Nach dem Hackerangriff auf Funke: "Wir müssen das Haus komplett neu aufbauen"

Erfurt.  Im Dezember ist die Funke Mediengruppe von einem massiven Hacker-Angriff getroffen worden. Die Geschäftsführung der Funke Medien in Thüringen gab nun Auskunft über die Situation.

Michael Tallai (r.), Geschäftsführer der Funke Medien Thüringen, und Verlagsleiter Hans-Peter Meinhardt geben bei einem Telefonforum Auskunft zur aktuellen Situation nach dem Hackerangriff und beantworten Leserfragen.

Michael Tallai (r.), Geschäftsführer der Funke Medien Thüringen, und Verlagsleiter Hans-Peter Meinhardt geben bei einem Telefonforum Auskunft zur aktuellen Situation nach dem Hackerangriff und beantworten Leserfragen.

Foto: Jan Hollitzer

Kurz vor Weihnachten legten Hacker die Computersysteme der Funke Mediengruppe, zu der auch diese Zeitung gehört, lahm. Redaktions- und Drucksysteme sowie die Daten von Anzeigenkunden und Lesern stehen seitdem nicht mehr wie gewohnt zur Verfügung. Abonnenten können nicht mehr wie gewünscht betreut werden. Noch immer ringen Redaktionen und Verlag an den Standorten des weitverzweigten Medienhauses um die Rückkehr zum Normalbetrieb. Die Strafverfolgungsbehörden wurden eingeschaltet und Strafanzeige erstattet. Unterstützung erhält die Mediengruppe von externen Cybercrime-Experten.

Wiederaufbau der Systeme braucht Zeit

Bei einem Telefonforum gaben der Geschäftsführer der Funke Medien Thüringen, Michael Tallai, und der Verlagsleiter, Hans-Peter Meinhardt, Auskunft zur aktuellen Situation und beantworten Leserfragen. Hunderte riefen an, viele kamen nicht durch. Neben Verständnis und Zuspruch gab es auch Verärgerung. Vor allem darüber, dass die Zeitung infolge des Angriffs nicht mehr wie gewohnt im Briefkasten steckt. Den großen ideellen und wirtschaftlichen Schaden für das Unternehmen umschrieb Michael Tallai mit einem Bild: Kriminelle hätten das Haus des Konzerns vom Keller bis zum Dachboden verwüstet. Alles müsse nunmehr neu eingerichtet und aufgebaut werden. Das brauche Zeit, dafür bitte man bei Partnern, Kunden und Lesern um Geduld.

Betroffen seien neben den Druckereien Tausende Rechner, die neu konfiguriert werden müssen. Da auch die Email-Kommunikation und Telefonie über Netzwerke und Internet laufen, ist die Kommunikation über die bekannten Adressen und Rufnummern aktuell nicht möglich. Man arbeite mit Hochdruck an der Aufarbeitung.

Wichtiges Thema für viele Anrufer ist ihr Lokalteil. Normalerweise erscheinen die drei Thüringer Funke-Titel Thüringer Allgemeine, Ostthüringer Zeitung und Thüringische Landeszeitung mit insgesamt mehr als 30 Lokalausgaben. Pro Ausgabe sind das täglich bis zu fünf Seiten mit aktuellen Informationen aus der unmittelbaren Nachbarschaft der Leser, dazu Anzeigen von Händlern und Gewerbetreibern, Veranstaltungstipps und Kulturangebote, bis hin zur Veröffentlichung der Lottozahlen. Die Notausgaben nach dem Hackerangriff konnten dies nicht leisten. Leider gilt das seit der Cyber-Attacke auch für das E-Paper, das ein identisches Abbild der gedruckten Zeitungen ist.

Zeitung wird wieder, wie sie war

Ungeachtet dessen arbeiten die Redaktionen vor Ort vollumfänglich weiter und stellen die Ergebnisse ihrer Recherchen auf den Internetseiten kostenlos zur Verfügung. Zwar werde inzwischen das regionale Angebot auch im Print Schritt für Schritt wieder erweitert, man versuche, so viele Informationen wie möglich in die Ausgaben zu packen. Alle Titel erscheinen immer noch mit reduzierten Umfängen, aber nicht mehr mit ,Notausgaben’. Von den Standards, die sich Redaktionen und Verlag selber setzen, sei man dort jedoch noch weit entfernt, so der Geschäftsführer.

Immer wieder baten Tallai und Meinhardt um das Vertrauen der Anrufer, dass man es wieder hinbekommt. "Wir machen jeden Tag Fortschritte. Sie bekommen die Zeitung wieder so, wie Sie das kennen, das versprechen wir", sagte Hans-Peter Meinhardt. Leider schaffe man das wegen der Schwere des Angriffs aber nicht von heute auf morgen.

Nachrichten und E-Paper kostenlos im Internet

Verzichten mussten Leser in den vergangenen Tagen auch noch auf die Veröffentlichung von Todesanzeigen. Die nötigen Daten dafür werden größtenteils von Bestattern übermittelt. Dieser Austausch funktioniere noch nicht wieder reibungslos, gemeinsam arbeite man aber an Lösungen. Für die nächsten Tage stellten die Geschäftsführer eine zusätzliche Beilage in Aussicht, in der solche Anzeigen zusammengefasst werden. Ein Abonnent des E-Papers wollte wissen, wann er den Zugang nebst dem bestellten iPad erhält. So bald alle Kundendaten wieder komplett zur Verfügung stehen, lautete die Antwort. Bis dahin bitte man ihn, das kostenlos freigeschaltete E-Paper- und Nachrichten-Angebot im Internet nutzen. Kundendaten seien nach derzeitigem Stand der Ermittlungen nicht in die Hände der Angreifer gefallen.

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