Lange Wege zum Gesellenbrief: 84 neue Gesellen in Gera freigesprochen

Eine Frau, die auf Umwegen Kfz-Mechatronikern wird und ein Amerikaner, der Anlagenmechaniker für Sanitär-, Heizungs- und Klimatechnik im Ostthüringischen lernt sind unter den 84 neuen Gesellen.

Die besten fünf Kfz-Mechatroniker, die an der Berufsschule Technik Gera Theorie paukten (von rechts): Dominik Kunz (Wünschendorf)  er lernte bei Auto-Scholz AVS in Gera, Nico Sittner aus Gera  er lernte im Autohaus Walter Gera , Sylke Müller (Schmölln)  sie lernte im AFA Autohaus Gera, Sebastian Koudele (Starkenberg)  er lernte beim Regionalverkehr Gera Land und Marc Buschmann (Kamsdorf)  er lernte bei Kombus Saalfeld. Foto: Sylvia Eigenrauch

Die besten fünf Kfz-Mechatroniker, die an der Berufsschule Technik Gera Theorie paukten (von rechts): Dominik Kunz (Wünschendorf) er lernte bei Auto-Scholz AVS in Gera, Nico Sittner aus Gera er lernte im Autohaus Walter Gera , Sylke Müller (Schmölln) sie lernte im AFA Autohaus Gera, Sebastian Koudele (Starkenberg) er lernte beim Regionalverkehr Gera Land und Marc Buschmann (Kamsdorf) er lernte bei Kombus Saalfeld. Foto: Sylvia Eigenrauch

Foto: zgt

Gera-Aga. Die Geschichten, wie junge Leute heute zu ihrem Traumberuf kommen, blieben am Sonnabend im Verborgenen. 84 junge Männer und Frauen erhielten ihre Gesellenbriefe in Gera-Aga. Die meisten unter ­ihnen, nämlich 72, hatten ­Kfz-Mechatroniker gelernt.

Zu ihnen gehört die 28-jährige Sylke Müller aus Schmölln. Sie strahlte überglücklich. "Sie hat ihre Berufung gefunden", meinte ihre Mutter, die mit dabei war. Masseurin hatte die junge Frau zuerst gelernt und sich dann zur Physiotherapeutin qualifiziert. Doch ihr erstes Auto, ein Opel Astra G, veränderte alles. "Reparieren ist was Tolles", schwärmt sie heute. Sie entschloss sich für eine neue Ausbildung, lernte im AFA Autohaus Gera und unterschrieb am 14. Januar 2015, einen Tag nach ihrer Gesellenprüfung, einen Arbeitsvertrag bei Auto Golde in Bieblach. "Es war schon immer mein Wunsch, bei Opel zu arbeiten", sagte sie.

In der Klasse war sie die einzige Frau und mit einem Notendurchschnitt von 1,3 sogar die Beste. Mitschüler Daniel Becker aus Altenburg zollt ihr Respekt. "Meiner Freundin würde ich das nie empfehlen", sagt er, weil er um die Schwere der Arbeit weiß. Sylke Müller hat das nicht entmutigt. "In der neuen Werkstatt bin ich ohne Misstrauen auf­genommen worden. Die Kollegen sind offen und hilfsbereit", erzählt sie.

Neben Daniel Lacher wurde sie am Sonnabend als beste Schülerin der Geraer Berufsschule Technik im Ausbildungsjahrgang ausgezeichnet. "Ich schätze ihre Neugier und die Fähigkeit, Konflikte sozialer und technischer Natur durch Argumente zu lösen", sagt ihr Klassenlehrer Ingolf Zupfer über sie.

Ein Amerikaner hat in Kraftsdorf gelernt

Extra aus Pennsylvania kam Merrill Joseph Mow nach Ostthüringen, um Anlagenmechaniker für Sanitär-, Heizungs- und Klimatechnik zu lernen. "Das Zeugnis wird in der ganzen Welt geschätzt", sagt der 21-Jährige voller Stolz. Seine Ausbildung bei der HSK GmbH in Kraftsdorf hat er mit einem Notendurchschnitt von 1,4 abgeschlossen. Über seinen Aus­bildungsbetrieb gerät er ins Schwärmen. "Das ist ein sehr, sehr guter Betrieb, er hat sich um alles gekümmert und ich konnte viel selbstständig arbeiten", erzählt er von Baustellen in Schulen und Altenheimen in Oberfranken. "Ich kann den Betrieb nur empfehlen", sagt er. Weil sein Visum nur für die Zeit der Ausbildung gültig war, wird der 21-Jährige künftig in New York arbeiten. "Irgendwann" möchte er wiederkommen. Denn seine Kumpels und Gehacktes, das er neuerdings gern isst, wird er vermissen. Für vier Jahre war er bei Bekannten in Bad Klosterlausnitz zu Hause.

Zu den Kommentaren
Im Moment können keine Kommentare gesichtet werden. Da wir für Leserkommentare in unserem Internetauftritt juristisch verantwortlich sind und eine Moderation nur während unserer Dienstzeiten gewährleisten können, ist die Kommentarfunktion wochentags von 22:00 bis 08:00 Uhr und am Wochenende von 20:00 bis 10:00 Uhr ausgeschaltet.