Kunstpause: Mein Leben im Polaranzug

Frank Quilitzsch freut sich über ein sehr praktisches Geschenk.

Frank Quilitzsch

Frank Quilitzsch

Foto: Andreas Wetzel

Das Fest ist vorbei, doch ich schwitze immer noch. War Weihnachten dieses Jahr zu hektisch? Im Gegenteil, es war ruhiger. Ist etwa die Stube überheizt? Nein, der Ofen ist noch kalt.

Vielleicht ist die Arbeit hitziger als sonst, wir produzieren ja immer noch Notausgaben. Als Kollegen helfen wir einander, doch unnötig ins Schwitzen bringen wir uns nicht. Trotzdem rinnt der Schweiß. Wenn es nach mir ginge, würde ich lieber im Freien meine Arbeit verrichten.

Leider frieren alle anderen um mich herum. "Bitte, mach Feuer!", fleht mich T. an. Unserer Studentin ist selbst im Sommer kalt. Ich beheize den Kaminofen. T. tritt dicht an die züngelnden Flammen und reibt sich die klammen Hände.

Ich rücke ab. "Leg noch ordentlich was auf", ruft K. aus der Küche. Ich schwitze wie verrückt. "Zieht euch doch eine Strickjacke über", sage ich und fange an, mich auszuziehen. Zuerst den Pullover. Dann das Hemd. Schließlich die Jeans.

"Alter", ruft T. und starrt mich an. "Das ist echt stylisch!" Sie meint die Funktionsunterwäsche. Mein schönstes Weihnachtsgeschenk. Sieht gut aus und sitzt wie angegossen. Und funktioniert auch prächtig.

Ich reiße zur Abkühlung die Balkontür auf. "Tür zu!" Sie frieren, und ich habe Hitzewallungen! Wofür wird so etwas eigentlich entwickelt? Für Polarexpeditionen oder Weltraumspaziergänge?

Ich könnte sie im Winter unter den Sachen auf dem Fahrrad tragen. Probehalber drehe ich eine Runde durch die Altstadt. Kalter Wind pfeift, doch ich heize mich nur noch mehr auf. Vielleicht, denke ich, wäre das ja die Lösung: Wenn alle diese Unterwäsche trügen, bräuchte niemand mehr zu heizen. Wir sparen Holz, Öl und Gas und spucken weniger Emissionen in die Luft.

Ein ganzes Volk in Funktionsunterwäsche! "Lass das Feuer nicht ausgehen", mahnt K., "sonst wird‘s ungemütlich." "Das ist", murmele ich, "nur eine Frage der Bekleidung."