Tierquäler gefasst: 30-jähriger Ehemann aus Jena gesteht

Monatelang hat ein Tierquäler im Großraum Jena mit einer Armbrust friedlich grasende Pferde und Rinder beschossen. Nach der Festnahme des Mannes herrscht bei den Tierhaltern Erleichterung.

Der Leiter der Sonderkommission Weide bei der Jenaer Polizei, Sven Opitz (2.v.r.), und Thüringens Polizeipräsident Wilfried Bischler (r), informieren in Jena über die Festnahme eines mutmaßlicher Tierquäler aus Ostthüringen. Foto: Katrin Zeiß/dpa

Der Leiter der Sonderkommission Weide bei der Jenaer Polizei, Sven Opitz (2.v.r.), und Thüringens Polizeipräsident Wilfried Bischler (r), informieren in Jena über die Festnahme eines mutmaßlicher Tierquäler aus Ostthüringen. Foto: Katrin Zeiß/dpa

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Jena. Auf diese Nachricht hat Siegfried Stenzel gewartet. "Endlich ist die Ungewissheit für die Tierhalter vorbei", sagt der Geschäftsführer des Kreisbauernverbandes im ostthüringischen Saale-Holzland-Kreis. Nach monatelangen akribischen Ermittlungen hat die Polizei einen mutmaßlichen Tierquäler gefasst, der in den Dörfern rund um Jena seit dem vergangenen Sommer sein Unwesen trieb. Mit der Armbrust soll der geständige Tatverdächtige, ein 30 Jahre alter Ehemann aus Jena, nachts auf friedlich weidende Rinder und Pferde geschossen haben. Ein Pferd und ein Rind verendeten an den Schusswunden. Auch eine als vermisst gemeldete und später tot gefundene Labradorhündin soll auf das Konto des Mannes gehen, wie die Thüringer Polizei am Mittwoch in Jena berichtet.

Polizei durchforstete Dutzende Onlineshops

Die anfangs sechs, später bis zu zehn Sonderermittler hätten Dutzende Onlineshops nach Armbrust-Käufen und Munition durchforstet, sagte der Leiter der Sonderkommission "Weide" bei der Jenaer Polizei, Sven Opitz, am Mittwoch. Zur Ermittlung des Täters führte am Ende der Abgleich von Bestellungen aus den Online-Shops. Dabei stellte sich heraus, dass der Beschuldigte bei mehreren Händlern Bolzen bestellt hatte. Außerdem gab es einen Zusammenhang zwischen den Bestellungen und den Handlungen.

Der möglicherweise schuldunfähige Tatverdächtige kommt aus Jena und kam auf Antrag der Staatsanwaltschaft vorläufig in eine psychiatrische Klinik, weil die Gefahr weiterer Straftaten besteht. Mindestens 7 Fälle von Tierquälerei mit 3 getöteten und 15 verletzten Tieren schreiben die Ermittler dem ausgebildeten, jedoch derzeit arbeitslosen Sozialbetreuer zu, weitere Fälle werden noch geprüft. "Das sind Straftaten, die zu einer hohen Verunsicherung in der Bevölkerung führen", sagt Thüringens Polizeipräsident Wilfried Bischler. "Nicht nur bei den Besitzern der Tiere." Tierschützer hatten mehr als 10 000 Euro Belohnung für Hinweise auf den Tierquäler ausgelobt.

Armbrust, Luftgewehre und Zehntausende Diabolos gefunden

Bei seiner Festnahme am Dienstag hatte die Polizei unter anderem eine Armbrust, 2 Luftgewehre, rund 170 Armbrustbolzen und 32 000 Diabolos - Geschosse für Luftgewehre - sichergestellt. Auch Spezialzubehör wie sehr scharfe Jagdspitzen, die tief ins Gewebe eindringen und schwere Verletzungen verursachen, entdeckte sie. Derartige Waffen sind in Deutschland bei der Jagd nicht erlaubt. Der Tatverdächtige hatte die Ermittler durch Waffenkäufe im Internet auf seine Spur gebracht. "Wir haben Dutzende Onlineshops durchforstet", sagt der Leiter der Sonderkommission "Weide" bei der Jenaer Polizei, Sven Opitz. Bischler spricht von "kriminalistischer Kleinstarbeit".



Wahllos habe der Tatverdächtige, der selbst einen Wellensittich besitzt, zugeschlagen, berichtet Opitz. "Er ist mit seinem Auto spontan losgefahren, hat an der Koppel angehalten, geschossen und war wieder weg." Für die Tierhalter und Landwirte war das eine unberechenbare Situation. "Man kann doch nicht Tag und Nacht eine Weide bewachen", sagt Siegfried Stenzel vom Kreisbauernverband.

Nach den Taten oft geschämt


Die Polizei wiederum war vor allem besorgt, dass der Täter auch Menschen angreifen könnte. "Wer weiß, wie ein zufälliges Zusammentreffen mit den Tierhaltern ausgegangen wäre", sagt Opitz. Der Tatverdächtige habe in der Vernehmung von Angstzuständen und Wutanfällen gesprochen - und davon, dass er seine Handlungen dann nicht mehr steuern könne. Hinterher habe er sich oft geschämt und auch bei der Polizei Reue gezeigt. Er sei geständig, wirkte laut Polizei am Ende erleichtert.

Der 30-Jährige war bereits vor einigen Jahren einmal wegen Tierquälerei im Visier der Polizei. Der Verdacht, eine Katze mit einem Luftgewehr getötet zu haben, ließ sich damals aber nicht erhärten.



Brutale Übergriffe auf Tiere, die verstümmelt und getötet werden, gibt es in Deutschland immer wieder. Berüchtigt ist der Pferderipper aus Norddeutschland, der mehr als 100 Pferde tötete und nie gefasst wurde.

Die Polizei ging nach eigenen Angaben 36 Hinweisen aus der Bevölkerung nach. Die Ermittler hatten mehr als 80 Spuren.

Eine geschädigte Besitzerin eines getöteten Pferdes hatte eine Belohnung von 10.000 Euro zur Ergreifung des Täters ausgelobt, weitere 4000 Euro waren von den Jenaer Tierschützern bereit gestellt worden.

Die Taten

3./4.6.2012: Isserstedt, fünf Rinder verletzt

6./7.01.2013 Großlöbichau, vier Rinder verletzt

3./4.02.2013 Großlöbichau, vier Rinder verletzt

6./7.02.2013 Bucha/Nennsdorf, ein Pfeil steckte im Fell eines Rindes, das Tier blieb unverletzt

1./2.03.2013 Großbockedra, ein Pferd getötet, eins schwer verletzt

12./13.04.2013 Bucha, ein Hochlandrind verletzt, Tier verstarb später

16.04.13 Eine Labrador-Hündin aus Jena wird vermisst und Tage später tot aufgefunden

Mutmaßlicher Tierquäler gefasst: Waffenkäufe verrieten ihn

Angst vor Tier-Mörder geht um: Nun 14.000 Euro Belohnung für Ergreifung

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