Böhlershöhle ist fast unbekannt

Arnstadt (Ilmkreis). Deutschlandweit ist die Höhle im Jonastal aber durch verschiedene Erzählungen ein Begriff.

Im Jonastal befindet sich die Böhlershöhle. Foto: Christoph Vogel

Im Jonastal befindet sich die Böhlershöhle. Foto: Christoph Vogel

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Viele Gäste unserer Stadt fragen nach der Böhlershöhle, dabei kennen nicht einmal alle Arnstädter diese kleine Höhle im Jonastal. Die Höhle wurde durch verschiedene Erzählungen aber in ganz Deutschland bekannt. Das Tal hat die Wilde Weiße über viele Jahre geschaffen, als Karst-Trockental hat es die Ohrdrufer Muschelkalkplatte durchschnitten. Erst 1773 wurde die Strecke mit der Bezeichnung Jonastal bekannt.

Die Wilde Weiße entspringt oberhalb von Crawinkel, in der Nähe von Friedrichsanfang. Sie versickert gleich in das Muschelkalkquellgebiet. Selbst ist der Fluss nur bei starkem Regen oberirdisch sichtbar, sonst fließt er unterirdisch durchs Tal. Beim Wasserwerk in Arnstadt wird das Wasser sichtbar und fließt mit dem Mühlgraben zur Gera.

Cirka 1,2 Kilometer talaufwärts vom Jungfernsprung (cirka 70 Meter steil abfallender Muschelkalkfelsen) im Jonastal befindet sich das Gebiet des Sonnenberges und dort am Wüsten Berg, hoch über der Wilden Weiße und deren Prallhang, die kleine Höhle.

Höhle ist sogenannte Bachschwinde im Kalk

Es ist eine sogenannte Bachschwinde, die während der Eiszeit im ausgedehnten Kalkkarst entstand. Die Bezeichnung Böler (Böhler) gibt es etwa 600 Jahre lang. 1414 wurden Felder mit Weinwuchs am Böler genannt und 1612 fand man einen Viehtrift an dieser Stelle. Archäologische Grabungen 1872 und im Juni 1964 erbrachten keinen Beweis für eine frühere Besiedlung der Höhle. Man legte die Wegstrecke auf 44 Meter, mit einer differierten Ganghöhe von 30 cm und 1,30 m fest. Selbst gibt es im Tal noch mehrere kleinere Höhlen dieser Art.

Bei den Grabungen wurden in den Höhlensedimenten noch versteinerte Seelilienglieder gefunden, welche man auch noch heute im Umfeld der Höhle finden kann. Diese versteinerten Stielglieder der Seelilie mussten einen Meter groß im Muschelkalkmeer gewesen sein. Heute werden sie als Böhlerpfennige oder Bonifaciuspfennige bezeichnet und sind Sammlerobjekte. Die Böhlershöhle - Böhler ist heute die Flurbezeichnung für den nordöstlichen Vorsprung des Sonnenberges - wurde durch die Sagenwelt bekannt, besonders durch die Arnstädter Sage. In der Höhle soll das sagenhafte, hilfsbereite Zwergenvolk, die Böhlersmännchen, gelebt haben. Diese wurden in einer Sage als gutartige, helfende und bescheidene Wesen gegenüber einer armen Arnstädter Witwe bezeichnet. In anderen Aufzeichnungen treiben die Männchen den Schabernack, treten als durstige Wesen auf.

Auch heute kann man die Böhlerhöhle noch sehen und mit guten Auge die Pfennige finden. Jedoch wird abgeraten, die Höhle zu betreten oder zu erforschen. Sie gehört aber mit zur Geschichte der Stadt Arnstadt.

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