Lesung in Erfurt: „Ohne Ostquote ändert sich nichts“

Erfurt.  Jana Hensel fordert in Erfurt mehr Aufmerksamkeit für ostdeutsche Themen.

Jana Hensel bei einer Lesung in der Gedenkst- und Bildungsstätte Andreasstraße in Erfurt.

Jana Hensel bei einer Lesung in der Gedenkst- und Bildungsstätte Andreasstraße in Erfurt.

Foto: Kathrin Schwarz

Mit ihrem Buch „Zonenkinder“ hat sie Mitte der 1990er ihre eigene Generation der Wende literarisch porträtiert. Vor zwei Jahren sinnierte sie mit dem Soziologen Wolfgang Engler in „Wer wir sind“ über die zwiespältigen Erfahrungen von Ostdeutschen im vereinten Deutschland. Schon da beschrieb die in Leipzig geborene Schriftstellerin und „Zeit“-Autorin Jana Hensel (Jahrgang 1976, Foto) ein Gefühl von Fremdsein und Migration, das viele Menschen zwischen Elbe und Oder empfänden, ohne dafür die Heimat verlassen haben zu müssen. In Buchform erscheint dazu demnächst auch ihr Dialog mit der Migrationsforscherin Naika Foroutan über Stereotype gegenüber Muslimen und Ostdeutschen („Die Gesellschaft der Anderen“).

Bei einer Lesung in der Erfurter Gedenkstätte Andreasstraße verteidigte Hensel deshalb jetzt ihre Befürwortung einer Ostquote. Die Benachteiligung der Ostdeutschen sei im 30. Jahr der Deutschen Einheit sehr real und drücke sich unter anderem in niedrigeren Reallöhnen oder fehlenden öffentlichen Spitzenpositionen aus. „Ich glaube zwar nicht wirklich, dass eine solche Ostquote eine echte politische Chance hat, ohne sie wird sich an der Situation aber auch so schnell nichts ändern“, sagte Hensel. Über Bundeskanzlerin Angela Merkel und den früheren Bundespräsidenten Joachim Gauck bemerkte sie, diese hätten das ostdeutsche Selbstwertgefühl gestärkt, aber in ihren Ämtern wenig für eine bessere Wahrnehmung ostdeutscher Themen und Belange bewirkt.

Jana Hensel: Wie alles anders bleibt. Geschichten aus Ostdeutschland,Aufbau-Verlag Naika Foroutan, Jana Hensel: Die Gesellschaft der Anderen, ab 10. November