Thüringer Online-Bibliothek wird genutzt wie nie

Gera/Jena/Erfurt.  Bislang verzeichnete die Online-Bibliothek 150.000 digitale Ausleihen mehr als im gesamten letzten Jahr. Auch klassische Büchereien beweisen im Corona-Jahr Kreativität.

Blick in die Kinder- und Jugendbibliothek der Stadt Erfurt.

Blick in die Kinder- und Jugendbibliothek der Stadt Erfurt.

Foto: Martin Schutt / dpa

Die Thüringer Online-Bibliothek „ThueBIBNet“ ist in der Corona-Krise so gefragt wie nie: Bis Oktober wurde dort bereits auf 150.000 Medien mehr zugegriffen als im gesamten Vorjahr. 2019 waren knapp 490.000 E-Books, E-Videos und E-Hörbücher digital ausgeliehen worden. In den ersten zehn Monaten dieses Jahres sind es bereits 640.000 Medien.

Damit habe sich die Zusatzinvestition von 50.000 Euro für Neuanschaffungen im Frühjahr richtig gelohnt, freut sich Sabine Brunner, Leiterin der Landesfachstelle für öffentliche Bibliotheken in Thüringen.

Viele örtliche Büchereien im Freistaat verzeichnen unterdessen etwas weniger Besucher als gewöhnlich – auch wenn sie derzeit die einzigen Kultureinrichtungen sind, die für die breite Öffentlichkeit zugänglich sind. „Die Leute gehen, wie im Einzelhandel auch, gezielt los“, erläutert der Direktor der Stadt- und Regionalbibliothek Erfurt, Eberhard Kusber. „Wenn sie aber einmal da sind, dann greifen sie zu und decken sich ein.“ Besonders gefragt sind vielerorts neben Büchern auch Brett- und Konsolenspiele, Videos und Reiseführer.

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Einige, vor allem ältere Leser halten sich auch aus Angst vor Ansteckung mit Besuchen zurück. Zudem fällt ein Großteil der Veranstaltungen, Führungen und Schulklassenbesuche aus. Obendrein sind die Gäste angehalten, nicht länger als eine Stunde zu verweilen. Damit sind die Büchereien auf den reinen Ausleihbetrieb reduziert, was viele Leitungen schmerzt. In den vergangenen Jahren haben sie ihre Häuser zu Treffpunkten entwickelt. Nun hoffen sie, dass sie nicht allzu weit zurückgeworfen werden.

Sömmerda bot Lieferdienst via Lastenfahrrad an

Aber auch in der Krise beweisen die Einrichtungen Kreativität: Die Stadt- und Kreisbibliothek Sömmerda beispielsweise, richtete über die Zeit der Frühjahrsschließung einen Lieferdienst via Lastenfahrrad ein, wie die stellvertretende Leiterin, Beatrice Fischer berichtet. Und die Ernst-Abbe-Bücherei in Jena bot laut Evelyn Meyer von der Öffentlichkeitsarbeit einen Abholservice an. Und vom abgesagten Jenaer Lesemarathon konnten zumindest die Lesungen mit Ilija Trojanow und Greta Taubert ins Internet gerettet werden.

In Erfurt und Jena gibt es zudem besondere digitale Angebote: Die Mitglieder der Bibliothek der Landeshauptstadt können etwa den Musik-Streaming-Dienst Freegal nutzen sowie die Online-Sprachkurse der Software-Firma Rosetta Stone, die Leser der Ernst-Abbe-Bücherei das Video-on-Demand-Filmportal Filmfriend. Allein in Erfurt stellte Bibliothekschef Kusber eine Verdoppelung der Nutzung seiner Online-Angebote fest.

In Gera hat sich das Bibliotheksteam eine besondere Offerte für die Adventszeit einfallen lassen: Jeden Tag veröffentlicht es im Internet sowie im Sender des Thüringer Medienbildungszentrums „Labor 14“ eine eigens vorgelesene Adventskalender-Geschichte.

Die Stadt- und Regionalbibliothek Gera hat die Corona-Krise besonders getroffen. Im Jahr ihres 100-jährigen Bestehens musste ein Großteil des Jubiläumsprogramms abgesagt beziehungsweise verkleinert werden. Besonders bedauert Leiter Rainer Schmidt, dass das Lesefestival „Stadtlesen“ aufs kommende Jahr verschoben werden musste, ohne zu wissen, ob es dann tatsächlich stattfinden kann. Um dieses wandernde Festival bewerben sich jährlich Hunderte Städte.

Falls die Bibliotheken noch einmal schließen müssen, kündigen die Häuser in Jena und Sömmerda bereits an, ihre Bring- und Abholdienste wieder zu reaktivieren beziehungsweise weiter zu intensivieren. Und allen anderen bleiben die verschiedenen Online-Angebote der Thüringer Bibliotheken.