Podiumsdiskussion am 10. Januar 2019 im Lindenau-Museum

Altenburg  Podiumsdiskussion am 10. Januar im Lindenau-Museum

Joseph Beuys: Demokratie ist lustig. Detail (1973), Offsetdruck, 10,5 x 14,8 cm

Joseph Beuys: Demokratie ist lustig. Detail (1973), Offsetdruck, 10,5 x 14,8 cm

Foto: Lindenau-Museum

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Das Erstarken der Autokraten, die Furcht vor dem Fremden, der Klimawandel, ein entfesselter Kapitalismus: Als apokalyptische Reiter stürmen die globalen Krisen nach dem „Ende der Geschichte“ das 21. Jahrhundert. Welche Kraft hat die Kunst, Visionen für eine bessere Zukunft zu entwerfen?

Mit der Podiumsdiskussion am Lindenau-Museum Altenburg laden die Veranstalter anlässlich der Ausstellung „Die einzig revolutionäre Kraft. Kunst und Revolution 1918/1968“ dazu ein, einmal grundsätzlich über das Verhältnis von Kunst und Gesellschaft nachzudenken. Steht die Kunst heute wieder wie vor der Französischen Revolution vor allem für Repräsentation, Glanz und Vergnügen und ist nur Sache der Gutsituierten und der Bildungsbürger? Oder ist Kunst mehr als nur eine sichere Kapitalanlage?

Als Mitarbeiter eines Kunstmuseums erlebt man oft, dass Kunst mehr sein kann – viel, viel mehr. Sie öffnet neue Perspektiven, stellt Gewissheiten vom Kopf auf die Füße und entwickelt Visionen in einer immer unübersichtlicher werdenden Welt. Sie stellen sich die Frage, was die alte, neue und zeitgenössische Kunst in ihren Sammlungen mit den großen Fragen der Gegenwart zu tun hat und was das Lindenau-Museum als kultureller Akteur zur Gestaltung einer lebenswerten Zukunft auf lokaler und globaler Ebene beitragen kann.

Die Diskussion wird sich grob aus zwei Blöcken zusammensetzen: Vier Kunstwerke, die sich mit der Flüchtlingskrise befassen, führen sehr kurz anhand von Bildmaterial in die aktuelle Debatte ein (Christoph Schlingensief, Julian Röder, Zentrum für Politische Schönheit, Margret Hoppe). Die letztgenannte Künstlerin ist anwesend und öffnet das Gespräch über zeitgenössische Kunst und den Umgang mit drängenden politischen Themen.

Gibt es so etwas wie ein utopisches oder visionäres Potenzial von Kunst, eine „Ästhetik des Widerstandes“, von der ­Peter Weiss sprach? Und ­welche Anregungen können junge Künstler heute von den revolutionären Künstlern der Zeit um 1918 und 1968 erhalten, von Bauhaus und Dada, von Beuys und A. R. Penck? Und gibt es überhaupt Anlass zu einem künstlerischen Widerstand in der „schönen neuen Welt“? Anschließend wird die Frage nach den Möglichkeiten des ­Kunstmuseums als Ort des Diskurses ins Zentrum gerückt. Mit welchen künstlerischen Strategien, mit welchen Ausstellungsideen kann auf Rechtspopulismus, Neoliberalismus und Politikverdrossenheit reagiert werden?

Es diskutieren Benjamin-Immanuel Hoff (Thüringer Minister für Kultur, Bundes- und Europaangelegenheiten und Chef der Staatskanzlei, Die Linke), Margret Hoppe (Künstlerin), Verena Krieger (Kunsthistorikerin, Friedrich-Schiller-Universität Jena), Stephan Lessenich (Soziologe, Ludwig-Maximilians-Universität München), Ingo Schulze (Schriftsteller).

Die Moderation übernimmt Arnold Bartetzky (Kunsthistoriker am Leibniz-Institut für Geschichte und Kultur des östlichen Europa Leipzig und freier Journalist)

Die Ausstellung, die noch bis zum 13. Januar zu sehen sein wird, widmet sich dem 100- und 50-jährigen Jubiläum zweier bedeutsamer Daten: 1918 schlossen sich viele Künstler, die traumatisiert aus dem Ersten Weltkrieg zurückkehrten, zu revolutionären Vereinigungen zusammen. Sie wollten mit künstlerischen Mitteln die Vision einer neuen Gesellschaft realisieren – jenseits von Militarismus, Nationalismus und Kapitalismus. Im Jahr 1968 kulminierten weltweit Proteste gegen den Vietnamkrieg, die Elterngeneration, Repression und Denkschranken. Die Möglichkeit einer besseren Welt schien erneut greifbar, wobei ein wichtiger Träger dieser Bewegung wiederum die Kunst war. Anlässlich dieses doppelten Jubiläums fragt die Ausstellung nach dem beiden historischen Ereignissen innewohnenden revolutionären Potenzial von Kunst und stellt sich die Frage, wo diese entscheidende Kraft der Kunst heute geblieben ist.

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