturen gemeldet wurden.

Demografischer Wandel als Hauptgrund für Fachkräftemangel

Hauptgrund für den leer gefegten Fachkräftemarkt ist laut Senius in Ostdeutschland vor allem der demografische Wandel, „Stichwort Abwanderung, Geburtenrückgänge und Überalterung der Gesellschaft“. Hinzu käme, dass insbesondere junge Frauen immer häufiger hohe Bildungsabschlüsse anstrebten und Karrierechancen in anderen Bundesländern nutzten. Das sei vor allem für den Dienstleistungssektor, in dem früher traditionell junge Frauen ihre Ausbildung machten, ein Problem.

Langzeit-Arbeitslosen die freien Angebote zu vermitteln, fällt den Arbeitsagenturen allerdings schwer, da die Betroffenen oftmals gesundheitliche Probleme oder Qualifizierungsdefizite hätten oder in ihrer Mobilität eingeschränkt seien.

Freie Stellen nach Berufsgruppen:

  • 765: Lagerwirtschaft
  • 740: Altenpflege
  • 709: Verkauf
  • 602: Maschinen- und Anlagenführer
  • 595: Metallbearbeitung/Frästechnik und CNC-Dreher
  • 568: Metallbearbeitung/Maschineneinrichter und Techniker
  • 522: Kunststoff- und Kautschukherstellung
  • 518: Büro- und Sekretariatskräfte
  • 481: Bauelektrik
  • 469: Köche/Köchinnen
  • Quelle: Arbeitsagentur
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