„Der feine Geist“: Tatort aus Weimar steht vor einer Zäsur

Weimar.  Zum bereits dritten Mal startet Das Erste, nach 2015 und 2019, mit einem „Tatort“ aus Weimar ins neue Jahr. „Der feine Geist“ kommt Neujahr ins Fernsehen. Danach ist erstmal lange Pause.

“Der feine Geist“ in Weimar: Kira Dorn (Nora Tschirner) befragt den Verdächtigen John Geist (Ronald Zehrfeld), der seltenen Papageien liebt.

“Der feine Geist“ in Weimar: Kira Dorn (Nora Tschirner) befragt den Verdächtigen John Geist (Ronald Zehrfeld), der seltenen Papageien liebt.

Foto: Steffen Junghans / MDR

Nora Tschirner (alias Kira Dorn) trägt in einer Einstellung gleich zu Beginn eine fachmännische Schutzmaske vor Mund und Nase, Christian Ulmen (alias Lessing) liegt im weiteren Verlauf im Isolierzimmer einer Klinik. Und beides hat so gar nichts mit der Corona-Pandemie zu tun.

Gerade noch rechtzeitig hatte man diesen elften „Tatort“-Fall in Weimar , für den seit Mitte Februar gedreht worden war, beenden können. Gleichsam mit der Schlussklappe fiel im März das Land in den Frühlingsschlaf eines ersten, teilweise vollständigen, „Lockdowns“.

Keine Dreharbeiten im kommenden Jahr

Nun kommt „Der feine Geist“, so heißt der Film, über uns: Zum dritten Mal schickt uns Das Erste, nach 2015 und 2019 mit Dorn und Lessing ins neue Jahr. Es geht am 1. Januar, so viel sei verraten, wiederholt auch um Leben und Tod für das Kommissarpaar selbst. Und doch ist mal wieder alles ganz anders.

Die seit 2013 in Weimar etablierte Krimigroteske mit lässigen Sprüchen wie aus dem Handgelenk geschossen klingt hier noch einigermaßen an, bevor der Film nach zwei Dritteln ungefähr eine Zäsur erfährt. Sie wird nachhallen, und zwar weit über dieses Ende hinaus.

Der Weimarer „Tatort“ geht nach dem kommenden Neujahrsabend mindestens in eine längere Pause.

Zuletzt hatte der MDR als verantwortlicher Sender immer schon einen weiteren Fall im Kasten, wenn jener zuvor ausgestrahlt wurde. Für dieses Jahr hingegen waren, dem Sender zufolge, ganz unabhängig von den Corona-Umständen, ohnehin keine weiteren Dreharbeiten vorgesehen gewesen.

Und auch 2021 wird es demnach nichts Neues geben. Der Weimar-Tatort „pausiert in der Herstellung wegen Corona-bedingter Drehverschiebungen“, heißt es beim MDR, derweil der Sener in Dresden zwei weitere Fälle produzieren lässt.

„Der feine Geist“ kündigt diese Zäsur zunächst subtil und später in einer heftigen Wendung an. Jedenfalls scheint schon einmal Kripo-Chef Kurt Stich (Thorsten Merten) seinen Abschied zu nehmen. Ausgerechnet dieser digitale Analphabet, der abgeheftete Ausdrucke im Regal meint, wenn er von seinem E-Mail-Ordner spricht, soll die Cyber-Force der Thüringer Polizei aufbauen.

John Geist von der Security hier und Feingeist Lessing dort

Der Titel des Krimis, „Der feine Geist“ von Autor Murmel Clausen und Regisseurin Mira Thiel, hat in schöner Weimar-Tradition mindestens einen doppelten Boden. Er verweist einmal mehr auf einen unter den dringend Tatverdächtigen: John Geist (Ronald Zehrfeld), Gründer und Spiritus Rector einer sehr familiär betriebenen Sicherheitsfirma, die ehemalige Straftäter beschäftigt. Sein Geschäftsführer stirbt, als der aushilfsweise den Geldboten für eine Juwelierin spielt. Kopfschuss aus nächster Nähe. Es wird nicht bei diesem einen bleiben.

Der Täter erbeutet ein paar Scheine, weshalb Stich zunächst an Raubmord und Beschaffungskriminalität glaubt. Kira Dorn hält das für eine Finte und vermutete ganz andere Hintergründe.

Die muss sie meist alleine zu erhellen versuchen, weil Lessing in Weimars Parkhöhle eine Kugel abbekommt, als beide den Täter dort hinein verfolgen und verlieren. Da auch Lessing ein feiner Geist ist, also ein Feingeist, kommt er im Folgenden trotzdem vor.

„Der feine Geist“ gibt ein Rätsel auf

Außerdem geht es um seltene exotische Vögel – Papageien und Kakadus –, um Traumata nach einem ungünstig verlaufenen Konzertereignis und um Anwesende in Abwesenheit. So taucht erstmals „der Zwerg“ so richtig auf: das Söhnchen von Dorn und Lessing, das jetzt in einem Alter ist, wo es halbwegs flüssig sprechen kann und dies dann ebenso altersgemäß auch mit einem imaginären Freund tut.

„Der feine Geist“ führt uns auf falsche Fährten, versteckt hinter jeder Antwort neue Fragen und gibt uns noch am Ende ein Rätsel auf: wann und wie das wohl alles weitergeht.

Das könnte Sie auch interessieren:

„Der feine Geist“, Freitag, 1. Januar 2021, 20.15 Uhr, Das Erste