Laika – Vom Straßenhund zur Weltraumheldin

Jena/Wien.  Der Thüringer Filmemacher Levin Peter feiert mit seiner Kino-Dokumentation „Space Dogs“ international Erfolge. Am Mittwoch kommt er nach Jena.

Szene aus dem Film "Space Dogs".

Szene aus dem Film "Space Dogs".

Foto: RAUMZEITFILM

Die mehrfach ausgezeichnete Dokumentation „Space Dogs“ erzählt die Geschichte der Weltraumhündin Laika: von ihrer Herkunft als Straßenhündin bis zu ihrer tödlich endenden Mission als erstes Lebewesen im All. Der Legende nach kehrte sie als Geist zurück und streift seither durch Moskau. Der Jenaer Filmemacher Levin Peter (35) hat Laikas Nachfahren, die Straßenhunde von Moskau, über Monate begleitet und verwebt deren Leben mit bisher unveröffentlichten Filmaufnahmen aus der russischen Weltraumforschung. Am Mittwoch startet der Film in Jena mit einem Regie-Gespräch.

Herr Peter, Sie wurden mit Ihrem Film auf 60 Festivals eingeladen und haben diverse Preise eingeheimst. Wie entstand die Idee zum Film?

Laika ist ein extrem mystisches Tier, um das es eine große Legendenbildung gibt. Auch für meine Eltern in Jena war sie eine wichtige Figur der Kindheit. Aber eigentlich weiß kaum jemand was über das wirkliche Leben dieses Tieres. Beispielsweise, dass sie relativ schnell nach ihrem dem Start in der Rakete gestorben ist.

Warum haben die Russen damals eigentlich eine Straßenhündin ausgewählt und keinen reinrassigen Zuchthund?

Straßenhunde haben sich in den ersten Versuchen als viel resistenter erwiesen. Sie hatten mit Lautstärke nicht so ein Problem wie Zuchthunde, waren weniger wählerisch. Sie wurden ja auf den Flügen mit Futter versorgt – mit Gelee. Das ist für uns auch die spannende Tragik in diesem ganzen Mythos, dass sie gerade deshalb ausgewählt wurden.

Sie haben sich vor allem zwei Straßenhunde als Protagonisten herausgesucht. Wie sind Sie auf sie gekommen?

Wir haben ein richtiges Casting machen müssen. Meine Co-Regisseurin Elsa Kremser und ich sind getarnt als Wissenschaftler in den ersten Recherche-Wochen nach Moskau gefahren. Wir haben Kontakt zu Tierschützern und anderen Einheimischen aufgenommen und die Stadt abgesucht. Dabei sind wir sehr wilden Hunden begegnet, an die man gar nicht rankommt. Und es gibt Hunde, die total nah am Menschen leben. Uns hat die Mitte interessiert, Hunde, die ihr wildes Naturell behalten haben und sich trotzdem filmen lassen.

Haben Sie die Tiere mit Leckerlis bestochen?

Nein, wir hatten eine eiserne Regel: Nicht füttern! Wir wollten nicht, dass sie abhängig von uns sind. Wir waren mehr Gefährten.

Wie lange dauerten die Dreharbeiten?

13 Wochen waren wir mit fünf Mann vor Ort. Das ganze Projekt hat aber insgesamt vier Jahre gedauert.

Hatten Sie nie Angst, dass die Hunde am nächsten Tag nicht mehr da sein würden?

Ja, klar. Eine unserer größten Sorgen war, dass wir die Hunde verlieren oder sie eingefangen werden. Aber wir hatten Glück. Die Logistik war dabei gar nicht so aufwendig, weil diese Rudel sich überraschenderweise nicht in so großen Kreisen bewegen. Der Film ist auf etwa zwei Quadratkilometern entstanden. Wir haben immer nachts gedreht, weil die Hunde dann die Stadt für sich haben und viel aktiver sind.

Wie sind Sie an das Bildmaterial aus den Weltraumlabors gekommen?

Das war ein Thriller. Nach dem Zerfall der Sowjetunion waren die Archive auf unterschiedliche Staaten verteilt. Der Zugang ist für Westeuropäer ungleich schwerer, weil immer die Sorge da ist, dass man das Material missbraucht, es in einen politischen Kontext stellt. Und wenn wir Material gefunden hatten, war es obendrein viel zu kurz. Wir wussten aber, da schlummert irgendwo Material, das noch nie jemand gesehen hat. Schließlich sind wir in einem Raumfahrtinstitut fündig geworden, das sich um die medizinische Versorgung der Kosmonauten kümmert. Das hat mit den Hunden damals gearbeitet.

Können Sie Russisch?

Wir lernen jetzt im Nachhinein die Sprache erst richtig intensiv. Beim Dreh hatten wir einen sehr guten Assistenten. Er hat auch mit der Polizei verhandelt. Es gab leider sehr viele Kontrollen. Aber wenn der Regieassistent gesagt hat, wir seien im Geiste von Laika unterwegs, haben sie meistens schmunzeln müssen und uns weitermachen lassen.

Wie sind Sie eigentlich zum Film gekommen?

Es ging mit 12, 13 los. Die Videokamera wurde damals mein Begleiter. Meine Abi-Abschlussarbeit an der Jenaplan-Schule war auch ein Film, eine Zeitzeugen-Dokumentation über den Arbeiteraufstand vom 17. Juni. An diesem Punkt habe ich gemerkt, dass mir auch die Form wichtig wird.

Sie haben in Ludwigsburg Film studiert und leben heute in Wien. Am Mittwoch kommen Sie für ein Filmgespräch zurück nach Jena. Kommen Sie gern?

Ja, sehr gern. Wegen meiner Familie und den Erinnerungen an meine Anfänge, aber auch wegen der Jenaer Filmkultur – den zwei Arthouse-Kinos und den durchaus anspruchsvollen Kinogängern in Jena.

„Das schweigende Klassenzimmer“: Feinfühlig und unglaublich

Hilfe für Thüringer Kinos - Vielerorts Produktionen aus dem Freistaat

Filmgespräch: Mittwoch, 21. Oktober, 19 Uhr, Schillerhof Jena Weitere Vorstellungen: ab Freitag im Kino am Markt Jena