Thüringer Gamer-Szene weist Pauschalvorwürfe nach Terroranschlag zurück

Erfurt  Nach dem Terroranschlag von Halle wehrt sich die Thüringer Gamer-Szene gegen Pauschalvorwürfe, die gegen Computer-Spieler erhoben wurden. Der Verband betont: Computerspiele alleine radikalisieren niemanden.

Auf der MAG zu Monatsbeginn in Erfurt konnten die neusten Spiele getestet werden.

Auf der MAG zu Monatsbeginn in Erfurt konnten die neusten Spiele getestet werden.

Foto: Sascha Fromm

Die Szene der Computer- Spieler in Mitteldeutschland wehrt sich gegen Pauschalvorwürfe, die nach dem Terroranschlag von Halle vergangenen Mittwoch gegen sie erhoben werden. Besonders Äußerungen von Bundesinnenminister Horst Seehofer (CSU), die „Gamer-Szene“ stärker beobachten zu wollen, stoßen auf massives Missfallen.

„Viele von den Tätern oder den potenziellen Tätern kommen aus der Gamer-Szene“, hatte der CSU-Politiker im Fernsehen geäußert und ergänzt: „Man muss genau hinschauen, ob es noch ein Computerspiel ist, eine Simulation oder eine verdeckte Planung für einen Anschlag“. Es habe einen „faden Beigeschmack, dass ausgerechnet die Partei von Herrn Seehofer vor Kurzem Bayern als starken Förderer von E-Sport und Games betitelte“, erklärt Markus Bonk, Sprecher der Adhoc gaming GmbH Gera. Adhoc ist im Freistaat das einzige Unternehmen mit einer Profimannschaft im E-Sport.

Die Gamerszene störe, wie die Ursache für das Attentat in Halle gesucht werde, kritisiert der Experte. „Unsere E-Sportler erleiden keinen Verlust der Realität.“ Sie hätten Vollzeitjobs wie in jedem andere Beruf auch, mit geregeltem Tagesablauf und Freizeit fernab vom Spiel. Dazu kämen Termine in der Öffentlichkeit und beispielsweise bei Sponsoren. Markus Bonk widerspricht auch der These, dass Egoshooter, also Computerspiele in denen aus der Ich-Perspektive beispielsweise geschossen wird, per se negative Auswirkungen auf den Spieler oder den eSportler hätten.

Generalverdacht ist falsch, so Valentina Kerst

Auch der Verband „Games & XR“ in Mitteldeutschland weist die Pauschalkritik zurück. Es gebe keinen „vermuteten Zusammenhang zwischen Gaming und dem Anschlag von Halle“, heißt es in einer Stellungnahme. Mehr als die Hälfte aller deutschen Bürger würden in ihrer Freizeit Computerspiele nutzen und damit jetzt unter Generalverdacht stehen, betont Verbandssprecher Marcus Klöppel. Der Verband sehe als eine seiner Aufgaben, über das wirtschaftliche, wissenschaftliche, kulturelle und gesellschaftliche Potenzial von Spiel-Anwendungen aufzuklären, fügt er an.

Der Verband führt darüber auch Gespräche mit der Digitalagentur Thüringen sowie dem Thüringer Wirtschaftsministerium. „Ich glaube, es ist falsch, wenn die Gamer-Szene jetzt pauschal unter Generalverdacht gestellt wird“, sagte am Dienstag Thüringens Wirtschaftsstaatssekretärin Valentina Kerst dieser Zeitung.

Den Eindruck zu erwecken, als seien alle Computerspieler latent rechtsextremistisch, halte sie für absurd. „Seehofer lenkt hier von den eigentlichen Problemen im Land ab, die ganz woanders liegen.“

Natürlich sei es grundsätzlich richtig und sogar selbstverständlich, dass Plattformen, über die Videos verbreitet werden, eine besondere Verantwortung haben“, da müsse man auch hinschauen. Aber das gelte immer und jederzeit und sollte keine neue Erkenntnis sein.

Thüringen sieht in der Spieleindustrie Potenzial auch für andere Anwendungen, beispielsweise bei der Medizin- oder Sicherheitstechnik. Auch deshalb wurden Anfang des Monats beim Fantreffen der Spiele-Szene „MAG“ in Erfurt Gespräche zwischen Entwicklern und der Thüringer Industrie organisiert.

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