Kunstpause: ...und pflanze einen Wald

Frank Quilitzsch weiß jetzt, wie er sein CO2-Konto entlasten kann.

Frank Quilitzsch

Frank Quilitzsch

Foto: Andreas Wetzel

Mein Sohn hat mir zu Weihnachten eine Patenschaft über zwölf Bäume geschenkt. Sie sollen bis zum Frühjahr gepflanzt werden. Leider nicht in Thüringen, sondern bei Heideland-Drößig.

Ich musste erst auf der Karte nachschauen: Die zu einem Verbund zusammengeschlossenen Gemeinden liegen im südlichsten Zipfel von Brandenburg, im Landkreis Elbe-Elster nahe der Sängerstadt Finsterwalde.

Dort leben etwas mehr als 700 Einwohner. Im Rahmen eines Aufforstungs- und Renaturisierungsprojekts entsteht im Umland ein Wald mit 30.000 jungen Bäumen: Stieleiche, Kiefer, Birke, Roterle und andere einheimische Gewächse. Zwölf davon werden meinen Namen tragen.

Ich frage mich, warum gerade zwölf. Mit diesem Baumpaket, lese ich auf meiner Pflanzurkunde, können zwölf Tonnen CO2 kompensiert werden, in etwa genauso viel, wie ich laut Statistik 2019 verursacht habe. Aber erst in 80 Jahren! Erst wenn alle meine Baumkinder dieses Alter erreichen, werde ich meine CO2-Bilanz eines einzigen Jahres neutralisiert haben.

Ich bin jetzt 63 und habe in meinem offenbar nicht ganz sauberen Leben bereits 756 Tonnen Kohlendioxid verursacht. Vermutlich noch mehr, da ich die Hälfte davon in der DDR verbracht habe und später viel in der Welt herumgeflogen bin.

Falls ich wie mein Großvater 80 Jahre alt werden sollte, wird meine Bilanz dann um die 960 Tonnen betragen. Ich müsste also 1000 Bäume pflanzen, um reinen Gewissens sterben zu können...

Zu Zeiten meiner Großeltern hieß es noch: Zeuge einen Sohn, baue ein Haus und pflanze einen Baum. Einen! Ich könnte sagen, dass ich meine Pflicht erfüllt habe, doch diese Rechnung wurde noch ohne den Klimawandel gemacht.