Sammlung des „Forum Konkrete Kunst“ jetzt in Jena zu bestaunen

Jena  Kunstsammlung Jena präsentiert erstmals die Sammlung des „Forum Konkrete Kunst“ nach ihrem Umzug von Erfurt.

Kunstsammlungskurator Erik Stephan

Kunstsammlungskurator Erik Stephan

Foto: Ulrike Merkel

2018 wechselte die Sammlung des Forums Konkrete Kunst von Erfurt nach Jena. Die Sammlung abstrakter Werke hatte ihre Heimat in der Klosterkirche St. Peter und Paul auf dem Erfurter Petersberg verloren, nachdem die Landeshauptstadt ein neues kulturelles Konzept für das Areal entwickeln wollte. Nach heißen Diskussionen um den Erhalt des Forums und erfolgloser Suche nach neuen Räumlichkeiten fand man in der Stadt Jena einen Partner aus der Impulsregion, der bereit war, die 150 Werke umfassende Sammlung zu übernehmen – eine Kollektion, die Arbeiten von 100 Künstlern aus 15 Ländern vereint.

Ab Freitagabend stellt Kunstsammlungskurator Erik Stephan nun einen großen Teil der Werke erstmals in Jena aus. Allerdings war es auch in der Saalestadt alles andere als einfach, Räume für die Lagerung und Präsentation zu finden, wie Erik Stephan berichtet. Vorübergehend diente der Eiermannbau in Apolda als Depot.

Patina-Charme durchzieht das neue Domizil

Kurator Stephan hätte sich auch vorstellen können, die Sammlung dort dauerhaft zu zeigen. Allerdings hätte die Stadt Jena für eine feste Ausstellung in einer fremden Kommune mit Sicherheit kein Geld gegeben. Umso glücklicher ist er, mit dem sogenannten Trafo – einem Kulturzentrum in der Nollendorfer Straße 30 – eine geeignete neue Heimstatt gefunden zu haben. Zumal das Gebäude vor Jahren bereits dem Jenaer Stadtmuseum als Magazin diente.

Genaugenommen werden die Arbeiten in den kommenden vier Wochen im einstigen Sozialbau des alten Elektrizitätswerks gezeigt – in unsanierten Räumen, die Jahrzehnte alten Patina-Charme besitzen. Die Schau zeigt Werke von 50 Künstlern: Zeichnungen, Gemälde, Skulpturen und Installationen aus Thüringen, Deutschland und Europa.

Den Begriff „Konkrete Kunst“ prägte 1924 Theo van Doesburg, ein niederländischer Künstler, der am Bauhaus in Weimar lehrte. Zu dieser Zeit war von Doesburg mit dem Chef des Jenaer Kunstvereines Walter Dexel befreundet, der seinerzeit in der Saalestadt Ausstellungen mit neuartiger gegenstands­freier Kunst verwirklichte. Insofern ist Jena laut Stephan ein geeigneter Ort für die Sammlung.

Konkrete Kunst beruht auf mathematisch-geometrischen Grundlagen

Konkrete Kunst ist eine Stilrichtung der abstrakten Strömung, die in ihrer reinsten Form auf mathematisch-geometrischen Grundlagen beruht. Die Werke entstehen nicht durch Abstrahierung der Natur oder Umwelt, sie begründen sich auf rein geistigen Leistungen der Künstler, wie Kurator Stephan erläutert. Mitunter auch als Ingenieurskunst bezeichnet, greifen ihre Vertreter oft auf Formen wie Kreise, Drei- und Vierecke zurück. Ein künstlerischer Ansatz, der in der Wissenschafts- und Technologiestadt Jena auf ein geneigtes Publikum treffen dürfte, wie Kurator Stephan hofft.

Jean-Pierre Husquinets Installation aus zwölf farbig untergliederten Holzlatten erinnert Stephan etwa an das Periodensystem. Aber bei Weitem nicht jeder konkrete Künstler pflegt die reine Lehre. Vom renommierten Akteur Ewerdt Hilgemann ist beispielsweise die Arbeit „Implodet Wall-Sculpture“ zu sehen: Die Außenhülle eines hohlen Edelstahlquaders ist hier so nach innen gezogen, als hätten große Unterdruckkräfte das feste Material implodieren lassen.

Die Sammlung des Forums Konkrete Kunst basiert seit Gründung 1993 auf Leihgaben der beteiligten Künstler. Ein Großteil der Akteure verspricht sich vom Umzug nach Jena einen Neustart für das Projekt, das sich stets auch als künstlerische Plattform verstand. Um wirklich neue Impulse setzen zu können, benötige Erik Stephan allerdings personelle Hilfe, wie er sagt. Unterstützung bei der Realisierung der aktuellen Schau erhielt er von zwei Jenaer Vereinen, dem „In‘s Netz“ und dem „Ein Kunsthaus für Jena“. Mit dem Ausstellungsprojekt kann der Trafo zugleich als ein potenzieller neuer Kunststandort Jenas ausgelotet werden, meint Stephan.

Die Ausstellung wird am Freitag, dem 20. September, 19 Uhr im Trafo eröffnet. Sie ist bis 20. Oktober dienstags bis sonntags von 14 bis 18 Uhr zu sehen.

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