Schwarzburg ist als Ort der Demokratiegeschichte bekannt, da der einstige Reichspräsident Friedrich Ebert dort am 11. August 1919 die Weimarer Reichsverfassung unterzeichnete. Doch seit 2018 ist nach einem langjährigen Renovierungs- und Restaurationsprozess auch das Zeughaus der Schwarzburger für die Öffentlichkeit wieder zugänglich. In seiner gut 500-jährigen Geschichte spielte das Glück gleich mehrfach eine große Rolle. Denn diese etwa 4000 Objekte umfassende Sammlung ist heute die älteste und vor allem einzig erhaltene Zeughaussammlung Deutschlands.

Die Anfänge des Zeughauses führen zurück in die Mitte des 16. Jahrhunderts. Der Wandel in der Waffentechnik und der Ausbau vor allem von schweren Feld- und Festungswaffen machten es erforderlich, das „Zeug“ in den damals vielerorts geschaffenen Zeughäusern einzulagern, um es im Kriegsfall an Ort und Stelle zu haben.
Das Schwarzburger Zeughaus westlich des Burgtores diente nur zur Verteidigung des Schlosses. Es war zudem, neben dem Waffenlager, auch ein Getreidespeicher. Im Laufe der Zeit wurde das Gebäude weiter ausgebaut, denn vor allem nach Erhebung der Schwarzburger in den Reichsfürstenstand (1710) diente die Waffensammlung mehr und mehr repräsentativen Zwecken. Die militärische Nutzung des Zeughauses ging im Laufe des 18. Jahrhunderts zurück. Vielmehr bildete sich nun, vor allem im 19. Jahrhundert, eine fürstliche Schausammlung heraus, in der sich keine einsatzfähigen Waffen mehr befanden.
Vor allem Fürst Günther von Schwarzburg-Rudolstadt förderte die Sammlung nach seinem Regierungsantritt 1891 entscheidend. Unter anderem gelang es ihm, den damals bekannten Schweden Carl Anton Ossbahr, seines Zeichens Experte für Waffensammlungen und selbst ab 1892 Direktor der Königlich-Schwedischen Leibrüstkammer, nach Schwarzburg zu holen. Bei mehreren Aufenthalten zwischen 1891 und 1895 katalogisierte Ossbahr die Sammlung, kümmerte sich um die Neuordnung und den Ankauf von benötigten Teilen. Er hinterließ mit seinem 1895 gedruckten Katalog eine der Grundlagen für die spätere Wiedereinrichtung des Zeughauses.
1923 ging die Sammlung zunächst auf das Land Thüringen über, wobei noch bis 1929 ein Rechtsstreit mit den Schwarzburgern herrschte, ob dieser Schritt rechtmäßig war. Das Zeughaus konnte in dieser Zeit weiterhin besichtigt werden. 1940 wurde unter Adolf Hitler beschlossen, Schloss Schwarzburg in ein Reichsgästehaus zu verwandeln; doch dazu sollte es nicht mehr kommen. Das Zeughaus wurde beräumt, die Sammlung auf die Heidecksburg ausgelagert.

Nach dem Ende des Zweiten Weltkrieges verblieb der Großteil der fürstlichen Sammlung glücklicherweise in Thüringen; die Sowjets brachten nur einen Bruchteil der Stücke außer Landes. In der DDR-Zeit waren nur wenige Objekte auf der Heidecksburg zu sehen. Dank der vielfältigen Unterstützung konnte zwischen 2008 und 2018 dieser einzigartige Ort wieder in seinen ursprünglichen Zustand zurückversetzt werden. Die Sammlung auf 550 Quadratmetern lässt sich am besten im Zuge einer Führung erkunden.








