Kein Tiefendepot vor dem Schloss in Weimar

Weimar.  Die Klassik-Stiftung Weimar arbeitet an einer neuen Lösung für die berühmten Graphischen Sammlungen.

Auch rund 200 Radierungen Rembrandts zählen zu den insgesamt 200.000 Blatt der Graphischen Sammlungen bei der Klassik-Stiftung. Eine Auswahl von 70 besonders hochkarätigen dieser Radierungen wurde zuletzt 2011 in Weimar gezeigt, in einer Ausstellung im Schiller-Museum.

Auch rund 200 Radierungen Rembrandts zählen zu den insgesamt 200.000 Blatt der Graphischen Sammlungen bei der Klassik-Stiftung. Eine Auswahl von 70 besonders hochkarätigen dieser Radierungen wurde zuletzt 2011 in Weimar gezeigt, in einer Ausstellung im Schiller-Museum.

Foto: Marco Kneise

Ihren Plan, für die Graphischen Sammlungen ein Tiefendepot vor Weimars Stadtschloss zu bauen, hat die Klassik-Stiftung nach Jahren der Vorbereitung aufgegeben. Das erklärte die Präsidentin, Ulrike Lorenz, unserer Zeitung.

Dafür gab’s demnach mehrere Gründe. So habe sich im fortschreitenden Planungsprozesses gezeigt, dass sich die Nutzfläche immer weiter verringert hätte. Und es gab „zunehmend Zweifel an der bauphysikalischen Sinnfälligkeit“ des Projektes. Gleichwohl verfolge die Stiftung den Kerngedanken, der einst zum Tiefendepot führte, weiter; er werde aber nun „innerhalb bestehender Liegenschaften“ neu gedacht. Lorenz spricht von einem adaptierten integrierten Konzept.

Demnach soll es im Schloss, das derzeit saniert und zum Stiftungszentrum umgebaut wird, ein graphisches Kabinett geben, das „mehrere repräsentative Räume“ umfasst. Angeschlossen würden Arbeitsplätze für die Kustoden. In der historischen Anna-Amalia-Bibliothek werde ein Studiensaal der Graphischen Sammlungen eingerichtet, als Repräsentanz für die Forschung. Und man nutze dauerhaft das nahe Tiefenmagazin der Bibliothek, wo bereits Teile der Sammlungen liegen, seit das Schloss Baustelle ist.

Lorenz spricht von einer Synergie hochwertiger Sammlungen, da ja auch die Bibliothek selbst gebundene Graphik besitzt. Neben diesem Standort „am und im Schloss“ werde es für die Graphischen Sammlungen einen zweiten geben: im zentralen Museumsdepot im Norden der Stadt, das zum Restaurierungszentrum der Museen erklärt wird; derzeit sind einige Restauratoren noch im Schloss untergebracht.

Graphische Sammlungen umfassen mehr als 200.000 Blatt aus sieben Jahrhunderten

Mehr als acht Millionen Euro sollte der Umzug der Graphischen Sammlungen ins Schloss beziehungsweise in dessen Tiefendepot kosten. Der Bund stellte dafür Mittel aus dem Hochwasserschutzprogramm bereit. Mit diesem Geld könne man im Moment zwar nicht mehr planen, so Lorenz. Man ziele aber darauf ab, dass es, in Verhandlungen mit dem Finanzministerium, umgewidmet werden könne.

Die Graphischen Sammlungen, aktuell auf fünf Depots verteilt, umfassen insgesamt mehr als 200.000 Blatt aus sieben Jahrhunderten. Darunter befinden sich Werksammlungen von Rembrandt, Cranach, Dürer und Feininger sowie Werke unter anderem von da Vinci, Raffael, Rubens, van Dyck oder Rodin.

Im Zuge der Neuplanung dafür arbeitet die Stiftung an einer Gesamtplanung für alle Depots, um sie dem Stiftungsrat 2021 vorzulegen. Dafür wurde ein Mitarbeiter eingestellt, der alle Bedarfe ermittelt.

Jüngst fragte auch die FDP-Bundestagsfraktion bei Kulturstaatsministerin Monika Grütters (CDU) nach der Depotsituation der Klassik-Stiftung, nachdem ihr Kulturpolitiker Hartmut Ebbing diese im August besuchte. Grütters antwortete nach Zuarbeit aus Weimar.

Stiftung will sämtliche Außendepots der Museen mittelfristig auflösen

So gab es einerseits ja drei Modernisierungen, Erweiterungen beziehungsweise Neubauten: das 2005 eröffnete Tiefenmagazin nebst Studienzentrum der Bibliothek, das erweitere Goethe und Schiller-Archiv 2012 sowie das zentrale Museumsdepot 2014/15. „Das sind Quantensprünge gewesen, sagt Ulrike Lorenz. „Gleichwohl bleiben immer Bedarfe“, – zumal sich internationale Ansprüche zugespitzt hätten.

Das neue Kompaktdepot der Amalia-Bibliothek war mal für zehn Jahre Wachstum ausgelegt worden. Nun reicht es bis 2022, dann sind Erweiterungsflächen nötig. Die Rede ist von 5000 Regalmetern mehr, auch wenn immer makuliert, sogenannte Gebrauchsliteratur also regelmäßig ausgemistet wird. Zugleich kommen ständig aber aus der Restaurierungswerkstatt Weimar-Legefeld Unikate ins Magazin zurück (50.000 Blatt pro Jahr), die dort nach dem Bibliotheksbrand 2004 behandelt werden. Derzeit sucht man also ein Ausweichmagazin unter anderem für einen Zeitschriftenbestand, der konservatorisch nicht so hochanfällig ist.

Bei den Museen geht es um einen Mehrbedarf von noch 4000 Quadratmetern, wenn das jahrelang vorbereitete „Entsammlungskonzept“ beschlossen und umgesetzt ist. Man trenne sich von bestimmten Beständen „aus sehr, sehr guten Gründen“, so Lorenz, meistens von Möbeln, „die naturgemäß viel Platz wegnehmen.“ Zugleich strebe man an, sämtliche Außendepots der Museen aufzulösen. Im neuen Zentraldepot waren damals nicht alle Bestände untergekommen.

Die Umsetzung all dessen will die Stiftung laut Lorenz aus ihrem laufenden Investitionsbudget bezahlen. Ein Sonderinvestitionsprogramm sei wohl eher nicht nötig.