Im Kreis Nordhausen gibt es zu wenige Physiotherapeuten

Nordhausen.  Auch im Südharz gibt es zu wenig Physiotherapeuten. Ein Grund ist die relativ niedrige Bezahlung.

Sandra Einicke (links) und Maya Schrödter lernen im dritten Lehrjahr den Beruf des Physiotherapeuten an der Nordhäuser Berufsschule Morgenröte.

Sandra Einicke (links) und Maya Schrödter lernen im dritten Lehrjahr den Beruf des Physiotherapeuten an der Nordhäuser Berufsschule Morgenröte.

Foto: Hans-Peter Blum

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Der Fachkräftemangel in den Gesundheitsberufen lässt sich im Südharz sehr gut am Berufsbild der Physiotherapeuten darstellen. „Wir erhalten wöchentlich etwa acht Stellengesuche von Physiotherapieeinrichtungen, unsere fertig ausgebildeten Physiotherapeuten werden uns förmlich aus den Händen gerissen“, hat Kristin Krauß, Abteilungsleiterin für die Gesundheitsberufe an der Nordhäuser Berufsschule, beobachtet.

Diese Nachfrage könne natürlich nicht befriedigt werden. „Wir sind doch keine Arbeitsvermittlung“, betont die Nordhäuserin. An der Berufsschule werden derzeit 53 Physiotherapeuten in drei Klassen mit je 15 bis 20 Schülern ausgebildet.

Die selbe Erfahrung hat auch Sonka Trump gemacht. Sie leitet die Pro-Vita-Akademie in Nordhausen, eine Privatschule für Gesundheitsberufe, an der ebenfalls Physiotherapeuten, 54 an der Zahl, ausgebildet werden. „Uns erreichen täglich E-Mails oder Telefonate aus ganz Deutschland und sogar Österreich von Praxen, die händeringend nach Personal suchen“, schildert Trump die Situation. „Es werden mittlerweile schon Startpakete für Berufsanfänger angeboten, die von der Hilfe bei der Wohnungssuche über das Stellen von Dienstwagen bis hin zum Anbieten von Kita-Plätzen reichen“, so die Schulleiterin.

Lohnsteigerungen in Ostdeutschland immer noch geringer

Und auch das scheint nicht zu helfen: „Leider ist die Zahl der Bewerber im vorigen Jahr zurückgegangen“, bedauert Berufsschul-Abteilungsleiterin Krauß. Sie erklärt sich dies mit der Diskussion um die Alten- und Krankenpfleger. „Im Bereich der Pflege wurde von der Bundesregierung deutlich nachgebessert, auch bei der Bezahlung. Die Physiotherapeuten wurden aber nicht berücksichtigt“, erklärt Krauß. Diese würden deutlich weniger verdienen als eine Fachkraft in der Pflege.

Dies bestätigt auch der Geschäftsführer einer Physiotherapiepraxis in Nordhausen, der nicht genannt werden möchte. „Es ist sehr schwierig, motiviertes Personal zu bekommen“, sagt er. Das betreffe auch die Berufsanfänger. Dabei könne er gut noch jemanden gebrauchen. Selbst die oben genannten Anreize würden da kaum helfen. Zudem seien die Lohnsteigerungen in Ostdeutschland immer noch geringer als in Westdeutschland, wo besser bezahlt werde. „Da gibt es bis zu 500 Euro Unterschied“, hat der Nordhäuser beobachtet. So werde zwischen 1800 und 2300 Euro brutto bezahlt.

Die Hälfte der Stellen sind nicht besetzt

Doch nicht nur innerhalb der Bundesrepublik gebe es große Unterschiede. „Viele Physiotherapeuten wechseln die Branche und gehen in die Pflege oder die Orthopädietechnik, weil sie dort mehr Geld verdienen“, erklärt der Experte. Die Bezahlung der Physiotherapeuten sei schon besser geworden. „Aber im Vergleich zu anderen medizinischen oder therapeutischen Berufen sind sie unterbezahlt“, so der Nordhäuser.

Zahlen aus der Nordhäuser Arbeitsagentur unterstreichen den Fachkräftemangel bei den Gesundheitsberufen. „Die berufsspezifische Arbeitslosenquote beträgt in den medizinischen Berufen 1,3 Prozent in Nordthüringen“, teilt Pressesprecherin Andrea Springer mit. Das sei sehr niedrig, und die Dynamik bei der Stellenvermittlung lasse nach. „Im Agenturbezirk waren zum 31. Dezember 2019 rund 50 Stellen noch nicht besetzt“, so Springer. Im Landkreis Nordhausen sind derzeit 3231 Personen in den Gesundheitsberufen beschäftigt (plus 0,9 Prozent zum Vorjahr).

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