Erfurter Schüler wollen während Projekttagen „Jüdisches Leben erfahren“

Erfurt.  Mehr als 150 Veranstaltungen sollen im Themenjahr Vielfalt und den Reichtum jüdischen Lebens in der Vergangenheit und Gegenwart sichtbar machen.

Elisabeth Fuckel (l) von der Landesvereinigung Kulturelle Jugendbildung und Dolores Jannasch aus der Erfurter Gemeinschaftsschule „Steigerblick“ Erfurt stellten ein Modellprojekt vor.

Elisabeth Fuckel (l) von der Landesvereinigung Kulturelle Jugendbildung und Dolores Jannasch aus der Erfurter Gemeinschaftsschule „Steigerblick“ Erfurt stellten ein Modellprojekt vor.

Foto: Elena Rauch

Nächstens, erzählt Dolores Jannasch, planen sie an ihrer Schule eine koschere Kochshow. Sie haben den Gedenkort „Topf & Söhne“ besucht, die Frage geklärt, warum der Bagel in der Mitte ein Loch hat, eine Schülergruppe will sich mit jüdischem Gangsta-Rap befassen.

„Jüdisches Leben erfahren“ – so sind die Projekttage an der Erfurter Gemeinschaftsschule „Steigerblick“ betitelt, die Inhalte von den Schülern selbst gewählt und sie werden zum Hören oder Anschauen auf einer Internetplattform hinterlegt. Derzeit noch ein Modellprojekt, getragen von der Landesvereinigung Kulturelle Jugendbildung Thüringen, soll es in die Fläche gehen.

Es ist eines der mehr als 150 Veranstaltungen des Themenjahres, das ab 1. Oktober 900 Jahre jüdisches Leben in Thüringen in den Blick nehmen will. Und es erzählt schon einiges über seine Intention: Es geht um die Sichtbarmachtung von Reichtum und Vielfalt. Dessen, was aus verwehten Jahrhunderten davon zeugt, was einmal Teil unseres Lebens war und damit unserer Wurzeln, was vernichtet oder verschüttet wurde. Und lebendiges jüdisches Leben heute, das Teil unseres Alltags ist, auch wenn viele darüber nur wenig wissen.

Denn, ohne die Tragödie der Shoa ausblenden zu können, jüdische Geschichte darf nicht nur gebrochen durch den Holocaust betrachtet werden. Ein Aspekt, den Ministerpräsident Bodo Ramelow (Linke) und der Vorsitzende der Jüdischen Landesgemeinde Reinhard Schramm bei der gestrigen Programmvorstellung betonten.

Zerstörte Erfurter Synagoge wird virtuell auferstehen

Die Veranstaltungen sind so vielschichtig wie das Thema. Neben den etablierten drei Festivals wie den jüdisch-israelischen Kulturtage, der Achava-Festspiele und dem Yiddish Summer Weimar mit seinen Inhalten wird Neues entstehen. Die Universität Jena zum Beispiel entwickelt ein interaktives Portal „Menora“, das jüdisches Leben abbilden will. Auch das Verlorene: Die Große Synagoge in Erfurt, die im November 1938 zerstört wurde, wird zumindest virtuell wieder auferstehen.

Ein Schwerpunkt des Jahres, der mit einiger Hoffnung verbunden ist, wird die Bewerbung der Stadt Erfurt mit ihrem mittelalterlichen jüdischen Erbe um den Welterbetitel sein. Bleiben wird auch die neue Thorarolle, deren Niederschrift vor einem Jahr begonnen wurde und die die Kirchen des Landes der Jüdischen Landesgemeinde übergeben werden. Dazu Ausstellungen, Führungen, Konzerte, Begegnungen, Diskussionsrunden, deren Planungen längt nicht alle abgeschlossen sind, weil sich immer noch mehr Akteure finden.