Die Klänge der Witzmannorgel gibt es jetzt auch auf CD

Auf der restaurierten Witzmannorgel ist jetzt eine doppelt bemerkenswerte CD eingespielt worden.

Foto: zgt

Oßmannstedt. Freitag wurde er offiziell vorgestellt. Herausgegeben in Zusammenarbeit mit der Evangelischen Kirchgemeinde Oßmannstedt, führt der von Harms Achtergarde (Real Music Solutions Weimar) produzierte Tonträger nicht nur den Klangreichtum der restaurierten Witzmann-Orgel vor Ohren. Vielmehr macht die CD bekannt mit der "Oßmannstedter Orgelhandschrift". Diese war, erinnert Pfarrer Johannes Sparsbrod, bei Aufräumarbeiten vor der Orgelrestaurierung in der Kirche gefunden worden.

Die handschriftliche Zusammenstellung verschiedener Orgelwerke aus dem 19. Jahrhundert legt Zeugnis ab von jenen Werken, die einst auf der 1810 geweihten Orgel gespielt wurden. Teilweise sind handschriftliche Einträge, wie Fingersätze erhalten, eine Jahreszahl verweist auf 1850.

Selbst für den erfahrenen Professor Michael Kapsner von der Musikhochschule Weimar war es eine dankbare Herausforderung, 25 der 80 Werke für die CD einzuspielen. Die Auswahl erfolgte subjektiv: Werke von Johann Christian Kittel, einem der bedeutendsten Organisten in der zweiten Hälfte des 18. Jahrhunderts, von Kittels Schüler Rink, der später durch die Veröffentlichung seiner "Praktischen Orgelschule" berühmt wurde, von Michael Gotthard Fischer, einem weiteren Schüler Kittels, von Johann Gottlob Töpfer. "Kurze, aber sehr hochwertige Stücke", die durch ihre "handwerkliche Kompetenz" bestechen und spieltechnisch anspruchsvoll seien. "Das Zeug ist besser als sein Ruf", bekennt der Orgelexperte. Nicht verzichten müssen auch Liebhaber von Bach und Händel.

Für die musikwissenschaftliche Forschung ist die Orgelhandschrift insofern von hohem Wert, ergänzt Kapsner, weil sie neuerlicher Beweis dafür ist, dass sich in Thüringen nach Bach und vor Mendelssohn in der Orgelliteratur eine erstaunliche kompositorische Kontinuität bewahrt hat.

Aufgenommen wurde die CD Ende September. Dabei stellte vor allem die sehr starke Dynamik der Orgel Tonmeister Harms Achtergarde vor eine Herausforderung. "Sie würde die Mauern der Kirche am liebsten um einen Meter nach außen drücken", schmunzelt Achtergarde rückblickend. "Wir wollten das Beste, und wir haben das Beste", unterstreicht Pfarrer Johannes Sparsbrod.