„Robin Hood der Zeitungsleser“: Geert Müller-Gerbes gestorben

Jena/Weimar.  Der langjährige TLZ-Kolumnist und RTL-Moderator Geert Müller-Gerbes ist im Alter von 83 Jahren gestorben.

Hat mit dafür gesorgt, dass das DNT eigenständig blieb: Geert Müller-Gerbes und „sein“ DNT-Sessel.

Hat mit dafür gesorgt, dass das DNT eigenständig blieb: Geert Müller-Gerbes und „sein“ DNT-Sessel.

Foto: Archiv-Foto / Peter Michaelis

Geert Müller-Gerbes ist tot. Er ist am Sonntag in Bonn im Kreis seiner Familie im Alter von 83 Jahren friedlich eingeschlafen. Noch vor etwa zehn Jahren hatte er eine schwere Krebserkrankung samt Rückfall überstanden.

Sterben ist ein Abschied für immer. Doch nicht von Tod und Trauer soll hier die Rede sein, sondern vom Leben – einem erfüllten Leben als Journalist, Kolumnist, Moderator, Familienmensch, Großvater.

Viele Jahre Gastkolumnist der TLZ

Der in Jena als Sohn eines Zeissianers geborene Geert Müller-Gerbes erlebte den ersten Höhepunkt seiner journalistischen Laufbahn in Bonn als Sprecher von Bundespräsident Gustav Heinemann. Er war viele Jahre Gastkolumnist der TLZ, schrieb allwöchentlich die Ratgeber-Rubrik „Mit Fug und Recht“. Im Anschluss an seine Moderation seiner berühmten RTL-Sendung „Wie bitte!?“ leitete er auch eine TLZ-Podiumsdiskussion mit Alt-Bundespräsident Richard von Weizsäcker, der sich beim Kampf um die Eigenständigkeit des Deutschen Nationaltheaters Weimar an dessen Seite gestellt hatte. „Geert Müller-Gerbes hat uns damals mit seiner legendären Moderation sehr geholfen. Das werde ich ihm nie vergessen“, so der einstige Generalintendant des DNT, Stephan Märki. „Im DNT erinnert noch heute ein Theatersessel mit dem Namen Geert Müller-Gerbes‘ an dieses Engagement.“

Kontakt zur Heimat gepflegt

Der Mann mit dem rollenden R – sein Markenzeichen – pflegte sein Leben lang den Kontakt zur alten Heimat, ließ die Bande nie abreißen. Er engagierte sich im Kirchbauverein Jena, der sich unter anderem für die Sanierung der Jenaer Stadtkirche St. Michael einsetzte, was GMG – so wurde Geert Müller-Gerbes kurzerhand genannt – ein besonderes Anliegen war. Oft betonte er: „Ich habe noch heute das Bild vor Augen, das sich mir nach den Luftangriffen im März 1945 bot: Der Kirchturm brannte wie eine Fackel, bevor er in sich zusammenstürzte.“ Mit Tränen der Rührung in den Augen stand GMG dann dabei, als der Turm der Stadtkirche im Mai 2000 seine ursprüngliche Haube zurückbekam.

Wer mit GMG zu tun hatte, erinnert sich an seine Kompetenz in Sachen Kommunikation. Auch der damalige Chef des Kirchbauvereins, Franz von Falkenhausen, gehört dazu. „Geert Müller-Gerbes stand dem Verein im Frühstadium als stets freundlicher und kommunikationsstarker Berater zur Seite. Und seine Mitwirkung bei den ersten Opernbällen zugunsten des Kirchbauvereins bleibt unvergessen. Sein Charme und sein Witz haben maßgeblich zum Gelingen des Balls beigetragen. Seine Moderation – damals von der TLZ angestoßen – war es, die dafür gesorgt hat, dass der Ball das gesellschaftliche Ereignis in Jena wurde.“

„Die Leser liebten ihn“

„Geert Müller-Gerbes war ein kluger Mann mit großen Geistesgaben, scharfem Verstand und durchschlagendem Engagement. Aber er war nicht immer ,pflegeleicht‘ im Umgang. Über allem stand seine Treue zu Jena, zu seiner TLZ und ihren Lesern. Die Leser liebten ihn“, erinnert sich der langjährige TLZ-Chefredakteur Hans Hoffmeister. Er habe zu seinen Überzeugungen gestanden und sich nicht verbiegen lassen. Auch dann nicht, als er seine RTL-Sendung verlor, weil er ein Kommunikationsunternehmen kritisiert hatte, das dem Sender hohe Werbeeinnahmen bescherte. Er war Ratgeber in kleinen Dingen für die kleinen Leute, „eine Art Robin Hood“, schrieb mal jemand über ihn. Sicherlich auch einer der Gründe, weshalb er sich in seiner alten Heimat 2005 für die Schmerzinitiative Thüringen und ihre Ziele einsetzte, sogar die Schirmherrschaft übernahm.

Irgendwann kaufte sich GMG ein Wohnmobil, fuhr viele Sommer mit seiner Ehefrau ans Nordkap, um die Mitternachtssonne zu erleben.

Sein Journalisten-Dasein hängte GMG im Jahr 2000 an den Nagel, um sich einen Wunsch zu erfüllen: „In meinem früheren Leben bin ich politischer Journalist gewesen, doch schon immer wollte ich Kinderbücher schreiben.“ In Jena stellte er vor etwa 15 Jahren zwei seiner „Opa“-Bücher vor: „Opa – wer hat den Mond geklaut?“ und „Opa, kann die Sonne schwimmen?“. Damals sagte er: „Es ist etwas ganz Besonderes, Großvater zu sein.“ Nun wird es keine weiteren „Opa“-Bücher mehr geben.

Die TLZ und ihre Leser trauern um einen Freund. Wir wünschen seiner Familie viel Kraft in dieser schweren Zeit.