„Clarinet & Friends“ in Mühlhausen: „Gegengewicht zu den Abstandsgeboten“

Mühlhausen.  Mit vier Monaten Verspätung findet „Clarinet & Friends“ in dieser Woche zum sechsten Mal statt: mit Konzerten, Workshops und Begegnungen.

Der Klarinettist und Komponist Helmut Eisel ist seit 2015 künstlerischer Leiter des Festivals "Clarinet & Friends" in Mühlhausen.

Der Klarinettist und Komponist Helmut Eisel ist seit 2015 künstlerischer Leiter des Festivals "Clarinet & Friends" in Mühlhausen.

Foto: Maik Schuck

Das Faltblatt fürs Programm von „Clarinet & Friends“ war schon mal fertig. Die sechste Ausgabe dieses „Festivals im Dialog“, so der Untertitel, hätte im Juni stattfinden sollen. Doch dann ging erst einmal gar nichts mehr. Die Pandemielage ließ zunächst nicht viel mehr zu als ein ins Internet live übertragenes Konzert aus der Rathaushalle; schließlich konnte der Klarinettist und Festivalleiter Helmut Eisel aus Saarbrücken dieses Hors-d’œuvre dann aber doch auch für immerhin zweimal 32 Zuhörern vor Ort anbieten. Zusammen mit Pianist Sebastian Voltz spielte er „Grooving Klezmer“. Alle aktuellen Infos im kostenfreien Corona-Liveblog.

Das sollte Appetit machen, in der Gewissheit, dass da noch was kommen würde. Für die Stadt Mühlhausen als Veranstalterin wäre eine komplette Absage des Festivals für 2020 „sicher die Lösung“ gewesen, „die am wenigsten Arbeit verursacht hätte“, schreibt Eisel jetzt seinem Publikum. Umso dankbarer zeigt er sich, dass dergleichen „niemals zur Debatte stand.“ Ende April entschied man nur, das Programm in den Oktober zu verschieben.

In dieser Woche ist es nun soweit. „Clarinet & Friends“ treffen sich ab Donnerstag bei insgesamt vier Konzerten, in ebenso vielen Workshops und in einem Rahmenprogramm, das unter anderem ein offenes Singen auf dem Obermarkt, Führungen, eine musikalische Fahrt in der Gecko-Bimmelbahn durch die Altstadt und eine Andacht umfasst.

Ein wichtiger Punkt im Jahresprogramm Mühlhausens

„Es ist gut, wieder anfangen zu können“, sagt die in Weimar lebende Musikdramaturgin Kerstin Klaholz, die das Festival mit Eisel gleichsam „im Zwei-Personen-Betrieb“ organisiert. Sie habe das Gefühl, dass es der Stadt inzwischen ein wichtiger Punkt im Jahresprogramm geworden ist. Auch private Geldgeber bleiben bei der Stange.

Im Moment geht es wohl vor allem darum, mit der Musik „eine positive Stimmung nach außen zu tragen“, glaubt Klaholz. Und Eisel begreift sie gar als „Gegengewicht zu den Abstandsgeboten. Denn mit Musik können wir aus jeder Entfernung sagen: Ich schätze dich und ich bin froh, dass du da bist.“

Kommunikation ist ohnehin das Kernthema des Festivals: die zwischen Musikern auf der Bühne und die mit dem Publikum. Das Programm setzt auf stilistische Vielfalt nicht nur in der Gesamtschau, sondern in jedem einzelnen Konzert. Helmut Eisel selbst steht ja schon dafür, Klezmer, Klassik und Jazz zu verbinden. Er trifft im Eröffnungskonzert „Klezmer im Elfenpalast“ am Donnerstag auf die Harfenistin Birke Falkenroth aus Karlsruhe.

Im Juni hätten tags darauf die Schlagwerker der Weimarer Staatskapelle einen „Anschlag“ verübt, mit einem Konzert ihrer Kammermusikreihe für Zeitgenössisches. Jetzt aber sind sie nicht verfügbar und werden deshalb am Freitag durch das Kozmar Orkestar aus Bielefeld, Hannover, Köln vertreten. Das sechsköpfige Ensemble mischt im „Gra-Spiel“ Klezmer-, Balkan- und Roma-Klänge.

Brücken zwischen Konzertpublikum und Bühnenkünstlern

Mit dem Trio „Wildes Holz“ (Blockflöte, Gitarre, Kontrabass) aus dem Ruhrgebiet kehrt am Samstag (20 Uhr) erstmals ein Ensemble zum Mühlhäuser Festival zurück. Im neuen Programm „Höhen und Tiefen“ sind die Wege vom Klassischen zur Popmusik kurz und die Blockflöte ersetzt „problemlos sowohl eine E-Gitarre als auch eine Rock-Röhre.“ Ein zeitweise für 17.30 Uhr geplantes Zusatzkonzert sagte die Stadt indes jetzt „aus organisatorischen Gründen“ ab.

Im Finale „Get together, play together“ treffen am Sonntag Helmut Eisel, Workshopteilnehmer und regionale Formationen aufeinander.

Das alles ereignet sich, anders als üblich und auch im aktuellen Programm noch ausgewiesen, nicht an verschiedenen Orten. Weil unter derzeitigen Bedingungen zum Beispiel nur 34 Zuhörer im Rathaussaal oder 64 in der Kornmarktkirche zulässig wären, öffnet die Stadt dem Festival die „Kulturstätte Schwanenteich“ für alle Konzerte und Workshops. Hier ist angesichts von Abstandsregeln noch für 100 Menschen im Publikum Platz.

Zu Brücken zwischen Konzertpublikum und Bühnenkünstlern erklärt das Festival die zweistündigen Workshops. Die Gastkünstler geben sie für Profis und Amateure ebenso wie für alle Instrumente, die dann am Abend für ein, zwei Stücke Teil des Konzertes werden. Drei Plätze dafür sind noch zu haben.

Eröffnungskonzert „Klezmer im Elfenpalast“: 8. Oktober, 20 Uhr, Kulturstätte Schwanenteich. Karten gibt es unter 03601 / 40 47 70. Workshop-Anmeldung unter info@clarinet-and-friends.de