7. September 2009: Christine Lieberknecht und Finanzministerin Birgit Diezel stellen bei einem kurzfristig anberaumten Abendessen in Erfurt die Weichen für die Nachfolge des CDU-Ministerpräsidenten Dieter Althaus. Lieberknecht soll im Fall einer Koalition mit der SPD Regierungschefin werden, Diezel übernimmt die Partei. Es folgen viele Telefonate, eines davon mit der TLZ, die daraufhin titelt: „Christine Lieberknecht soll Althaus beerben“.

Christine Lieberknecht machte das, was sie schon in ihrer gesamten politischen Karriere in Thüringen getan hatte: konsequent eine Sache durchziehen, die sie als richtig erkannt hatte – ob als Kultusministerin, als Fraktionschefin, als Sozialministerin oder später als Ministerpräsidentin. „Sie kann ausgleichen, sie kann aber auch Entscheidungen herbeiführen – nicht mit Zwang, sondern mit einer Autorität, die ihre Kraft in den besseren Argumenten hat. Sie kann zuhören“, heißt es in einem TLZ-Porträt in diesen aufregenden Tagen des Jahres 2009.

Lieberknecht biss sich gegen Widerstände durch. Bernhard Vogel (1932–2025) erkannte zwar ihr Potenzial, begegnete ihr aber immer mit einer gehörigen Portion Skepsis und bremste ihren Aufstieg. Von ihm ist dieses Zitat überliefert: „Sie machte es gut, war willig, fleißig, emsig und verbreitet Charme und sorgt für ein gutes Klima.“ Und als sie in die Staatskanzlei einzog, bekannte er: „Dass sie sich die Nachfolge von Dieter Althaus sicherte, hätte ich so nicht erwartet. Den Mut muss man erst mal haben.“ Vogel stand in den entscheidenden Tagen 2009 nicht auf Lieberknechts Seite.

Lieberknechts große Bewährungsprobe waren die Jahre 2004 bis 2008, als sie die schwierige Aufgabe hatte, Regierungschef Dieter Althaus im Landtag den Rücken freizuhalten. Die CDU hatte nur eine Mehrheit von einer Stimme. Hier stellte sie ihr moderierendes Talent unter Beweis, hielt die Unionsfraktion mit ihren manchmal sehr eigenwilligen Politikerinnen und Politikern bei der Stange – egal, ob es um Kita-Politik, Volksbegehren oder Polizeireform ging.
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2008 wäre sie auch lieber Fraktionschefin geblieben, musste aber auf Wunsch von Dieter Althaus in das Sozialressort wechseln, um die soziale Flanke der Union abzudecken, die nach der gescheiterten und heftig kritisierten Familienoffensive von Althaus offen war. Lieberknecht wirbelte das Ministerium, das zuvor eher dahingedümpelt war, kräftig durcheinander und schrieb sich vor allem das Thema Bekämpfung der Kinderarmut auf ihre Fahnen. Sie brachte all diejenigen an einen Tisch, die in dieser Sache etwas bewegen wollten – von Sozialverbänden bis zur Wirtschaft. Und sie moderierte diese Gesprächsrunde so lange, bis am Ende ein Aktionsplan stand.

Lieberknecht war von 1990 bis 2009 in der Thüringer Politik und in ihrer Partei schon fast alles gewesen, was möglich schien. Das gab ihr womöglich auch die Souveränität und die Erfahrung, in jenem Herbst die Koalition mit der SPD von Christoph Matschie zu schmieden.






