Kneipenprojekt mit DDR-Flair wird erstes Stück der Jenaer Theaterhaus-Saison

Jena.  Das Theaterhaus Jena bietet in der ersten Spielzeithälfte fünf spannende Inszenierungsprojekte und ein Wiedersehen mit Sandra Hüller.

Lizzy Timmers entwickelt mit gemeinsam mit Charlotte Puder den Roman "Stadt der Engel" von Christa Wolf als intimes Kammerspiel. Coronaregeln werden dabei eingehalten.  

Lizzy Timmers entwickelt mit gemeinsam mit Charlotte Puder den Roman "Stadt der Engel" von Christa Wolf als intimes Kammerspiel. Coronaregeln werden dabei eingehalten.  

Foto: Theaterhaus Jena

Die Jenaer Kneipe „Zur Wartburg“ war bis 2019 ein Relikt aus vergangener Zeit, eine Zeitkapsel, die Interieur und Stimmung aus DDR-Zeiten konserviert hatte. Dieser eigenwilligen Institution des Damenviertels widmet das Jenaer Theaterhaus das erste Stück der neuen Saison.

Bei der Spielzeitpressekonferenz am Donnerstag präsentierte die Crew erst einmal nur das Programm bis Januar. Insgesamt sind fünf Neuproduktionen geplant: besagtes Kneipenprojekt, die Romanadaption „Stadt der Engel“, ein Kinderstück zur Weihnachtsmärchen-Zeit, ein Comedy-Abend sowie eine Musiktheater-Produktion mit der Jenaer Philharmonie.

Für das „Wartburg“-Projekt haben die Theatermacher die originale Kneipeneinrichtung übernommen und ließen sich von ehemaligen Stammkunden Geschichten und Anekdoten erzählen. Premiere ist zum Spielzeitauftakt am Donnerstag, 15. Oktober.

Schriftstellerin setzt sich mit ihrer Stasi-Vergangenheit auseinander

Zwei Wochen später bringt Lizzy Timmers Christa Wolfs „Stadt der Engel oder The Overcoat of Dr. Freud“ auf die Bühne. In diesem autobiografischen Roman setzte sich die ostdeutsche Schriftstellerin mit ihrer Stasi-Vergangenheit auseinander. Die wurde bekannt, als sie sich in den 90er-Jahren vorübergehend in den USA aufhielt. Christa Wolf habe nicht nur eine dicke Opferakte, sondern auch eine dünne Täterakte besessen, sagt Regisseurin Timmers. Allerdings sei sie nie IM gewesen. Bei der Stasi-Zusammenarbeit habe es sich um drei Treffen vor dem Mauerbau gehandelt, durch die niemand zu Schaden gekommen sei. Trotz alledem fragt sich die Autorin, wie sie das alles habe vergessen können und ob sie Schuld auf sich geladen habe. Lizzy Timmers entwickelt „Stadt der Engel“ mit Gastschauspielerin Charlotte Puder als Ein-Personen-Stück im Kassablanca.

Ende November folgt das Kinderstück „Der Mann, der alles weiß“ von Jetse Batelaan. Das Stück ab vier Jahren setze auf Rebellion und Widerspruchsgeist des jungen Publikums gegen die Theaterregeln, verrät der künstlerische Leiter des Theaterhauses, Walter Bart. Denn der Alleswisser mache viele Fehler, könne beispielsweise nicht richtig zählen. Mona Vojacek Koper hat bereits mit ihrem Oktoberfest-Stück „Sorry not Sorry“ Stand-Up-Comedy-Talent bewiesen. Im Dezember soll mit „All By My Selfie“ ein weiterer Soloabend folgen. In dieser Tour de Force unternimmt die 27-Jährige eine Bestandsaufnahme ihres ersten Lebensdrittels. Sie verknüpft dabei Familiengeschichten mit einer Selbstbefragung.

Sandra Hüller gastiert mit Wolfgang-Herrndorf-Adaption in Jena

Ende Januar erzählt die Produktion „Musik – Etappen einer Skandalgeschichte“ die Historie der Musik des 20. Jahrhunderts anhand ihrer Paradigmenwechsel, Aufreger und Eklats. In dieser Kooperation mit der Jenaer Philharmonie erklingen Werke von Mahler bis John Cage und Björk. Regie führt erneut Lizzy Timmers, die sich als großer Fan von Generalmusikdirektor Simon Gaudenz outete.

Darüber hinaus kehrt vom 27. bis 29. Oktober „eine verlorene Tochter zurück“, kündigt Dramaturg Thorben Meißner an. Die vierfache Schauspielerin des Jahres, Sandra Hüller, einst Ensemblemitglied des Theaterhauses, gastiert mit der Wolfgang-Herrndorf-Adaption „Bilder deiner großen Liebe“.

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