„Das kalte Herz“ im Mon Ami – Märchen pflügen die Seele auf

Weimar  Clubtheater Weimar mit gelungener Premiere. Darsteller wachsen über sich selbst hinaus

Da waren Peter Munk (Holger Schäler) und seine Liesbeth (Ronja Naujoks) noch glücklich. Foto: Maik Schuck

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Restlos ausverkauft ist der große Saal im Mon Ami, als dort am Samstagabend die neue Produktion des Weimarer Clubtheaters, „Kaltes Herz“, eine gefeierte Premiere erlebt. Die Verschränkung von Hauffs Märchen „Kaltes Herz“ mit Musik aus Wagners „Ring des Nibelungen“ ist mutig und spannend. Dass das Experiment gelingt, ist den leidenschaftlich aufspielenden Darstellern und den Musikern zu danken. Unter der Regie von Maximilian Pellert wächst jeder der neun Darsteller über sich selbst hinaus.

Das Märchen ist eine düstere Parabel auf die Bestechlichkeit und Geldgier von Menschen. Es spielt vor mehr als 100 Jahren im Schwarzwald, doch hat es an Aktualität bis heute nichts eingebüßt. Für Geld und Macht verkauft Peter Munk sein Herz an den Holländer Michel (Ralf Grossmann). „Gib mir den Stein und das Geld“, verlangt der bettelarme Peter (Alex Völkner), als er keinen anderen Ausweg mehr sieht. „Ich wusste, dass du ein vernünftiger Kerl bist“, lobt Seelenfänger Holländer Michel.

Kluger Kunstgriff der Regie: Die Rolle des Peter wird geteilt, um seinen Persönlichkeitswandel zum herzlosen Geschäftsmann (Holger Schäler) herauszustellen, der seine Braut Liesbeth (Ronja Naujoks) im Zorn umbringt.

Im Ohr bleibt über die Aufführung hinaus auch der kraftvolle Rheintöchter-Gesang „Rheingold, Rheingold, wie lauter und hell leuchtetest hold Du uns" und Wotans Arie „Abendlicht strahlt der Augen Sonne" .

„Der Bogen vom Rheingold zur Götterdämmerung zeigt bei Wagner den Abschied vom paradiesischen Naturzustand unter dem Einfluss von Macht und Gold/Geld (Ring), um mit der Rückgabe des Goldes an die Rheintöchter im Finale der Götterdämmerung im Sinne eines möglichen Neubeginns wieder im Urzustand zu enden. Eine deckungsgleiche Geschichte zum ,Kalten Herz‘ die Verbindung beider Werke drängte sich uns regelgerecht auf.“, erklärt Christina Grossmann, welche die Gesamtleitung innehat. Nach „Mein Freund Harvey“, „Radiostücke“ und „Schiller ganz oder gar nicht“ sowie der Beteiligung an „Tannöd“ des DNT-Generationenclubs ein neuer großer Wurf, der hoch motivierten freien Weimarer Theatergruppe.

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