Film über das Leben polnischer Einwanderer im Durchgangslager Friedland

Friedland (Landkreis Göttingen). Einwanderung ist ein Thema, das die Bevölkerung nach wie vor sehr beschäftigt. Im Grenzdurchgangslager Friedland wurde jetzt ein Dokumentarfilm gezeigt, der das Leben polnischer Einwanderer in Deutschland darstellt.

Regisseurin Sabina Kaluza und Zeitzeuge Artur Silberner waren Gäste bei der Filmvorführung in Friedland. Der Dokumentarfilm zeigte das Leben polnischer Einwanderer. Foto: Vera Wölk

Regisseurin Sabina Kaluza und Zeitzeuge Artur Silberner waren Gäste bei der Filmvorführung in Friedland. Der Dokumentarfilm zeigte das Leben polnischer Einwanderer. Foto: Vera Wölk

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Die Präsentation des Films "Der erste Tag - von Polen nach Deutschland" erfolgte im Zusammenhang mit dem im Aufbau befindlichen Museum Friedland. Verantwortlich für die Vorführung im Grenzdurchgangslager war neben dem Team des Museums Friedland die niedersächsische Landesbeauftragte für Migration und Teilhabe Doris Schröder-Köpf (SPD). Unter den zahlreichen Gästen befand sich auch Gerold Wucherpfennig (CDU).

"Mit dem Aufbau des zeitgeschichtlichen Museums Friedland soll auch die historische Bedeutung des Ortes gewürdigt werden", erklärte Schröder-Köpf in ihrem Grußwort. Insbesondere sei das Grenzdurchgangslager immer ein Symbol für einen Neuanfang und eine bessere Zukunft gewesen. "Daher ist die Bedeutung des Museumsprojektes auch über die Grenzen Niedersachsens hinaus von großer Bedeutung", so Schröder-Köpf weiter.

Im Dokumentarfilm der beiden Regisseurinnen Christine Jezior und Sabina Kaluza, die auch nach Friedland gekommen waren, kommen Menschen zu Wort, die sich an ihre erste Zeit in Deutschland zurückerinnern. Eindrücklich beschreiben die Protagonisten ihren Weg vom Polen der 80iger Jahre nach Deutschland. Immer wieder sind auch die damit verbundenen Ängste und die Schwierigkeiten, sich anfangs in einem fremden Land zurechtzufinden, zu hören. Doch waren sich die Zeitzeugen im Film am Ende, mit einer Ausnahme, einig, dass es trotz aller damit verbundenen Schwierigkeiten die richtige Entscheidung war, das Heimatland zu verlassen und in Deutschland einen Neubeginn zu wagen.

Für Artur Silberner, der ebenfalls über Friedland eingereist war und im Film zu Wort kommt, war es ein besonderer Moment, nach mehr als vier Jahrzehnten erneut in Friedland zu sein. Die beiden Regisseurinnen beschreiben unabhängig voneinander ihre ersten Tage in Friedland als schwierig. "Die Leute hier waren zwar absolut nett und die Hoffnung unser großer Begleiter, und doch waren auch viele Ängste dabei, ob alles gut werden würde", erinnerte sich Jezior zurück.

Bei den Zuschauern kam der Film gut an. "Die Menschen in dem Film verdeutlichen in eindrucksvoller Weise, wie schwierig es ist, seine Heimat zu verlassen und sich in der Fremde neu aufzustellen. Heimatliche Wurzeln sind nur schwer zu ersetzen und neue Wurzeln in fremder Erde zu verankern, braucht Zeit", fand Friedlands Bürgermeister Andreas Friedrichs (SPD).

Wichtig sei auch, dass junge Menschen die Chance bekämen, andere Kulturen besser kennenzulernen, um sich eine eigene Meinung bilden zu können. "Er ist ein hervorragender Beitrag zur aktuellen Migrationsdebatte. Und zeigt auch, welch großer Schritt es ist, seine eigene Heimat zu verlassen", meinte Gerold Wucherpfennig. Denn aufgrund des Fachkräftemangels werde das Thema Zuwanderung in den kommenden Jahren weiter an Bedeutung gewinnen. Und auch das Museum, das 2017 fertig werden soll, sieht er als positiv für die Region an.

"Gerade dadurch, dass auch andere Gedenkstätten Interesse an einer Zusammenarbeit haben, ist dies eine gute Möglichkeit Touristen länger in der Region zu halten und sie sich intensiv mit der Geschichte beschäftigen können", so Wucherpfennig. Zudem sei dies auch für Schulklassen eine hervorragende Lehrmöglichkeit, da man Dinge, die man gesehen hat, besser behält als die, die man aus Büchern gelernt hat.

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